Bamberg
Bildung

Bamberger Karmeliten schließen ihr Theresianum

Generationen von "Spätberufenen" haben in dem kirchlichen Kolleg und Gymnasium im Bamberger Berggebiet seit 1946 das Abitur gemacht. Obwohl die Schulen nach wie vor gefragt sind, stehen sie vor dem Aus. Die Ordensgemeinschaft führt personelle und finanzielle Gründe ins Feld.
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Trauerflor an der Schulfahne: Die Tage des Theresianums in Bamberg sind gezählt. Foto: RiegerPress
Trauerflor an der Schulfahne: Die Tage des Theresianums in Bamberg sind gezählt. Foto: RiegerPress
Die Nachricht platzt mitten in die Ferienstimmung: Das Bamberger Theresianum, kirchliches Gymnasium mit Kolleg und Seminar, schließt.

Das Aus steht nicht unmittelbar bevor, ist aber beschlossene Sache: Das Leitungsgremium der vereinigten deutschen Provinz der Karmeliten hat bei seiner Sitzung in der vergangenen Woche diese Entscheidung getroffen.

Man werde die Schule "auslaufen" lassen, so dass alle der aktuell rund 180 Schülerinnen und Schüler noch ihren Abschluss machen können, sagt Pater Dieter Lankes, der an der Spitze des Bamberger Karmeliten-Konvents und der deutschen Ordensleitung steht.

Keine Neuaufnahmen mehr

Das Nachsehen haben rund ein Dutzend Lehrkräfte, die in naher Zukunft um ihren Arbeitsplatz fürchten müssen, und alle jungen Leute, die im kommenden Schuljahr ans Theresianum wechseln wollten. 60 Schulverträge für 2015/2016 lägen schon vor, berichtet der stellvertretende Leiter, Stephan Reheuser.

Leid tut es ihm vor allem um jene, die eigens Ausbildungsstellen gekündigt haben, um wieder die Schulbank zu drücken. Oberstudienrat Reheuser hätte gehofft, dass der Schulträger wenigstens allen noch eine Chance gibt, die im Herbst anfangen wollten.

Das Aus kommt nicht nur für die Schüler überraschend. Auch das Lehrerkollegium soll vor rund drei Wochen erstmals von entsprechenden Überlegungen erfahren haben. Reheuser sagt, er habe gemeinsam mit dem Schulleiter und anderen um den Fortbestand des Theresianums gekämpft, leider erfolglos. Das Aus komme zu einer Zeit, da die Einrichtung nachgefragt sei "wie schon lange nicht mehr".

Er bedauere die Entscheidung, sie sei aber unumgänglich, betont Pater Dieter Lankes. Die Schließung des Theresianums, das 2016 sein 70-jähriges Bestehen feiern könnte, ist nach seinen Worten eine schmerzliche Konsequenz aus der Personalsituation in den Klöstern und der finanziellen Lage des Ordens: Die meisten Patres seien hochbetagt; eine sinkende Zahl noch aktiver Brüder müsse für Unterhalt und Nutzung zahlreicher historischer Liegenschaften aufkommen. Auch andere Standorte müssten schmerzhafte Einschnitte hinnehmen.

Laut Lankes ist der amtierende Leiter des Theresianums, Pater Roland Hinzer, der einzige und letzte Pädagoge im Orden, der dazu die Befähigung hat. Dieser Umstand und die Abhängigkeit von jeweils nur kurzfristig gesicherten Zuschüssen für den laufenden Betrieb durch die bayerischen Diözesen habe der Provinzleitung keine andere Wahl gelassen, als die Schule zu schließen.

Salesianer Don Bosco interessiert

Die Karmeliten nützen freilich auch die Gunst der Stunde, dass sich bereits eine Nachfolgenutzung für ihre mit Millionen-Aufwand sanierten Liegenschaften abzeichnet: Die Salesianer Don Bosco haben Interesse.

Die Schulgebäude am Karmelitenplatz wären laut Don-Bosco-Gesamtleiter Emil Hartmann ein geeigneter Ort für die Bartolomeo-Garelli-Förderschule. Diese ist seit Jahren nur unzureichend im Canisiusheim untergebracht.

Unter diesem Gesichtspunkt kann Bambergs Schulreferent Bürgermeister Christian Lange dem Aus für das traditionsreiche Theresianum sogar etwas Positives abgewinnen. Würden die Salesianer dort mit ihrer Förderschule zur Miete einziehen, wäre dies, so Lange, eine zukunftsfähige Option sowohl zum Wohl der Karmeliten als auch der Salesianer. Lange sagt den beiden Ordensgemeinschaften seine Unterstützung zu, falls sie sich einig werden.

Als "herben Verlust für die oberfränkische Schullandschaft" wertet man dagegen in Bayreuth die Nachricht vom Aus für das Theresianum. Die Regierung von Oberfranken habe dessen Sanierung mit staatlichen Finanzmitteln unterstützt und auch die Oberfrankenstiftung habe sich eingebracht. "Dies alles war verbunden mit der Hoffnung, dass der Betrieb längerfristig aufrecht erhalten bleibt", so Regierungssprecher Oliver Hempfling auf Anfrage.

Bedauern überwiegt auch auf dem Domberg. Harry Luck, Pressesprecher des Erzbistums, bestätigte auf Anfrage zugleich, dass die Karmeliten das Theresianum gern in die Trägerschaft des Bistums abgegeben hätten. Immerhin haben einige hundert Absolventen im Lauf der Zeit die Priesterlaufbahn eingeschlagen.

Doch das Erzbistum sieht sich angesichts seiner bereits bestehenden Verpflichtungen im Schulbereich nicht in der Lage, die Schule zu übernehmen, so Luck. Auch der Freistaat hat abgelehnt, sagt Pater Dieter Lankes .

Erzbistum lehnt Trägerschaft ab

Das Erzbistum will den Karmeliten helfen, neue Stellen für die zwölf hauptamtlichen Pädagogen zu finden, die ausschließlich am Theresianum unterrichten. Weitere neun haben Stundenverträge, sind aber an anderen Schulen angestellt.

Stephan Reheuser, der stellvertretende Leiter des Theresianums, wird nicht arbeitslos: Erstens ist er bei der Kirche angestellt und zweitens leitet er das erzbischöfliche Abendgymnasium. Das ist nur als Mieter im Theresianum beheimatet, in seinem Fortbestand aber nicht gefährdet.

Das Theresianum blickt auf eine fast 70-jährige Geschichte zurück:



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