Bamberg
Kreditgewerbe

Banken leiden unter Mini-Zinsen

Die Geldpolitik in Europa setzt auch Geldhäusern in Franken zu. Vor allem bei Genossenschaftsbanken und Sparkassen werden Fusionen immer wahrscheinlicher.
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Zahl der Sparkassen und VR-Banken in Franken Grafik: Heim/Litzlfelder
Zahl der Sparkassen und VR-Banken in Franken Grafik: Heim/Litzlfelder
Noch vor ein paar Jahren galten sie als Gewinner der Finanzmarktkrise: Riskante Spekulationen und Zockerei waren nicht das Geschäft der Volksbanken, Raiffeisenbanken und Sparkassen. Während private Großbanken die Weltwirtschaft in die Krise stürzten und sich selbst an den Rand des Abgrunds brachten, konnten VR-Banken und Sparkassen entspannt auf ihr solides Geschäft mit Krediten und Spareinlagen verweisen.


Studie: Zwei Drittel haben Probleme

Doch inzwischen ist bei den regional verwurzelten öffentlich-rechtlichen und genossenschaftlichen Kreditinstituten die Entspanntheit verflogen. Es gibt sogar Stimmen, die von einer Krise der Regionalbanken sprechen.
Infolge der Niedrigzinsphase würden bis 2018 zwei Drittel aller deutschen Genossenschaftsbanken und Sparkassen kaum noch konkurrenzfähig sein, behauptete schon 2014 der Wirtschaftsprofessor Bernd Nolte in einer Studie.
"Ich teile die Schlussfolgerungen aus der Studie nicht, weder damals noch heute", sagt dazu Jürgen Gros, Vorstandsmitglied des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB). Volks- und Raiffeisenbanken hätten ihr Kreditgeschäft ausgeweitet und seien wettbewerbsfähig. Auch der Sparkassenverband Bayern spricht von "einer übertriebenen Einschätzung der Lage". Die Sparkassen seien in der Lage, "mehrere Jahre durch eine Niedrigzinsphase hindurchzusteuern", sagt Verbandssprecherin Eva Mang.


Schwindende Zinsüberschüsse

Doch wer die Branche in den vergangenen Monaten genau verfolgt hat, merkt den Druck, der auf den Regionalbanken lastet. Und dieser Druck kommt von verschiedenen Seiten. Die dauerhaft niedrigen Zinsen ärgern nicht nur Sparer. Auch die Banken können ihre auslaufenden Eigenanlagen nur noch zu geringeren Konditionen neu anlegen und Darlehen an Kunden nur zu niedrigeren Zinssätzen vermitteln. Die sogenannte Zinsspanne sinkt.
Daneben belasten Regulierungsvorschriften, die im Zuge der Finanzmarktkrise in Europa eingeführt wurden, die Banken. Sie müssen Kreditanfragen strenger prüfen, Finanzdaten ausführlicher melden und Wertpapiergeschäfte genauer protokollieren. Der Bürokratieaufwand trifft alle gleich, aber Großbanken tun sich leichter mit der aufwendigen Umsetzung. Bei kleineren Banken stehen die Regeln oft außer Verhältnis.


Hohe Kosten

Hinzu kommt noch der zunehmende Preisdruck in der Branche, ausgelöst durch Direktbanken, die auch aus dem Ausland auf den deutschen Markt drängen. Deren günstige Onlinestrukturen treffen auf das mit hohen Kosten verbundene Geschäftsstellennetz von Genossenschaftsbanken und Sparkassen.
Spiegelbild für die Ertragslage einer Bank ist die sogenannte Kosten-Ertrags-Relation. Sie beschreibt, wie viele Cent eine Bank aufwenden muss, um einen Euro zu verdienen. Bei den bayerischen Sparkassen waren es zuletzt im Durchschnitt 63,2 Cent, bei den VR-Banken in Bayern 64,1 Cent. Tendenz bei beiden steigend.
Um die Kosten zu kompensieren, drehen viele Geldhäuser in der Region an der Gebührenschraube. Die Kunden spüren das. Auf sie kommen neue Kontomodelle zu oder bestimmte Dienstleistungen werden plötzlich teurer.


