Bamberg
Interview

Bambergerin kämpft gegen "Bild"-Sexismus

Derzeit studiert Kristina Lunz in England. Nach dem Vorbild einer dortigen Kampagne will sie nackte Brüste aus der größten Boulevardzeitung in Europa verbannen.
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Bambergerin gegen Boulevardzeitung: Kristina Lunz will das "Bild-Girl" abschaffen.  Foto: privat
Bambergerin gegen Boulevardzeitung: Kristina Lunz will das "Bild-Girl" abschaffen. Foto: privat
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Einen kleinen Gegner hat sich Kristina Lunz, die aus Reckendorf bei Heiligenstadt kommt, nicht unbedingt ausgesucht: Die 25-Jährige hat eine Petition gegen das "Bild-Girl" gestartet. Sie orientiert sich dabei an einer Kampagne in Großbritannien, die das sexy Seite-3-Mädchen der Boulevardzeitung "The Sun" abschaffen will.

Wie viele Menschen unterstützen denn bereits Ihre Online-Petition gegen das nackte "Bild-Girl"?
Kristina Lunz: Wir werden jetzt die 25 000 knacken.

Haben Sie mit der Zahl schon "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann beeindrucken können?
Ich weiß nicht, ob ich ihn beeindrucken konnte. Ich habe auf jeden Fall eine Reaktion von ihm bekommen. Am Dienstag mehrmals über Twitter.

Wie fiel die aus?
Herr Diekmann hat auf ein inhaltliches Anliegen von mir so geantwortet, dass er mich dazu aufgefordert hat, mehr "Bild-Girls" zu rekrutieren. Besser hätte ich seine Respektlosigkeit und seinen Sexismus nicht beschreiben können, wenn ich ehrlich bin.
 
 
 

Er lässt Sie voll auflaufen, nimmt Sie wohl nicht ernst ...
... natürlich wird er das jetzt noch nicht ernst nehmen. Die Petition ist noch klein, was sich bald ändern wird. Dass er überhaupt reagiert hat, hat mich gewundert. Ich hatte bis Anfang der Woche nicht viele Follower auf Twitter. Ich habe den Account erst eröffnet. Dass er also reagiert hat, war sehr gut. Wie er reagiert hat, zeigt einfach, wie er seine Zeitung führt.

Was haben Sie denn für ein Problem mit den "Bild-Girls"?
Sexismus ist eine Form der Diskriminierung, die in der "Bild" allgegenwärtig ist. Das zeigt sich besonders durch das "Bild-Girl" - und deshalb muss es weg. Es ist respektlos und schafft eine Atmosphäre, in der Frauen ständig nach ihrem Sexappeal und nicht nach ihren Taten beurteilt werden. Bemerkenswert ist, dass fast die Hälfte der Unterstützer meiner Petition Männer sind.

Warum wollen Sie unbedingt eine große Boulevardzeitung ändern?
Gerade, weil es die größte Zeitung ist. Weil sie einen großen Einfluss auf unsere Gesellschaft hat. Und wenn diese Zeitung tagtäglich sexistische Stereotype transportiert, dann ist das schädlich. Es macht Frauen nicht glücklich, ständig als Lustobjekt dargestellt zu werden. Aber dass Männer nur als die super Sportler und die harten Staatsmänner dargestellt werden, ist genauso schädlich.

Ist die Gesellschaft nicht gerade gewollt sexualisiert? Nehmen wir Popstars wie Lady Gaga, die absichtlich mit ihrem Sexappeal spielen. Wo ist da der Unterschied?
Der Unterschied ist, wie die Bildzeitung Männer und Frauen behandelt. Nämlich sexistisch. Erst am Mittwoch hat "Bild" einen Artikel auf Facebook gepostet, in dem es nur darum geht, wie groß die Brüste von Berlinerinnen sind. Wenn die "Bild" eine solche Atmosphäre schafft, in der wir bei Frauen nur schauen, wie groß die Brüste und wie prall der Hintern sind und uns nicht für die Taten und Worte interessieren, dann ist das sehr schädlich für eine Gesellschaft. Da gibt es auch Studien der Bundesregierung, die belegen, dass 60 Prozent aller Frauen schon sexuell belästigt wurden.

Was glauben Sie, was können Sie bewirken?
Ich bin sehr zuversichtlich, dass noch mehr Menschen die Petition unterstützen werden. Die Schwesterkampagne in England hat innerhalb von zwei Jahren über 210 000 Unterstützer bekommen. Auch meine Kampagne wird langfristiger sein. Ich bin gerade dabei ein Team zusammenzustellen - bisher bin ich allein. Ich bin aber optimistisch: Wir werden was bewegen, es kann langwierig werden, es kann Wochen, Monate dauern, aber wir werden nicht stumm sein, und auch ich werde nicht stumm sein, auch wenn mich Herr Diekmann weiter auf Twitter verhöhnt. Auch dann nicht!
 


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