Bamberg
Grünschnitt

Bamberger Hobby-Gärtner legen los

Die Stadt sammelt bis Donnerstag Gartenabfälle ein. Dass das Grünzeug in diesem Jahr bereits Anfang März abgeholt wird, liegt am Naturschutzgesetz. Das Problem ist nur: Der Hobby-Gärtner wartet meist auf Frühlingswetter, bis er im Garten aktiv wird.
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Eva und Karl Dechant beraten in diesen Tagen die ersten Hobby-Gärtner. Doch noch nicht allzu viele Bamberger wagen den Gang in den Garten.Foto: Sarah Dann
Eva und Karl Dechant beraten in diesen Tagen die ersten Hobby-Gärtner. Doch noch nicht allzu viele Bamberger wagen den Gang in den Garten.Foto: Sarah Dann
Lieber auf die Sonne warten, das denkt sich wohl so mancher Hobby-Gärtner. Schließlich sollen die Pflanzen nicht gleich wieder eingehen, die man mühevoll gesetzt hat. Doch, meist sind die Garten-Freunde wetterfühliger als die ziemlich robusten Pflänzchen. Gärtner Karl Dechant gibt Entwarnung: "Auch wenn die Blumen früh morgens manchmal noch den Kopf hängen lassen, blühen sie später wieder auf", sagt der Fachmann. Man sollte nur wissen, welche Pflanzen sich als Frühjahrsblüher eignen und durchhalten, wenn es nachts nochmal kälter werden sollte.

Karl Heinz Welsch hat mittlerweile auch mit dem Gärtnern angefangen. Noch vor einer Woche war für ihn aber eher "tiefster Winter": "Ich konnte in der letzten Woche noch nichts machen, da gab es ja früh noch Reif", sagt Karl Heinz Welsch.

Deshalb muss sich der Bamberger wundern - und ärgern.
Während die Gartenabfälle bis 2013 noch Ende März oder sogar erst Anfang April abgeholt wurden, fahren heuer schon jetzt die Mitarbeiter des Entsorgungs- und Baubetriebs durch die Straßen und sammeln den Grünschnitt ein. Noch bis Donnerstag, 12. März, werden die Gartenabfälle bezirksweise eingesammelt. Schon am 3. März waren die Mitarbeiter in Welschs Straße unterwegs. "Da war nicht viel da gelegen", auch nicht bei seinen Nachbarn, erinnert er sich. Insgesamt melden die Fahrer nach Auskünften der Stadt aber nur minimal weniger Grünschnitt, als bei der Sammlung im Herbst.
Acht Säcke voller Verikutiergut - vor allem Moos - stehen seit gestern bei ihm rum. "Es geht ja nicht nur um die Äste", erklärt Welsch. Er muss jetzt schauen, wie er seine Abfälle nach und nach im Bio-Müll verteilt. Da hilft ihm auch mal ein Nachbar aus, wenn bei diesem noch Platz ist. Doch, Nachbarschaftshilfe hin oder her: Der Bamberger fragt sich, "wer diesen Termin festgelegt hat, nachdem die Frühjahrsarbeiten im Garten frühestens etwa Mitte März 2015 beginnen können".

Dass es keine willkürliche Entscheidung, sondern vielmehr eine gesetzliche Vorgabe ist, weiß Pressesprecherin Ulrike Siebenhaar: "Die zeitliche Verschiebung erklärt sich aus dem Gesetz." Erst "seit 2014 wurden die Termine auf Anfang März gelegt. Dies hängt mit dem Bundesnaturschutzgesetz zusammen", sagt Siebenhaar. Da für die Schnitt- und Fällarbeiten eine gesetzliche Frist vorgegeben ist, werden die Termine in Bamberg von der Abteilung Entsorgung in Absprache mit dem Umwelt- und Gartenamt dementsprechend angepasst.

Weil in Hecken, Gebüschen und Bäumen Insekten leben und Vögel nisten, sich verstecken und ihren Nachwuchs ausbrüten, gibt es eine Frist für größere, radikalere und lautere Gartenarbeiten. Während der Fortpflanzungszeit vom 1. März bis 30. September ist es grundsätzlich verboten, Bäume, Hecken und anderes Gebüsch sowie Röhrichtbestände und sonstige Gehölze zu fällen, zu roden, auf den Stock zu setzen oder auf sonstige Weise zu beseitigen. Diese Rücksichtnahme ist im Paragraf 39, Absatz 5 des Bundesnaturschutzgesetzes festgehalten. Wer sich nicht daran hält, muss ein Bußgeld bezahlen oder macht sich in besonders schwerwiegenden Fällen sogar einer Straftat schuldig.


Nicht nur Äste

Karl Heinz Welsch erinnert sich, dass der Termin im vergangenen Jahr "bereits sehr knapp" war, "um die Arbeiten im Garten überhaupt teilweise erledigen zu können". Auch die Stadt Bamberg weiß, dass es schwierig ist, allen Heimgärtnern mit den Abfuhr-Terminen entgegenzukommen: "Beschwerden der Bürger gibt es immer mal wieder, dem einen Bürger sind wir zu früh dran, dem anderen zu spät", sagt Siebenhaar: "Heuer kam jedoch bis jetzt nur eine Beschwerde darüber, dass wir zu früh dran wären", sagt Siebenhaar. Eine Anpassung an die "witterungsbedingte Realität" wünscht sich Welsch von der Stadt wieder für die Zukunft.

Das Gesetz versteht er schon, nur fallen im Frühjahr aus seiner Erfahrung eben vor allem andere Gartenabfälle an. Die Frühjahrs-Sammlung lässt sich jetzt zwar nicht mehr beeinflussen. Aus Gärtnersicht können aber alle beruhigt sein, die ihre erste Gartenarbeit an die städtische Grünschnittsammlung angepasst haben: Auch wenn sich die Frühlingssonne erst so recht in den letzten Tagen durchgekämpft hat, ist es möglich gewesen, schon Anfang März mit der Gartenarbeit loszulegen.

Der Winter war in diesem Jahr nicht übermäßig kalt, weil aber selten die Sonne geschienen habe, kam das Gefühl auf, "das wird ja gar nicht besser", erklärt Dechant. Eine Ermutigung für alle, die gerne mit und im Grünen arbeiten, hat er auch: "Als Gärtner muss man das Wetter fühlen." Da gehöre dann eben auch ein Gartengang in Gummistiefeln dazu. Und: Die Beratung eines Gärtners, der nicht alle Pflanzen anbietet, sondern eben nur die, die auch nach einer kalten Nacht am Morgen wieder aufstehen.

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