Bamberg
Gentechnik

Bamberger Imker protestieren gegen Genmais

Auf europäischer Ebene ist gegen Gemais kein Verbot zustande gekommen. Die Bamberger Imker fürchten sich vor nicht absehbaren Konsequenzen.
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Bernd Schiller und die Bamberger Imker wollen sauberen Honig. Foto: Schönfelder
Bernd Schiller und die Bamberger Imker wollen sauberen Honig. Foto: Schönfelder
Bernd Schiller protestiert. Gegen den Genmaisanbau, der jetzt freigegeben ist und die Regierung, die das nicht verhindert hat. Der Kreisvorsitzende des Bamberger Imkerverbandes, des mit 2300 Bienenvölkern größten Verbandes in Oberfranken, wehrt sich gegen Genmais 1507. "Wir wollen sauberen Honig", fordert Schiller.

Genmais steht vor einer Zulassung in den Ländern der Europäischen Union. Bei einer Sitzung des EU-Ministerrats Anfang Februar stimmte keine ausreichende Mehrheit gegen eine Zulassung, auch weil Deutschland sich enthalten hat.

Genmais hat in Bayern eine brisante Vorgeschichte. Im vergangenen Jahr endete der Gerichts-Marathon des Kaisheimer Imkers Karl Heinz Bablock, dessen Honig mit Pollen von Genmais verunreinigt war. Der Honig enthielt Spuren der Maissorte MON 810, der auf einem Versuchsgut angebaut wurde. Daraufhin durfte der Imker ihn nicht mehr verkaufen. Bablock verlor - den sechsjährigen Prozess und seinen Honig. Das Urteil war umstritten.

Im Vergleich dazu ist Genmais 1507 "noch einmal eine andere Preisklasse", sagt der Kreisvorsitzende Schiller. Der Pestizidanteil ist in den Pollen 300-fach höher, urteilen Wissenschaftler. Außerdem verschmähe die Bevölkerung Honig, der Genmais-Spuren enthält.

In einer Greenpeace-Umfrage im Dezember 2013 lehnten von den 982 Befragten fast 90 Prozent den Anbau gentechnisch veränderter Lebensmittel ab. Für Schiller zeichnet sich der deutsche Honig demnach besonders durch seine Reinheit aus. "Diesen Wettbewerbsvorteil zu verlieren, wäre heftig", sagt der Imker. Hinzu kommt die Ungewissheit, wie sich Gentechnik langfristig auf Umwelt und Menschen auswirkt. "Das weiß niemand, auch die Hersteller können darüber nicht urteilen", erklärt er.

Deswegen ist er auch von der deutschen Bundesregierung enttäuscht. Die hatte sich beim Votum der EU-Minister ihrer Stimme enthalten, weil sie sich auf keinen Standpunkt einigen konnte.

Der Bamberger Bundestagsabgeordnete Andreas Schwarz hat sich entschieden. Bei einer namentlichen Abstimmung des Bundestages im Januar votierte er gegen den Genmais 1507. Der SPD-Abgeordnete "bedauert die Umstände, wie es zu der Enthaltung (bei der Abstimmung des EU-Ministerrats) gekommen ist.

Solange innerhalb der Regierung verschiedene Meinungen kollidierten, ließen sich keine bindenden Entscheidungen fällen. Deshalb habe sich die Bundesregierung enthalten. Neben Schwarz stimmte der zweite Bamberger Bundestagsabgeordnete, Thomas Silberhorn (CSU), bei der Abstimmung im Bundestag dagegen.

Die Landwirte der Region Bamberg beziehen keine eindeutige Position. Zwar erkennt Heinrich Faatz, Kreisobmann des bayerischen Bauernverbandes, "kein Interesse am Genmais in Bamberg ". Er selbst stehe aus landwirtschaftlicher, ökonomischer Sicht gentechnisch verändertem Mais allerdings aufgeschlossen gegenüber.


Schiller und die Bamberger Imker wollen sauberen Honig. Auch weil die Menschen es hierzulande forderten. Und besorgt ist er wegen den Bienen, deren Zukunft ungewiss sei, wenn sie zu einer Art Gentaxi würden. Schiller erinnert sich an das Bienensterben in der baden-württembergischen Oberrheinebene von 2008.

"Honig können wir noch importieren, die Bestäubungsleistung nicht", sagt er. Wer weiß, befürchtet Schiller, irgendwann müsse noch per Hand bestäubt werden. Konstantin Schönfelder

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