Es rumpelt und donnert mächtig, wenn Marco Zweig mit seinen vier schwarzen Hengsten an der Regnitz entlangprescht. Im römischen Kampfwagen. "Da kriege ich jedes Mal Gänsehaut", stellt Marion Baumgarten ergriffen fest. Herbert Zweigs Augen glänzen. Sein Blick ist Begeisterung pur. "Ich wollte schon immer was machen, was sonst keiner macht", sagt er, während er die Augen nicht von dem leuchtend weißen Geschoss und den tiefschwarzen Pferden lassen kann. "Ein Ben-Hur-Wagen war mein Traum." Den hat sich der 51-Jährige erfüllt und lässt dennoch Sohn Marco an Leinen und Wagen. "Man muss die Jungen halten, sie motivieren." Der 26-Jährige auf dem rumpeligen Einachser lenkt diesen stolz wie ein Feldherr.

Herbert Zweig ist mit Pferden groß geworden: Sein Vater hat Holz gerückt, dabei hat er ihm geholfen und bald die Tätigkeit selbst übernommen. Mit 14 hatte Zweig seinen ersten Araber. Später entdeckte er sein Faible für die pechschwarzen Friesen, imposante Kutschenpferde. Die Begeisterung für diese Pferderasse teilt Zweig mit Ehefrau Monika und Sohn Marco. Mittlerweile hat die Familie in ihrem Stall und gleich beim Haus fünf Friesenhengste stehen. Mit denen touren Monika Zweig und Marcos Freundin Sina Binöder durch ganz Bayern, für Auftritte mit dem Friesenteam Excalibur bei historischen Festen und Ritten.
Und dann war da immer noch Herbert Zweigs Traum von dem ganz Besonderen. Weil man mit Pferden und Ponys auch immer bei Veranstaltungen in ganz Frankens unterwegs ist, kam Zweig senior durch einen Bekannten aus Thalmässing (Mittefranken) auf die Idee: "Die fahren einen Ben-Hur-Wagen, aber mit Haflingern und keine Hengste", erklärt Marco.

Also recherchierte die Familie und erstand als erstes einen solchen Wagen. Stolze 3000 Euro musste man dafür investieren. Dann kam der schwierigere Teil: Die Ausrüstung für die Pferde. Denn so eine Kutsche ist schließlich kein Standard-Vehikel. Standard -Ausrüstung gibt es wohl für vier Pferde, die paarweise vor einander angespannt werden. Aber nebeneinander... So mussten sich Zweigs beim Sattler erst einmal Spezial-Leinen anfertigen lassen. Sie allerdings an den Kandaren der Pferde zu fixieren, das ist eine Kunst für sich, wenn man die Vielzahl der V-förmigen Lederteile betrachtet. Ist nur eines nicht richtig verschnallt, lässt sich das Quartett nicht lenken. Doch bevor die Leinen eingeschnallt werden, ist etliches vorzubereiten. Für jedes Pferde braucht es einen Betreuer: Für den dreijährigen King ist Sinas Vater Peter Gebauer zuständig: Putzen, Zäumen und Geschirr anlegen. Lenny (8) wird von Monika Zweig betreut, Rusty (8) von Marion Baumgarten und Nero (3) von Jette Diriam. Das Betreuer-Team muss genauso eingespielt sein wie die Pferde, sagt Zweig senior.
Weil der Kampfwagen mit den Hengsten davor Überbreite - 3,60 Meter - hat, müssen Wagen und Pferde separat zur Trainingswiese an der Regnitz gebracht werden. "Zuerst haben wir es mit den älteren Hengsten probiert und dann die jungen dazu gespannt", erklärt Herbert Zweig.

Während jedes einzelne Tier mit den Leder-Strängen an den Wagen "gehängt" wird, hält es der Betreuer am Strick (an der Kandare) fest. Dann ist auch die Deichsel in der Waagrechten. Die Tiere stehen erstaunlich ruhig, aber auch neugierig. Die Leinen macht Herbert Zweig persönlich fest. "Aus Sicherheitsgründen." Dann steigt Marco auf den spartanischen (etwa 200 Kilo schweren) Wagen, dessen Bremspedal wohl eher Zierde ist. Mit den Leinen brauche er nicht arbeiten, sagt Marco. "Mit Kraft geht da gar nichts." Die pro Stück etwa 600 Kilo schweren Tieren reagieren auf seine Stimme. Festhalten an den Leinen ist tabu. Damit Marco nicht vom Wagen geschleudert wird, haben Zweigs hinter ihm einen Gurt befestigt, "unsere Erfindung", sagt der Vater. Und dann geht's ab. Erst im Schritt, zum Warmfahren, dann im Trab und schließlich im Galopp bei dem die langen Mähnen im Gleichtakt wehen. Ein einzigartiges Bild. die Betreuer am Rande strahlen. Etwa 30 Minuten wird trainiert, das genügt. Es funktioniert. Nun wollen Zweigs mit ihrer Kampfwagen-Nummer bei Veranstaltungen auftreten. Premiere ist am Muttertag beim Pferdemarkt in Mürsbach - als Höhepunkt im Schauprogramm. "Mein Traum wäre es, in Rom aufzutreten" verrät Herbert Zweig. Denn der Filmklassiker "Ben Hur" ist inzwischen Lieblingsstreifen des Sassanfahrter Teams.