Mit dem ersten Einzeldenkmal, das die Stiftung Weltkulturerbe Bamberg in eigener Regie saniert, will sie Maßstäbe setzen. Ein Leuchtturm-Projekt solle sie werden, die Sanierung des Anwesens Nürnberger Straße 2, sagt der städtische Stiftungsreferent Bertram Felix. Das Ergebnis können die Bamberger voraussichtlich ab Herbst 2014 sehen: Dann soll das barocke Bürgerhaus mit seinem typischen Walmdach wieder rundum vorzeigbar sein.

Noch bröckelt die Fassade, die einmal reich verziert war. Großflächig liegt Ziegelmauerwerk frei, wo der Putz abgefallen ist. Das vor Wochen aufgestellte Gerüst dient vorerst nur dem Schutz von Passanten, weil auch vom kaputten Dach Teile herunter fallen könnten. Richtig los gehen wird es auf der Baustelle voraussichtlich erst im Frühjahr.

Bis dahin dürften laut Silke Leikheim, Architektin beim Immobilienmanagement der Stadt Bamberg, das die Stiftung als Bauherrin vertritt, alle erforderlichen Genehmigungen vorliegen. Die aufwändigen Voruntersuchungen sind nach ihren Worten abgeschlossen.

Sie waren so aufwändig wie enttäuschend: Die Hoffnung, unter den abgehängten Decken des fast 300 Jahre alten Gebäudes noch Reste alten Stucks zu finden, erfüllte sich nicht. Durch die vielen Umbauten im Lauf der Zeit ist viel verloren gegangen. Das Älteste ist ein in den gewachsenen Boden gehauener Keller, der durch eine liegende Tür im Hausplatz erschlossen wird. Er dürfte noch vom Vorgängerbau stammen.

Solider Bau


Das Einzeldenkmal selbst wurde 1735 von zwei Maurern gebaut. Sie haben offenbar gute Arbeit geleistet. Denn trotz seines Standorts an der heute viel befahrenen Kreuzung der Nürnberger Straße mit dem Steinweg und der Dr.-von-Schmitt-Straße weist das alte Haus keine statischen Probleme auf. Seine einst reich geschmückte Fassade erhielt es vermutlich 1786 oder danach: In jenem Jahr erwarb ein Steinhauer das Anwesen.

Das Bürgerhaus, das früher einen Laden, später eine Werkstatt beherbergte und noch bewohnt wird, befand sich immer in Privatbesitz. Es gehörte am Ende einer Erbengemeinschaft. Diese sei finanziell nicht in der Lage gewesen, das Haus herzurichten, nimmt Stiftungs- und Finanzreferent Felix die letzten Eigentümer in Schutz. Irgendwann war der Verfall so fortgeschritten, dass die Denkmalpfleger die Nürnberger Straße 2 auf die "rote Liste" der am meisten gefährdeten Bamberger Einzeldenkmäler setzten.

Jetzt nimmt die Stiftung Weltkulturerbe richtig viel Geld in die Hand, will das Barockhaus zur Werbung in eigener Sache nützen. Mit 1,4 Millionen Euro ist die Instandsetzung veranschlagt. Weil das Haus noch im Sanierungsgebiet Bahnhof/Kettenbrücke liegt, kann die Bauherrin auf relativ viel Fördergeld bauen. Der Stiftungsreferent, in Personalunion Kämmerer der Stadt Bamberg, rechnet mit 600 000 Euro allein aus dem Entschädigungsfond. Auch die Oberfrankenstiftung und die Landesstiftung beteiligen sich am denkmalpflegerischen Mehraufwand. Von der Städtebauförderung sind Mittel in Aussicht gestellt. Unter dem Strich muss die Stiftung selbst etwa 15 Prozent aufbringen und hofft auf Spenden von Bürgern, denen das Welterbe und dessen Erhalt einen Beitrag wert ist.

Gebäude bleibt Wohnhaus


Als OB Andreas Starke (SPD) Anfang 2011 den Kauf der Immobilie durch die Stiftung Weltkulturerbe bekannt gab, war ihre künftige Nutzung noch offen. Heute steht fest: Die Nürnberger Straße 2 bleibt Wohnhaus. Man schafft zwei kleine Appartements im Erdgeschoss und eine rund 130 Quadratmeter große Wohnung in den beiden oberen Stockwerken. Weil jüngere Anbauten an der Hofseite abgebrochen werden, erhält die große Einheit sogar eine Terrasse.

Trotz der hohen Investition soll aus dem Haus "kein Luxus-Wohnobjekt werden", versprechen Bertram Felix und Claudia Schelbert vom Stiftungsmanagement. Dank der hohen Förderung seien "normale" Mieten möglich.
Den künftigen Bewohnern stellt die Hausherrin auch eine Verkehrsberuhigung in Aussicht. Wie genau die aussehen wird, ist noch nicht sicher. Laut Felix war das Einzeldenkmal aber die längste Zeit vom fließenden Verkehr umzingelt. Der werde sich künftig auf die Nürnberger Straße beschränken. Die Ampelanlage direkt am Hauseck soll dann überflüssig sein.

Das Haus wird nach Stiftungs-Angaben in enger Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege/Außenstelle Schloss Seehof saniert und Abgegangenes wie Hohlkehlen und Türen rekonstruiert. Das Ergebnis soll eines Tages für die Bauherrin und ihren Auftrag werben. Das ist laut Satzung die Förderung von Kunst, Kultur und Denkmalpflege: Der gesamte Ertrag des Stiftungsvermögens dient dem Erhalt des Weltkulturerbes Bamberg.