Zu viele Veranstaltungen mitten in der Stadt und der Wegfall der Sperrstunde sind nach Ansicht des Bürgervereins (BV) Bamberg-Mitte wesentliche Ursachen dafür, dass immer mehr Innenstadt-Bewohner über ständigen Lärm und mangelnde Nachtruhe klagen. Dr. Peter Ruderich, der in der Nähe des auch bei Nachtschwärmern beliebten Treffpunktes Gabelmann wohnt, warnt: "Die Innenstadt wird unbewohnbar" - wenn sich nichts ändert.

Zum internationalen "Tag gegen Lärm" (28. April) berichteten Peter Ruderich, Gisela Schlenker und Martina Bönig-Wünsch von der Arbeitsgruppe Lärm des BV Mitte in einem Gespräch mit unserer Zeitung über die Klagen und Erfahrungen von Mitgliedern in puncto Ruhestörung. Wer nicht glauben will, was die ganze Nacht über zwischen Sandstraße und Bahnhof abgehe, dem raten sie, einfach mal um 5 Uhr in die Stadt zu gehen: "Da geht es zu wie auf dem Weihnachtsmarkt!"

Wunsch: Zurück zur Sperrstunde

Um zwei Lärmquellen möchte sich die AG Lärm zunächst bevorzugt kümmern, weil sie sagt, dass die Stadtverwaltung dort durchaus Einflussmöglichkeiten hätte, die sie nur nützen müsste. Das sind die Veranstaltungen und die Öffnungszeiten der Gastronomie. Bei letzteren wünscht man sich die Rückkehr zur früheren Sperrstunde; mit der hätten alle leben können.

Was die Feste angeht, hat man im BV Mitte den Eindruck, dass sie immer zahlreicher, immer länger und immer lauter werden. Martina Bönig-Wünsch zählt einige Veranstaltungen auf, die für Gäste schön, für Anwohner umso stressiger seien: Weinfest Geyerswörth, Zauberfestival, Jazz- und Blues-Festival, Sandkirchweih, Canalissimo. Etliche hätten sich von kleinen, feinen Veranstaltungen zu Massenevents mit all ihren Nebenwirkungen entwickelt. Hinzu kämen die Beschallung durch Straßenmusikanten, Standkonzerte, Gaststättenlärm, "Public Viewing" bei großen Sportereignissen usw.

Ruhige Nächte nur noch, wenn es regnet?

Und das, was nachts abgeht. In der Langen Straße sind die Bewohner laut Gisela Schlenker inzwischen um jede verregnete Nacht froh, weil sich dann die nächtlichen Döner- und Pizza-Käufer in den Lokalen aufhalten und nicht davor. Zwischen der Sandstraße und dem Bahnhof hätten alle Anwohner längst das gleiche Problem, sagt Peter Ruderich: "Bis der letzte Zug fährt", könnten sie oft kein Auge zu machen. Nach den Nachtschwärmern, die endlichum 5 Uhr gegangen sind, kämen die Kehrmaschinen, um die Scherben zu beseitigen. "Am Kanal" fürchten Anlieger, dass der neue Treidelpfad mit seinen Bänken und Treppen zu nächtlichen "Bade-Events" einladen, die ihnen den Schlaf rauben könnten.

Niemand im BV Mitte wolle ein Spaßverderber sein, betont die Delegation der Arbeitsgruppe Lärm. Gegen einzelne Feste im Herzen Bambergs sei nichts auszusetzen. Darauf könne man sich als Stadtbewohner einstellen. Nötig sei aber eine Reduzierung und ein Umdenken bei Veranstaltern wie dem Stadtmarketing-Verein, der mit "Bamberg zaubert" und dem "Jazz und Blues-Festival" zwei der größten Ereignisse organisiert. Bei den Planungen müsse mehr Rücksicht auf die Bewohner genommen werden als auf die, so Gisela Schlenker, "Maximalumsätze für die teilnehmende Gastronomie". Sie fragt z.B. auch, warum beim Zauberfestival alle Auftritte beschallt werden müssten und warum Großleinwände für Sportübertragungen nicht in der Jako-Arena oder auf dem Plärrerplatz stehen könnten?

Wer Kontakt zur Arbeitsgruppe Lärm des Bürgervereins Bamberg-Mitte aufnehmen oder eigene Erfahrungen beisteuern will, schreibe an die E-Mail-Adresse vorstand@bvm-bamberg.de