Spekulation ein Fremdwort

Im vergangenen Jahr haben die Genossenschaftsbanken und Sparkassen durch eine höhere Provisionsspanne die schwindenden Zinsüberschüsse kompensieren können - aber nur zum Teil. "Die meisten Erträge erzielen die Volksbanken und Raiffeisenbanken aus dem Zinsgeschäft", sagt Gros.
Wie dann in der Niedrigzinsphase Geld verdienen? Müssen die Regionalbanken nun stärker an den Finanzmärkten aktiv werden? "Die Sparkassen bleiben unverrückbar auf dem Boden des soliden Bankgeschäfts", sagt dazu Sparkassenverbandssprecherin Eva Mang. Spekulation entspreche nicht dem Geschäftsmodell, erwidert auch GVB-Vorstandsmitglied Gros. "Die Genossenschaftsbanken im Freistaat betreiben kein Investmentbanking. Also konzentrieren sich Sparkassen- und Bankvorstände auf die Kosten im eigenen Haus. Seit einigen Jahren sinkt die Zahl der Beschäftigten und das Filialnetz wird ausgedünnt. Im vergangenen Jahr schlossen die VR-Banken in Bayern rund 140 Geschäftsstellen. Heuer sollen es laut Verband ebenso viele sein. Die bayerischen Sparkassen werden 2016 laut Mang die Zahl ihrer Filialen um acht bis zehn Prozent reduzieren. "Es wird immer mehr Stützpunktgeschäftsstellen geben", sagt GVB-Vorstandsmitglied Gros.


83 VR-Banken, 23 Sparkassen

Mitunter verschwinden sogar ganze Bankhäuser. Sie fusionieren, um möglichst Synergien zu nutzen. Aktuell steuern die VR-Banken Bayreuth und Hof auf eine Fusion zu. Im nächsten Jahr könnte es soweit sein. Heuer rechnet Gros mit vier fränkischen Fusionen, zwei in Mittel- und zwei in Unterfranken. Aktuell gibt es noch 83 VR-Banken in Franken.
Bei den Sparkassen ist die Zahl mit 23 Häusern schon übersichtlicher. Aber auch hier gibt es Verhandlungen über Zusammenschlüsse. Konkret zwischen den Sparkassen Ansbach, Dinkelsbühl und Rothenburg ob der Tauber. Entscheiden müssen so einen Schritt die jeweiligen Vorstände. "Eine Fusion geht immer von den Banken vor Ort aus", betont Gros.

Drei Säulen


Rechtsform Die Banken in Deutschland sind privatrechtlich (z.B. Deutsche Bank, HypoVereinsbank oder Castell-Bank), öffentlich-rechtlich (Sparkassen) oder genossenschaftlich (VR-Banken) organisiert - man spricht vom Drei-Säulen-Modell.

Sparkassen Sie sind öffentlich-rechtliche Kreditinstitute und haben meistens Kommunen oder Kommunalverbände als Träger. Aufgrund des in den Sparkassengesetzen der Länder festgelegten Regionalprinzips müssen sich die Sparkassen in ihrer Geschäftstätigkeit auf die Region ihres Sitzes beschränken.

VR-Banken Bei Genossenschaftsbanken kann man historisch zwischen ländlichen und gewerblichen Kreditgenossenschaften unterscheiden. Die gewerblichen Kreditgenossenschaften (Volksbanken)
sind als Einrichtungen zur Selbsthilfe von kleinen Gewerbetreibenden in Handel und Handwerk entstanden. Die ländlichen (Raiffeisenbanken) waren ursprünglich Zusammenschlüsse von Landwirten.
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