Ebing
Bahnausbau

Bahnbaustelle schafft Raum für Natur

Die Verlegung des Mains bei Ebing bietet die Chance auf einen artenreichen Lebensraum.
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Erst vor wenigen Tagen wurde begonnen, den Boden für das neue Flussbett abzutragen. Weil der Boden völlig durchnässt und schwer ist musste die Arbeit aber wieder ruhen. Foto: hak
Erst vor wenigen Tagen wurde begonnen, den Boden für das neue Flussbett abzutragen. Weil der Boden völlig durchnässt und schwer ist musste die Arbeit aber wieder ruhen. Foto: hak
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Dass für die schnelle ICE-Verbindung zwischen München und Berlin der Main ein Stück weit der Bahn weichen muss, ist für Hans-Joachim Rost kein Drama. Der für Bamberg zuständige Abteilungsleiter im Wasserwirtschaftsamt (WWA) Kronach sieht es viel mehr als Chance, ja sogar Glücksfall für den Fluss. "Das ist eine Gelegenheit, die sich nicht ständig bietet", sagt Rost. Denn zwischen Zapfendorf und Breitengüßbach ist der Main noch über weite Strecken in das enge Korsett gepresst, das ihm bis ins 20. Jahrhundert hinein verpasst worden war, um die Flößerei zu erleichtern. Die Fließgeschwindigkeit wurde erhöht, die Ökologie verarmte.

Erst viele Jahrzehnte nach dem Ende der Flößerei setzte sich der Gedanke durch, dass natürliche Flussläufe nicht nur zahlreichen Tieren und Pflanzen Schutz bieten, sondern auch dem Menschen. Denn eine Renaturierung schafft Rückzugsräume für seltene Tiere ebenso wie Rückhalteräume für Hochwasser, sogenannte Retentionsflächen. Wobei "Renaturierung" ein Euphemismus ist. "Wir versuchen seit etwa 30 Jahren Flüsse in einen naturnäheren Zustand zurückzuversetzen", sagt Rost, auf dessen Schreibtisch der Plan entworfen wurde, den die Bahn mit ihren Planungsbüros und Baufirmen ausarbeiteten und nun umsetzen soll.

Mit "wir" meint Rost die staatliche Wasserwirtschaft, die für den Zustand der Flüsse ebenso verantwortlich zeichnet wie für den Hochwasserschutz, aber auch den Naturschutz und die Zusammenarbeit mit den Naturschutzbehörden. Am Obermain finden sich bei Kemmern und nördlich von Zapfendorf bereits Beispiele für eine solche Renaturierung. Bei Unterbrunn (Ebensfeld) wurde in den vergangenen Jahren eine neue Mainschleife in Anlehnung an den alten Flussverlauf geschaffen. Und nun gibt es bei Ebing auf gut einem Kilometer Flusslänge die Möglichkeit zur naturnahen Umgestaltung.

Mit Inseln und Halbinseln sollen im Fluss unterschiedliche Strömungsbereiche geschaffen werden. Flachwasserzonen können darin als ideale Laichplätze für Fische dienen. Steinschüttungen werden den jetzigen Flusslauf, beziehungsweise das, was bleibt, wenn sich die Bahn ein Stück davon für das äußerste Gleis der Ausbaustrecke abzwickt, in einen Altwasserbereich verwandeln - Lebensräume unter anderem für Kleinstlebewesen, die als biologische Wasserreiniger fungieren.

Auf den Inseln und Halbinseln sollen Auwaldbereiche entstehen. Totholz, Wurzelstöcke sollen die Landelemente im Fluss vor Erosion schützen. Wasserbautechnische Elemente wie Wasserbausteine zur Festigung von Uferböschungen und Inseln sollen schon nach einer Vegetationsperiode nicht mehr sichtbar sein.

Eigentlich sollte das neue Flussbett bereits im Juli geflutet werden. Doch das feuchte Frühlingswetter, vor allem der Regen in der vergangenen Woche, machte der Baufirma einen dicken Strich durch die Rechnung. Gerade war damit begonnen worden den Oberboden abzutragen, da mussten die Arbeiten auch schon wieder gestoppt werden. Der Boden war einfach zu nass und schwer.
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