Bamberg
Schulpartnerschaft

Bamberger Schüler sammeln für Schüler

Seit Monaten engagieren sich Jungen und Mädchen des Bamberger Franz-Ludwig-Gymnasiums, um Gelder für ein tansanisches Bildungszentrum zusammenzutragen. Im September reisen 18 Oberstufenschüler zu den Waisen und anderen bedürftigen Kindern.
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Mara Belchinger bei ihrem Besuch im Rose-Education-Center.  Fotos: pr
Mara Belchinger bei ihrem Besuch im Rose-Education-Center. Fotos: pr
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Was haben sich die Gymnasiasten nicht alles einfallen lassen, um Spenden aufzutreiben: Sie bastelten für den Weihnachtsmarkt des Don Bosco Jugendwerks, um mit Holzengeln, Strohsternen und anderem Dekomaterial die Kassen für den guten Zweck klingeln zu lassen. Taschen, Schmuck und Handwerkskunst aus Tansania verkauften die Jungen und Mädchen. Nach dem Schneeballprinzip starteten sie eine Tauschaktion, die in Kürze auch das Bamberger Rathaus erreichen soll. Ja, und dann gibt's noch "Essen für Essen", um mit dem Verkaufserlös von Kuchen und anderen Leckereien Waisenkinder am Kilimandscharo zu unterstützen, die nicht länger unter Mangelerscheinungen leiden sollen.

Mehr als theoretisches Wissen

"Es ist toll, dass wir von unserer Schule aus Entwicklungshilfe leisten können", sagt Benedikt Holzschuh.
Mehr als nur theoretisches Wissen um Not und Elend in fernen Ländern der Welt eigneten sich die Schüler des P-Seminars "Afrika" am Franz-Ludwig-Gymnasium an. Und zeigten sich in vielerlei Hinsicht kreativ, um den Jungen und Mädchen des Rose-Education-Centers beizustehen.

So ist das Bildungszentrum unweit von Moshi auf finanzielle Hilfen angewiesen, um weitere Waisen aufnehmen zu können. Um Schlafsäle, sanitäre Einrichtungen und andere dringend benötige Räume fertigzustellen und mit dem erforderlichen Mobiliar auszustatten. An Schulbüchern mangelt es noch immer. "Auch ist der Weiterbau der Mauer, die einmal das gesamte Schulgelände umgeben soll, von großer Bedeutung", sagt Studiendirektorin Susanne Heim, die das "Afrika"-Seminar leitet und sich selbst seit Jahren für das Bildungszentrum engagiert. So werden Obst und Gemüse, das Schüler und Lehrer auf Feldern anbauen, noch immer von den Ziegen- und Rinderherden der benachbarten Massai aufgefressen. Weshalb die Kinder mittlerweile unter schlimmen Mangelerscheinungen leiden, nachdem sich die Schule Marktware nun mal nicht leisten kann.

Eine der besten Schulen

Fast 3000 Euro kamen über verschiedene Weihnachtsaktionen, "Essen für Essen" und einen "Tag der offenen Tür" zusammen, an dem die Schüler ebenfalls Spenden sammelten. Gespannt sehen fast alle P-Seminarteilnehmer nun ihrem ersten Besuch des Rose-Education-Centers entgegen, das vor kurzem - allen finanziellen Problemen zum Trotz - unter die besten Schulen des Landes gewählt wurde. "Wir arbeiten nun schon so lange darauf hin, den Menschen dort zu helfen. Und freuen uns dementsprechend darauf, die Kinder im September endlich kennenzulernen und zu ihnen eine persönliche Beziehung aufzubauen", meint Johannes Nicklaus, der wie Benedikt Holzschuh die elfte Jahrgangsstufe des FLGs besucht.

Als faszinierendes Land empfindet die 16-jährige Sophia Kügel Tansania. Obwohl sie neben der Not auch die zunehmende Gewalt, unter der Frauen zu leiden haben, betroffen macht. "Rose Swai versucht, so vielen Mädchen wie möglich zu helfen. Das verdient unseren Respekt." Ohne die Schulleiterin würden eben noch mehr Waisen auf der Straße landen und sich irgendwann prostituieren. Oder von Familienangehörigen vergewaltigt werden, wie zwei Mädchen, die bei Rose Swai Aufnahme fanden.

Persönliche Beziehungen

Übrigens reisen nicht zum ersten Mal Gymnasiasten des FLGs zur tansanischen Partnerschule, die seit Jahren auch der "Arbeitskreis Afrika" mit Jungen und Mädchen aus verschiedensten Jahrgangsstufen unterstützt. Fünf Jugendliche waren schon am Kilimandscharo, darunter Nele Blechingers Schwester Mara. "Ein 14-jähriges Waisenmädchen, das selbst schon Verantwortung für die Kleinen übernahm, war Maras Liebling: Miram", berichtet Nele, die ihrer Schwester nun im September nachfolgt. Ein ehemaliger Schüler, der im vergangenen Jahr sein Abi machte, kam gerade aus Tansania zurück, wo er E-Mail-Accounts für das Rose-Education-Center einrichtete.

Auf diese Weise stehen von Jahr zu Jahr mehr Menschen mit Kindern des "vergessenen Kontinents" in Kontakt. Etliche Brieffreundschaften entstanden ja ebenfalls im Lauf der Jahre. "Man lernt Land und Leute dort ganz anders als Touristen kennen, die Sehenswürdigkeiten besichtigen", sagt der 18-jährige Benedikt zuletzt noch, der darum auch das P-Seminar "Afrika" wählte. "Du erfährst die ganze ungeschönte Wahrheit, die einen im Leben aber menschlich weiterbringt."

Was wohl bis September aus der Tauschaktion wird, die Lea Vogel ersann? Auf Anregung der Schülerin hin erstand Susanne Heim eine Zimmerpalme, um sie dem Schulleiter als Tauschobjekt anzubieten: OStD Martin Rohde, der nun zwei Wochen lang Zeit hat, um ein höherwertigeres Objekt dem nächsten Tauschpartner anzubieten. "Wir dachten an Christian Lange, der uns als früherer Schüler des FLGs sicher unterstützt", verriet Susanne Heim. Vielleicht setzt sich die Aktion dann innerhalb des Rathauses fort, wo sich neben dem zweiten Bürgermeister der OB für die Initiative seiner ehemaligen Schule engagieren könnte. Wer weiß ...


So können Sie helfen

Mehr über das Rose-Education-Center und den Voitmannsdorfer Verein Anam Cara, der das Bildungszentrum unterstützt, erfahren Sie im Netz über die Homepage. Hier finden auch Interessenten, die die Patenschaft für ein Waisenkind übernehmen möchten, Ansprechpartner.

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