Bamberg
Ausblick

Bambergs opulentes Angebot

Vom 23. Juli bis 18. August laden die 19. Bamberger Kunst- und Antiquitätenwochen ein internationales Publikum in das "größte Museum" der Stadt ein. Die Kunsthändler haben ihre Galerien unterhalb des Dombergs herausgeputzt.
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Teuerstes Objekt der Antiquitätenwochen ist das Gemälde "Knabe in der Vorratskammer" von Frans Snyders (um 1630), das der Kunsthändler Walter Senger in seiner Galerie anbietet. Fotos: Marion Krüger-Hundrup
Teuerstes Objekt der Antiquitätenwochen ist das Gemälde "Knabe in der Vorratskammer" von Frans Snyders (um 1630), das der Kunsthändler Walter Senger in seiner Galerie anbietet. Fotos: Marion Krüger-Hundrup
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Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Was für den einen nur ein "Ölschinken" ist, ist für den anderen ein kostbares Kunstwerk. So oder so: Das Bild "Knabe in der Vorratskammer" von Frans Snyders (um 1630) wird sich ohnehin nicht jeder in sein Wohnzimmer hängen können. Es kostet schlappe 1,2 Millionen Euro. Und doch "gibt es Interessenten, das entwickelt sich", erklärt Kunsthändler Walter Senger, der dieses opulente Objekt - "es gibt nichts Vergleichbares auf dem Markt" - in seiner Galerie anbietet.

Senger baut auf die anstehenden Bamberger Kunst- und Antiquitätenwochen, die seit 19 Jahren ein internationales Publikum in die sommerliche Welterbestadt locken. "Die Verführung zum Kaufen ist groß", meint Senger.
Schließlich gebe es deutschlandweit nicht wieder so ein geballtes Angebot an erlesenen Kunstwerken und einzigartigem Kunsthandwerk wie im barocken Antiquitätenviertel unterhalb des Dombergs.

Wettbewerb und Kooperation

Gleich zwölf Galerien auf insgesamt 4000 Quadratmetern Ausstellungsfläche in denkmalgeschützten Häusern locken mit Qualität, umfassender Beratung und wertvollen Empfehlungen. Das "Bamberger Modell" funktioniert als "Einheit in der Vielfalt": Wettbewerb und gleichzeitig Kooperation der Händler charakterisieren dieses Modell, das im Antiquitätenhandel einmalig ist. "Die Bamberger Kunsthändler vertragen sich alle", freut sich einer ihrer Vertreter, Christian Eduard Franke. Er schwärmt geradezu vom "Zusammenspiel der Atmosphäre in Bamberg mit kultivierten Kunstinteressierten", die gerade während der Antiquitätenwochen anreisen. Er sei für sie "mega gerüstet", lacht Franke. Seine hochwertigen Objekte aus der Zeitspanne von 1600 bis 1880 - Möbel, Leuchter, Bronzen, Skulpturen - warten auf den "New Yorker Banker oder den Pfarrer aus Nürnberg, der ein Kreuz kauft". Jedenfalls seien Liebhaber alter Stücke bei ihm schon mit 300 Euro dabei. Wer einen pralleren Geldbeutel sein Eigen nennt, wird dann auch schon "mehrere Hunderttausend Euro" für einen Augapfel hinblättern.

Glaskünstler kommen

In dem breiten Spektrum an nationaler Kunst und internationalem Kunsthandwerk aus sieben Jahrhunderten hat auch die Glaserie Pusch ihren festen Platz. Inhaberin Christina Pusch zeigt eine große Auswahl an Jugendstilglas sowie antike Lüster, Lampen und Bleiverglasungen. Für sie sind die Antiquitätenwochen ein "interessanter Event in der Stadt", für den sie sich etwas Besonders hat einfallen lassen: Am 26. Juli startet um 11 Uhr eine Vernissage mit zwei Glaskünstlern aus dem Bayerischen Wald. Mundgeblasenes Glas und Malerei gehen dabei eine zauberhafte Symbiose ein.

Im Eldorado des deutschen Kunst- und Antiquitätenhandels findet sich das Haus Wenzel in einem Adelspalais aus dem 15. Jahrhundert, die älteste Kunsthandlung in Bamberg. Es gibt den Dr. Schmitz-Avila Kunsthandel mit einem repräsentativen Querschnitt seines auf deutsche Möbel spezialisierten Angebots. Jüngster Nachwuchshändler ist Gregor von Seckendorff, der seit 2013 in der Bamberger Antiquitätenmeile Gemälde, Möbel und Kunsthandwerk aus den Stilepochen des 18. und frühen 19. Jahrhunderts feilbietet.

Burkard Hauptmanns Sortiment erstreckt sich von günstigen Einsteigerstücken bis hin zu hochwertigen Sammlerstücken aus der Barock- oder Biedermeierzeit. Das Silber-Kontor Heiss bietet feines skandinavisches Silber aus der Zeit des Art déco, dazu deutsche und englische Silberobjekte und Silberschmuck des 19. und 20. Jahrhunderts.

Stipendiaten stellen aus

Einen reizvollen Kontrast stellen in den Galerien zeitgenössische Arbeiten von Stipendiaten des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia dar. Bereits zum vierten Mal kooperiert die Villa mit den Antiquitätenhändlern während der einschlägigen Wochen. "Da dürfen wir nicht fehlen", betont Direktorin Nora Gomringer. Innerhalb der Kunst- und Antiquitätenwochen finde zusammen, was zusammen gehört: "Bewunderung, Schöngeist und das kritische Auge. Nichts anderes sind die wirklichen Werkzeuge des Kunstliebhabers durch die Jahrhunderte", so Gomringer. So werden die Wochen auch am kommenden Mittwoch, 23. Juli, offiziell von Schirmherrn Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) in der Villa Concordia eröffnet.

Für Fiona von Colberg, Sprecherin der Bamberger Kunst- und Antiquitätenwochen, ist das eine "Kulturveranstaltung im Freistaat Bayern auf allerhöchstem Niveau". Aus der Erfahrung vergangener Jahre geht sie ohnehin davon aus, dass diese Leistungsschau der Antiquitätenhändler vom 23. Juli bis 18. August "wie ein Magnet auf nationale und internationale Besucher wirkt".
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