Hasen würden beim Anblick dieses Zaunes nur müde lächeln. So niedrig ist diese Konstruktion aus Haselnussgerten. Hubertus Habel räumt das ohne zu zögern ein. Doch der Kurator des Gärtner- und Häckermuseums will mit seinem Werk lediglich zeigen, wie Gärten früher umzäunt wurden. Und was sich alles aus Holz anfertigen lässt. Habels Zuhörer hängen ihm an den Lippen: Überaus groß ist das Interesse an diesem "Tag des offenen Denkmals", an dem auch das Museum seine Pforten auf hat.

Schlicht und einfach "Holz" lautet das Thema dieses Denkmaltages. Und aus Holz sind die meisten Exponate aus der einstigen Alltagswelt der Gärtner und Häcker: Werkzeugstiele, Rechen und Leiterwagen, Pappelholzschuhe und Krauthobel, Löffel, Brettchen oder Butten für die Trauben. Stadtheimatpflegerin Stephanie Eißing ergänzt die Erläuterungen Habels mit Geschichten über Holz, das "vor dem Plastik für Gebrauchsgegenstände vorherrschte". Zumal Holz in Bamberg ein "verfügbarer Rohstoff war". Fichten, Buchen, Eichen, Ahorn, Pappel: Zu jeder Holzart weiß Eißing etwas zu erzählen. So ist etwa die Buche nicht für Fässer geeignet, weil dieses Holz bei Nässe quillt und trocken "schwindet".

Nach Schweizer Vorbild


Das Alpenländle Schweiz lockt weitere Scharen am "Tag des offenen Denkmals". Zumal es sich quasi vor der Haustür befindet: Dem "Schweizer Holzstil" widmet sich Professor Wilfried Krings vom Historischen Verein Bamberg und führt Hunderte ab der Konzerthalle zu den Zielen. Zuvor schildert er kurzweilig, wie sich Mitte des 19. Jahrhunderts der typische Schweizer Holzbau in Europa ausbreitet, nachdem die Eidgenossen "Konzentrationspunkt für Kunst und Wissenschaft in gebildeten Kreisen" geworden sind. "Einfaches" wollten sie signalisieren. Und "Einfaches" lieferte die architektonischen Motive für den Baustoff Holz.

Obwohl in Bamberg Holz nur sparsam für Bauten verwendet wurde - "aus Brandschutzgründen, und weil man in den fürstbischöflichen Wäldern nicht mit dem Aufforsten nachkam" - kann Professor Krings gleich drei Anschauungsobjekte im "Schweizer Holzstil" präsentieren: die beiden ehemaligen Direktorenvillen der "Kaliko" in der Mußstraße 10 und Weide 30 sowie das derzeit ungenutzte Baudenkmal "Raulino-Gartenhaus" mit der "Barockscheune" Nebingerhof 25.

Denkmalschutz angemahnt


Vorgezogene Dächer, ornamental geschnitzte Giebelbretter, hohe Holzbalkone künden vom "typischen Schweizer Vorbild". Und zwar in einer Architektursprache, die sich durch die Überbetonung des Ornamentalen auf die Bauhülle und somit auf die Oberfläche bezieht. "In Bamberg original erhalten", wie Krings erklärt. Gleichwohl stehen die beiden Direktorenvillen nicht unter Denkmalschutz: "Es wäre zu wünschen, dass sie geschützt werden", meint der Professor. Wie auch die gesamten Ensembles aus "Fabrik (Ziegelbau), Villen und Park" in diesem nördlichen Inselgebiet für Bamberg einmalig sind. Krings preist das "Raulino-Gartenhaus" aus dem Jahr 1850 für die Witwe des Tabakfabrikanten Raulino als einen "wunderbaren Bau": "Aber in welchem Zustand?" fügt er skeptisch hinzu. Anhand von Fotos macht er auf einige andere Bauten in Bamberg aufmerksam, denen Holz ihr individuelles Erscheinungsbild gibt: Auf dem Abtsberg etwa wurde an einer steinernen Villa Fachwerk verputzt. Oder an einem Haus in der Gartenstraße im Berggebiet. Oder am ehemaligen Haincafé, dessen hölzerner Pavillon noch steht.

Doch bevor sich die wissbegierigen Zuhörer auf eigene Faust in den Hain aufmachen, geht's in die Obere Königstraße 1. Dort kann eines der mächtigsten historischen Profandachwerke der Stadt aus dem 16. Jahrhundert in Augenschein genommen werden. Es ist mit vier Dachgeschossebenen ausgestattet.

Und wer immer noch nicht genug auf Holz geklopft hat, findet den Weg in den Haupts moorwald, der einst wichtiger Rohstofflieferant war. Besonders im Mittelalter, dem "hölzernen Zeitalter", hatte Holz als wichtiger Brenn-, Bau- und Werkstoff eine zentrale Bedeutung. Als Beitrag zum "Tag des offenen Denkmals" bietet das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bamberg Waldführungen an.

Geschichten im Chorgestühl


Nach der geheimnisvollen Welt der Elfen und Kobolde dienen sich noch Heilige und Fabelwesen an: nämlich am hölzernen Chorgestühl des Westchores im Dom. Kunsthistoriker Holger Kempkens vom Diözesanmuseum hat "Geschichtla" parat über eines der kostbarsten und ältesten Ausstattungsstücke der Kathedrale, das ansonsten für Führungen unzugänglich ist.