Bamberg

Bei der Tafel sind alle gleich

Die Bamberger Ausgabestelle für Lebensmittel verzeichnet einen anhaltend großen Zulauf. 40 000 Taschen haben die ehrenamtlichen Helfer im Jahr 2015 gefüllt.
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Michaela Revelant (links) füllt Backwaren in die Tasche einer jungen Frau. Fotos: Matthias Hoch
Michaela Revelant (links) füllt Backwaren in die Tasche einer jungen Frau. Fotos: Matthias Hoch
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Ihre Bedürftigkeit müssen die Menschen nachweisen, wenn sie Lebensmittel bei der Tafel in der Böttgerstraße 8 holen. Ihr Herkunftsland dagegen spielt für das Helfer-Team keine Rolle. "Bei uns sind alle gleich," versichert Wilhelm Dorsch, der Motor des Ganzen. Gemeinsam mit seiner Frau Michaela Revelant hat er vor inzwischen beinahe 25 Jahren den Grundstein für die Ausgabestelle gelegt, seit elf Jahren ist man dem Bundesverband Deutsche Tafel e.V. angeschlossen.

Wie groß die Not vieler Menschen auch im Raum Bamberg ist, wird mittwochs und samstags in der Böttgerstraße 8 offensichtlich. Vor und während der knapp zweistündigen Lebensmittelausgabe bilden sich lange Schlangen am Eingang.
100 bis 130 Leute kommen zur Zeit pro Öffnungstag, Einheimische und Flüchtlinge gleichermaßen.


"Kein Grund, sich zu schämen"

Was Dorsch aufgefallen ist und er sehr bedauert, ist: Die deutsche "Kundschaft" macht sich rar. Um Ostern herum seien noch im Schnitt 170 Leute gekommen. Dass es plötzlich allen besser geht, die jetzt fern bleiben, hält er für unwahrscheinlich. Er fürchtet, dass immer mehr hiesige Bedürftige sich genieren, das Angebot zu nützen. Dorsch möchte allen Mut machen, zu kommen. Niemand müsse sich dafür schämen, wenn er oder sie in Not geraten ist.

Wer kommt, geht gewöhnlich mit prall gefüllten Beuteln. Sogar Kühltaschen verteilt das Helferteam, damit Wärme empfindliche Ware nicht auf dem Heimweg verdirbt.

Nach der Vereins-Statistik wurden 2015 rund 40 000 Taschen mit Lebensmitteln aller Art gefüllt. Der Inhalt kam knapp 35 000 Menschen zugute. Aktuell sind unter den Tafel-Kunden 515 Flüchtlingsfamilien mit 1050 "Köpfen" registriert.

Beeindruckend ist eine weitere Zahl: 33 000. So viele Stunden leistet das ehrenamtliche Helfer-Team durchschnittlich im Jahr. Viel Arbeit fällt im Hintergrund an: Das beginnt mit dem Einsammeln der Lebensmittel an 200 Anlaufstellen (im Einsatz sind unter anderem zwei vereinseigene Kühlfahrzeuge), geht mit dem Aussortieren und Einlagern weiter und endet noch nicht mit der Ausgabe. Auch das Nachbereiten und Putzen gehört dazu. Neben freiwilligen Helferinnen und Helfern arbeiten 1.50-Euro-Kräfte bei der Tafel mit. Der Vorstand ist stolz darauf, dass einige dieser Mitarbeiter den Sprung in eine "richtige" Beschäftigung geschafft haben. So hilft die Tafel auch manchem ihrer Helfer weiter.

Echte Lücken im Sortiment gibt es anscheinend nicht. Revelant und Dorsch bedauern aber ausdrücklich, dass einer ihrer Brotlieferanten abgesprungen ist. Manchmal bekommt die Tafel viel mehr, als sie selbst in der gebotenen Zeit verteilen kann. Dann bringt Dorsch Einrichtungen wie dem Bamberger Frauenhaus oder - wenn nicht gerade Ferien sind - Kindergärten und Schulen gerne Obst, Gemüse oder etwas Süßes vorbei.

In der Hugo-von-Trimberg-Schule hat der Tafel-Verein sogar eine Projektleiterin angestellt, die - gemeinsam mit einem ehrenamtlich tätigen Team - einmal in der Woche ein gesundes Essen zubereitet.

Kinder liegen dem Verein besonders am Herzen. Damit sie möglichst nicht Not leiden müssen, gründete man kürzlich die Tafel-Notsi. Diese verspricht schnelle und unbürokratische Hilfe in Notsituationen. Wie diese aussehen könnten, erläutert Dorsch an zwei Beispielen. So berichtet er von einer Familienmutter, deren Auto kaputt gegangen war und der man einen neuen Gebrauchtwagen besorgt hat. Und von drohenden Stromabschaltungen, wo eine Rechnung nicht bezahlt wurde.

Um es erst gar nicht soweit kommen zu lassen, hat der Verein eine enge Zusammenarbeit mit den Stadtwerken und dem Jugendamt vereinbart. Es stimmt, wie sich der Verein selbst beschreibt: "Inzwischen sind wir weit mehr als eine Lebensmittelausgabe."


Bamberger Tafel bietet auch Führungen an

Die Lebensmittelausgabe findet mittwochs und samstags von 13.30 bis gegen 14.45 Uhr in der Böttgerstraße 8 statt. Im angegliederten Tafel-Laden gibt es Bekleidung, Hausrat, Möbel und vieles mehr. Geöffnet ist er Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 9 bis 13 Uhr, Mittwoch und Samstag von 9 bis 15 Uhr.

Auch in (finanziellen) Notsituationen - daher leitet sich der Name ab- hilft die Tafel unbürokratisch.

Betrieben wird die Bamberger Tafel vom gleichnamigen Verein. Dieser gehört dem Bundesverband der Tafeln an. Wilhelm Dorsch ist Erster Vorsitzender, Heinz Zimmer sein Stellvertreter, Michaela Revelant Kassiererin, Ramona Hippacher Schriftführerin.

Der Verein erhält Lebensmittel und andere Zuwendungen von vielen Firmen und privaten Sponsoren. Zu einer wichtigen Geldquelle hat sich die Aktion "Baum der Hoffnung" entwickelt. Sie findet stets im Advent gemeinsam mit dem Rotary-Club Bamberg am Gabelmann statt.

Für Interessierte werden Rundgänge durch die Räume der Tafel organisiert. Der Trägerverein ist telefonisch unter 0951/61507 zu erreichen und per E-Mail unter
info@bamberger-tafel.de. jb

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