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Bamberg
Geschmacksache

Bamberger Martinsbrezen im Test

Was dabei herauskommt, wenn man Martinsbrezen-Ess-Neulinge zu einem Test bittet.
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Die Testerinnen (von links): Redaktionssekretärin Marion Kari, Gertrud Glössner-Möschk, Anette Schreiber und Praktikantin Anna Gartiser Foto: Sabine Christofzik
Die Testerinnen (von links): Redaktionssekretärin Marion Kari, Gertrud Glössner-Möschk, Anette Schreiber und Praktikantin Anna Gartiser Foto: Sabine Christofzik
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Sowas nennt man wohl eine dicke Überraschung. Da sitzt jemand mit am Tisch, der bis vor zehn Minuten noch nicht gewusst hat, dass es sowas überhaupt gibt und zwei, die nur die salzige Variante kennen. Die andere Kollegin und ich können wenigstens schon auf einen Erstkontakt mit süßen Martinsbrezen verweisen.

Wenn das nicht ideale Voraussetzungen sind für einen Test des Gebäcks, das in diesen Tagen in vielen Bäckereien in der Region zu haben ist: lauter unvoreingenommene Esserinnen.

Die Auswahl erfolgte weder per Zufallsgenerator (den wir nicht haben) noch Griff in den Lostopf, sondern war an einem rein praktischen Aspekt ausgerichtet: die Brezen sollten sich auf meinem Weg zur Arbeit bequem einsammeln lassen: über die Gartenstadt, einen kleinen Schwenk weg vom Münchner Ring bis zum Park-und-Ride-Platz Heinrichdamm.
Eine weitere Probe wurde bei einer kurzen Besorgung in der Innenstadt "im Vorbeigehen" gekauft.


"Erinnert an Milchbrötchen"

Drei Sorten Hefeteigbrezen mit Zuckerguss und eine aus Plunderteig mit Mandelblättchendekoration stehen auf dem Tisch in der "Besprechungsküche" der Lokalredaktion. Die Probehäppchen sind jeweils vom dicken Brezenbogen geschnitten.

Die Kolleginnen arbeiten sich von Nummer 1 bis 4 durch. "Eher nicht so süß, dafür sehr frisch. Wie Rohrnudeln, war mein erster Gedanke". "Sehr fest. Leichter Fruchtgeschmack an der Oberfläche. Könnte man sich auch unter einem anderen Namen und nicht als Martinsbreze vorstellen." "Erinnert an Milchbrötchen, oder an Panettone, aber flauschiger. Vom Zuckerguss bleibt zu viel an den Fingern kleben." "Starke Hefe-Note. Die Weichste im Biss." Das waren die Bewertungen (in beliebiger Reihenfolge).


"Dann lieber a gscheits Hörnla"

Lag es daran, dass der größte Teil der Testerinnen "Neuland" betrat? Die Martinsbreze als solche traf nicht so recht ihren Geschmack. "Dann lieber a gscheits Hörnla", war zu vernehmen.

Ob das die Kinder, die sich nach den Martinszügen auf ihre Brezen freuen, auch so sehen? Als Knirps ist man nicht kritisch, sondern freut sich über alles, was man als Erinnerungsstück bekommt. Und das ist gut so.

Vor einigen Jahrzehnten schien dies nicht ganz so populär gewesen zu sein. "Dass es danach was zum Essen gegeben hätte, daran kann ich mich nicht erinnern", berichtet Gertrud Glössner-Möschk. "Aber ich weiß noch, dass ich bei einem Umzug, der von St. Martin ausging, keine eigene Laterne hatte und eine Freundin mir ihre zweite gegeben hat. Damals waren überall noch echte Kerzen drin. Schon am Grünen Markt ist das Papier in Flammen aufgegangen. Der Abend war für mich gelaufen. Da hätte mich auch keine Breze fröhlich gestimmt."

"Nur Laternen, keine Brezen!", ist sich Anette Schreiber sicher, wenn sie zurückdenkt. "Martinszüge haben mich als Kind nur interessiert, weil da ein Pferd dabei war. Viel später war ich selbst mal Martin, in Gundelsheim. Könnte sein, dass da was verteilt wurde. Ich musste mich allerdings aufs Ross konzentrieren, das nicht mein eigenes war."


Neuland betreten

Im Praktikum beim FT lernt man mitunter noch ganz andere Dinge als das journalistische Handwerkszeug. Und so bekennt Anna Gartiser freimütig, dass sie bis zur Einladung zum Test von der Existenz der Martinsbreze nichts gewusst hat. "Obwohl ich auch ein Praktikum im Kindergarten gemacht habe. Aber beim Martinszug war ich nicht dabei."

Rabimmelrabammel pur. Nicht mal mit Martinslegende. So war es damals bei mir. Aber seit dem Basteln des Leuchtkörpers weiß ich, was eine Käseschachtel ist. Eine solche sollten wir dazu in den Kindergarten mitbringen. Ich war zunächst ratlos. Auch meine Mutter zerbrach sich eine Weile darüber den Kopf, was das sein könnte. Schließlich kam sie drauf. Die runde Papp-Verpackung von Weichkäse aus dem Supermarkt war gemeint. Den hat bei uns daheim aber niemand gemocht.
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