"Der arme Hausmeister!" Die Schüler äußern spontan ihr Mitgefühl für den Mann, in dessen Schlafzimmer der Turnlehrer gekracht war. Auf der Jagd nach Tauben auf Abwegen - im Dach der Schule. Das war in den 60ern, wie Rektor Wolfgang Loch den Kindern auf der Tour durch die generalsanierte und erweiterte Grundschule erzählt. Im Hort Regnitzpiraten, der nun unter dem Dach residiert, wird wohl niemand mehr durchbrechen, versichern Rektor und Bürgermeister Johann Pfister (BI) übereinstimmend. Gemeinsam mit den Schülern begeben sie sich auf Tour durch das schmucke Schulhaus.

"Hört Ihr, wie's hier scheppert", fragt Pfister immer wieder auf den Gängen. Er meint das Hallen. Die Schüler nicken heftig. "Ganz anders!" signalisieren ihre Mienen in den Klassenzimmern - schallgedämmte Decken. Dadurch wird nun auch eine Bläserklasse möglich. Vor der Sanierung wäre womöglich die ganze Schule beim Blasmusikunterricht akustisch in Mitleidenschaft gezogen worden.

"Die alte Schule" ist natürlich ein Thema bei dem Rundgang. Der erste Bau, der so genannte Altbau in der Schulstraße stammt aus dem Jahr 1937. In den 60ern wurden der Neubau und die Pausenhalle - praktisch als verbindendes Element zwischen beiden - errichtet. Vor einigen Jahren stand dann die dringend nötige Sanierung der Grundschule an, aber auch die Frage nach einem Neubau im Raum. Ein großes Politikum. Der Neubau wäre am anderen Ende der Schulstraße bei der Hauptschule entstanden. "Anfangs war ich ja dafür", blickt Rektor Loch zurück. Verwaltungstechnisch wäre das wohl einfacher, meint er auch noch heute. Aber die weiteren Argumente bestimmten dann doch sein Umschwenken und Umdenken. Loch nennt den Erhalt eines ortsbildprägenden Baues als ein Argument. Der Altbau hätte in jedem Fall saniert werden müssen. Als weitaus gewichtigere Argumente nennt Loch die, dass nicht nur der Neubau selbst weitaus kleiner ausgefallen wäre, sondern auch die Klassenzimmer. "Gefördert werden jetzt nur noch Räume bis zu 54 Quadratmetern", so Loch.

Große Klassnezimmer


Die nun sanierten Klassenzimmer sind jedoch 60 bis 70 Quadratmeter groß. Hort und Mittagsbetreuung hätte man keinesfalls mit unterbringen können. Gerade auch für den Hort sei die Lage unten an der Schulstraße mit der Bushaltestelle (für Schüler, die Bamberger Schulen besuchen) ideal. "Der Bedarf an Nachmittagsbetreuung nimmt weiter zu." Insgesamt wurden 10 000 Kubikmeter Raum der bestehenden Bausubstanz saniert, neu entstanden sind 2670 Kubikmeter umbauter Raum.

Jetzt jedenfalls, so freuen sich Loch und seine Konrektorin Angela Hartl, findet das 30-köpfigen Lehrer-Kollegium für die 240 Grundschüler in zehn Klassen optimale Unterrichts-Bedingungen. Außerdem hat das Kollegium jetzt endlich ein ausreichendes Lehrerzimmer, so dass man sich nicht mehr auf dem Gang besprechen muss. Der Rektor gerät ins Schwärmen: "In der top-modernen und technisch äußerst zeitgemäß ausgestatteten Schule ist moderner, medienunterstützter Unterricht möglich."

Die veranschlagten Kosten von 4,2 Millionen Euro werden - sehr zur Freude des Bürgermeisters nicht nur eingehalten, sondern möglicherweise sogar unterschritten. Die Bauzeit betrug zwei Jahre. Während dieser Zeit wurden die Grundschüler in Containern auf dem Hauptschulgelände unterrichtet. Marie Kübrich, Leon Achtziger, Marcel Eckert, Selina Janku, Hannah Hoffmann, Luisa Raab und Leonie Hauser haben diese Phase miterlebt. Dort waren die Räume so kahl und ohne Bilder, schildern sie. Deswegen waren die Schüler als Künstler gefordert, um die Containerklassenzimmer zu verschönern. Auf den Böden haben die Stöckelschuhe der Lehrerinnen immer so geklappert, merkt Hannah weiter an. Natürlich war in der Containerschule alles viel kleiner als in der Grundschule. Die haben die Genannten, die jetzt in die vierte bzw. fünfte Klasse gehen noch im unsanierten Zustand gekannt.

Verschiedene Missstände


Sie können sich noch lebhaft an verschiedene Missstände erinnern: Risse in den Wänden, kaputte Türen, hellhörige Klassenzimmer und verstopfte Toiletten. Rektor Loch ergänzt das um endlose Wege. Weil es im ersten Stock keine direkte Verbindung zwischen Alt- und Anbau gab, man also immer erst runter und durch die Pausenhalle musste. Die wurde nicht nur vergrößert, sondern auch unterkellert und aufgestockt. Das bringt oben weitere Klassenzimmer und unten einen schmucken an die 200 Quadratmeter großen Bürgersaal, den die Schule auch für besondere Veranstaltungen wie Eltern-Infoabende und Ähnliches nutzen kann. Wenn erst die Holnsteinstraße neu gebaut ist, ist von hier der separate Zugang möglich. Dafür dass keine Schüler auf Abwege geraten, sorgen absperrbare Gittertüren.

Stichwort großzügig: So sind auch die Räumlichkeiten der Mittagsbetreuung "Kleckse" im Erdgeschoss.
Und wie finden die Kinder ihre Schule jetzt? Sie sind begeistert, sprudeln nur. Besonders die Beamer haben es ihnen angetan, die kleinen Fenster, die automatisch aufgehen. Die zwei tollen WTG-Räume, die großen Klassenzimmer. Und natürlich der Wasserspender (mit stillem und sprudelndem Mineralwasser) in der Pausenhalle. Der wird entsprechend oft frequentiert. Die vom Bürgermeister befürchtete Überschwemmung ist bisher ausgeblieben, zeigt er sich positiv überrascht.

Bei einem Tag der offenen Tür hat sich die "neue Grundschule" der Bevölkerung vorgestellt, sagt die Konrektorin. Die zusammen mit dem Kollegium viel Herzblut in eine optimale Präsentation gelegt hat. Nun steht als nächstes Projekt die Vorbereitung eines Konzeptes für die Neugestaltung des Pausenhofs an, das die Schulfamilie gemeinsam erarbeiten möchte. Der Hof kann aber erst dann gestaltet werden, wenn die Sanierung der Turnhalle abgeschlossen ist. Die wird etwa ein Dreivierteljahr dauern, schätzt der Bürgermeister. Baubeginn wird vermutlich in den Sommerferien sein.

Jetzt sind Rektoren-Duo, Lehrer und Schüler jedenfalls erst mal stolz auf die schöne neue Schule. Fünftklässler Marcel, der jetzt ein Stück weiter oben in der Schulstraße die Mittelschule besucht, würde gerne noch einmal zurück an die "schöne Schule, also die Grundschule" gehen...