Bamberg
Interview

Bewohner der Aufnahmeeinrichtung in Bamberg dürfen die Stadt nicht verlassen

Stefan Krug von der Regierung von Oberfranken äußert sich zu Fragen rund um die Aufnahmeeinrichtung Oberfranken in Bamberg.
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Stefan Krug von der Regierung von Oberfranken (links) äußert sich zu Fragen aus dem Publikum bei der Podiumsdiskussion der Mediengruppe Oberfranken am Montag in Bamberg. Er weist Kritik an der Unterbringung von Asylsuchenden in der Aufnahmeeinrichtung Oberfranken von sich (rechts: FT-Lokalchef Michael Memmel) Foto: Matthias Hoch
Stefan Krug von der Regierung von Oberfranken (links) äußert sich zu Fragen aus dem Publikum bei der Podiumsdiskussion der Mediengruppe Oberfranken am Montag in Bamberg. Er weist Kritik an der Unterbringung von Asylsuchenden in der Aufnahmeeinrichtung Oberfranken von sich (rechts: FT-Lokalchef Michael Memmel) Foto: Matthias Hoch
Viele Fragen sind bei der Podiumsdiskussion der Mediengruppe Oberfranken (MGO) am Montag zum Thema "Brennpunkt Asyl - ist Bamberg überfordert" gestellt worden. Vor allem wollten die Zuhörer Informationen rund um die Aufnahmeeinrichtung Oberfranken (AEO) bekommen. Dort sind derzeit über 1000 Asylsuchende untergebracht. Stefan Krug, Leiter des Bereichs Soziales bei der Regierung von Oberfranken, beantwortet die offenen Fragen und geht auf Kritik ein.

Gibt es eine Ausgangssperre für Bewohner der Aufnahmeeinrichtung Oberfranken (AEO)?
Stefan Krug: Nein. Die Asylsuchenden in der AEO können diese vollkommen frei verlassen, aber ihr Aufenthalt ist auf das Stadtgebiet beschränkt. Will jemand das Gebiet verlassen, braucht es eine besondere Genehmigung, die nur ausgestellt wird, wenn es einen besonderen Anlass gibt. Die Bewohner haben außerdem einen Einrichtungsausweis. Wir wissen deshalb, wer da ist und wer nicht.

Wie funktioniert die Erfassung?
Beim Verlassen oder Betreten des Geländes wird der Ausweis vom Wachdienst gescannt. Das ist wichtig, wenn es brennt oder eine andere Gefahrensituation entsteht. Wenn wir also evakuieren wollen, müssen wir wissen, wie viele Leute gegenwärtig in der Einrichtung sind.

Was können Sie gegen Lärm tun?
Der Wachdienst ist angehalten, die Bewohner zur Ruhe zu bitten. Vor allem, wenn manche bereits auffällig lautstark in die Aufnahmeeinrichtung kommen. Hier hilft auch der Shuttle-Bus der Stadtwerke, der die Bewohner von der Stadt zur AEO bringt. Durch den Shuttle wird ermöglicht, dass die Flüchtlinge wichtige Einrichtungen wie das Klinikum leichter erreichen können und verhindert, dass die Bewohner durch den Kapellenschlag laufen. Im Übrigen finanziert sich der Bus durch eine entsprechende Reduzierung der Geldleistungen für die Bewohner der AEO. Es bezahlt also der Freistaat dafür, nicht die Stadt.

Stichwort Platzverhältnisse - werden die sieben Quadratmeter pro Bewohner eingehalten?
Wir halten das in der Vielzahl aller Fälle ein. Oft gibt es sogar Fälle, in denen Familien größere Wohnungen bekommen könnten, die aber sagen, dass sie diese nicht wollen. Bei der "Sieben-Quadratmeter-Regel" muss man wissen, dass sie für die Anschlussunterbringung gilt. Für eine Erstaufnahme gibt es keine derartige Vorschrift, wir wollen dies trotzdem einhalten - im Augenblick ist das der Fall. Aber: Bevor ein Asylbewerber im Freien übernachten muss, rücken wir enger zusammen!

Die Beschulung wurde als "Pseudo" kritisiert...
Das hat mir in der Diskussion wirklich wehgetan. In diesem Zusammenhang von Pseudobeschulung zu reden, halte ich für sachlich falsch. Wir haben eine Grundschule mit 25 und eine Mittelschule mit 35 Plätzen. Auch eine Berufsschulklasse mit 25 Plätzen, die noch ausgebaut werden kann, halten wir bereit. Der Unterricht findet täglich statt. Das ist wirklich ein gutes Angebot und ist mit dem Anwachsen der Einrichtung größer geworden. Auch die Asylsozialberatung entspricht dem Schlüssel von 1:100. Denn ein solcher Schlüssel gilt nur für die klassische Erstaufnahmeeinrichtung , nicht aber für den Teil, der als besondere Aufnahmeeinrichtung für die Menschen aus sicheren Herkunftsländern zuständig ist. Das Bayerische Sozialministerium steht aber in der Frage der Beratung im engen Kontakt mit der Stadt Bamberg. Es wird also auch über eine Erweiterung der Beratung verhandelt .


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