Bamberg

Bambergs Brauerei Kaiserdom blitzt im Stadtrat ab

Der Appell der Großbrauerei Kaiserdom in Gaustadt verhallt im Bausenat ungehört. Nun droht der Gang vors Verwaltungsgericht.
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Problembeladene Nachbarschaft? Der Bausenat glaubt nicht, dass eine Klage gegen das neue Baugebiet Megalith Erfolg haben wird.  Foto: Rinklef
Problembeladene Nachbarschaft? Der Bausenat glaubt nicht, dass eine Klage gegen das neue Baugebiet Megalith Erfolg haben wird. Foto: Rinklef
Es ist eine zwiespältige Botschaft, die an diesem Nachmittag vom Rathaus Maxplatz ausgeht. Dort hat der Bausenat elf Jahre nach den ersten Überlegungen zur Bebauung einer Industriebrache in Gaustadt nun einen Schlussstrich gezogen: Der Satzungsbeschluss wurde gegen drei Stimmen gefällt. Damit ist das langwierige Bauleitverfahren Nr. G 8 zum Abschluss gekommen - und dem Bau von 45 frei stehenden Einfamilienhäusern, 60 Reihen- und Kettenhäusern sowie 50 weiteren Wohneinheiten sollte mittelfristig nichts mehr im Wege stehen. Sollte. Denn das Szenario einer mehrjährigen Normenkontrollklage beim Verwaltungsgericht Bayreuth mit ihrer verunsichernden Wirkung auf potenzielle Käufer ist nicht vom Tisch - im Gegenteil.
 


Auch die Regierung ist kritisch

Nachdem er vergeblich Rederecht gefordert hatte, kündigte Georg Wörner, Inhaber der Brauerei Kaiserdom, am Ende der Bausenatssitzung an, alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um sein Ziel zu erreichen. Ihm geht es, wie er gegenüber dem FT erklärte, darum, den Betrieb der über der Straße liegenden Brauerei mit 140 Arbeitsplätzen zu sichern. Wörner hat Sorge, dass allen vorliegenden Gutachten und Vereinbarungen zum Trotz die künftigen Nachbarn nicht zögern werden, ihr Klagerecht in Anspruch zu nehmen: wegen des unvermeidlichen Liefer- und Produktionslärms, möglicherweise auch wegen der Geruchsbelästigung.

Dennoch: Seinen Forderungen, den Lärmimmissionspegel um einen Punkt höher zu setzen, gab der Bausenat ebenso wenig nach, wie er die sicher geglaubte negative Grunddienstbarkeit einräumte. Eine solche in einem städtebaulichen Vertrag zu verankernde Klageverzichtserklärung sei ihm noch im Februar von der Stadt versprochen worden, sagte der Unternehmer. Auch die Regierung lehnt das Nebeneinander ab, betonte Wörner. Die Bauaufsichtsbehörde spricht von "bedeutsamen Lärm- und Geruchsquellen".

Dennoch fand die Klage des Unternehmens kein Gehör. Der städtische Verwaltungsjurist Bernd Bauer-Banzhaf verneinte, dass es konkrete Versprechungen seitens der Stadt gegeben habe. Auch die Mehrheit der Fraktionen ließ sich von der Kritik nicht beeindrucken. "Der Fortbestand der Brauerei ist gesichert", glaubt Peter Neller (CSU) und wies darauf hin, dass Bamberg mit 2000 neuen Einwohnern und starkem Zuzug "ein neues, schickes Wohngebiet" dringend benötige.

Den Risiken eines langwierigen Verwaltungsgerichtsverfahrens sieht offenbar auch die SPD entspannt entgegen. Bestandsschutz sei gegeben, zeigte sich Heinz Kuntke überzeugt. Auch er stellte das öffentliche Interesse am Megalith-Gelände heraus: "Der Immobilienmarkt schreit nach neuen Wohnungen." Zuversicht verbreitete auch Herbert Lauer (BA). Er hatte das Baugebiet auf dem Gelände einer ehemaligen Ziegelei Anfang des letzten Jahrzehnts als damaliger OB mit angeschoben. Lauer glaubt nicht, dass eine Klage erfolgreich sein könnte. Es sei alles getan worden, um die Interessen abzuwägen und den Konflikt zu bewältigen.

In der Debatte legte sich einzig Norbert Tscherner für die Interessen des Industriebetriebs ins Zeug. Bei allem Interesse, den Wohnungsbau anzukurbeln, müsse der Stadt doch auch die Sicherheit von 140 Arbeitsplätzen am Herz liegen. Tscherner zeigte wenig Verständnis dafür, dass die Stadt dem "größten Arbeitgeber Gaustadts" nicht wenigstens bei den Lärmgrenzwerten entgegenkommt.


Ökosiedlung - wer hat Interesse?

Doch welche Qualität erwartet Interessenten auf der Hochterrasse über dem Regnitztal? Die Grundstücke sind idyllisch in die grüne Umgebung zwischen Röthelbachtal und Michelsberger Wald eingebettet und sollen zum Teil zu den vergünstigten Bedingungen eines Baulandmodells angeboten werden.

Während Daniela Reinfelder (BuB) von einem Wohngebiet vom Feinsten sprach, zeigte sich Petra Friedrich (GAL) alles andere als angetan. Die hohe Zahl an frei stehenden Einfamilienhäusern sei nicht mehr zeitgemäß. Friedrich machte sich für mehr Verdichtung und nach dem Vorbild des Cherbonhofs für eine zweite Ökosiedlung stark. Bei dieser schließen sich Kettenhäuser zu einer Siedlung zusammen, öffentliche und private Zonen stehen in ausgewogenem Verhältnis. Dass es an solchen Wohnformen kein Interesse gibt, wie in der Sitzung von Stadträten behauptet, bezweifelt neben Gerhard Henzler vom Cherbonhof auch Stadträtin Ursula Sowa (GAL). Sie begrüßte die Unterstützung, die Stadtplanungsamtsleiter Andreas Burr in Aussicht stellte, sollten sich doch noch Interessenten für eine Ökosiedlung finden. Auch auf dem Megalith-Gelände stehe dem nichts entgegen.
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