Bamberg

Bamberger Frauenhaus geht neue Wege - und auf Opfer zu

Im Raum Bamberg und Forchheim geht das Frauenhaus jetzt auch aktiv auf Frauen zu, die Hilfe wünschen. Das gab es noch nie.
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Heike Steinbach (von links), Ursula Weidig und Valerie Himmelspach verkörpern das neue pro-aktive Beratungsangebot des Bamberger Frauenhauses und der Kriminalpolizei für Bamberg/Forchheim. Foto: Matthias Hoch
Heike Steinbach (von links), Ursula Weidig und Valerie Himmelspach verkörpern das neue pro-aktive Beratungsangebot des Bamberger Frauenhauses und der Kriminalpolizei für Bamberg/Forchheim. Foto: Matthias Hoch
"Wir melden uns innerhalb von drei Tagen." Das verspricht Valeria Himmelspach allen Frauen, die ihren Rat und ihre Hilfe in Anspruch nehmen möchten. Die Diplom-Sozialpädagogin aus dem Bamberger Frauenhaus ist die Ansprechpartnerin in einer neu geschaffenen pro-aktiven Beratungsstelle für Opfer von häuslicher Gewalt im Raum Bamberg/Forchheim. Angeschlossen ist sie dem Bamberger Frauenhaus und arbeitet eng mit der Kriminalpolizei zusammen.

Bisher mussten Opfer häuslicher Gewalt stets selbst die Initiative ergreifen und Kontakt zum Frauenhaus aufnehmen. Das sei ein Grundprinzip gewesen, wie Frauenhaus-Leiterin Ursula Weidig anmerkt. Insofern sei das neue Angebot "aus Frauenhaus-Sicht revolutionär".

Denn: Himmelspach geht aktiv auf Frauen zugeht, wenn diese es wünschen. Als Vermittler fungieren Polizeibeamte. Sie sind als erste am Tatort, wenn eine misshandelte Frau den Notruf gewählt hat.
Neuerdings haben die Polizisten Kontaktformulare dabei, auf denen sie Name und Telefonnummern der Frauen notieren, die einen Rückruf von der Frauenhaus-Beratungsstelle wünschen.


Körperliche und seelische Gewalt

16 Frauen haben bisher diese noch wenig bekannte Möglichkeit genützt. Die relativ niedrige Zahl könnte den Eindruck erwecken, es gäbe keinen Bedarf. Dem widerspricht Heike Steinbach von der Beratungsstelle für Kriminalitätsopfer der Polizei im Raum Bamberg/Forchheim entschieden. Sie sieht sogar großen Bedarf für ein niederschwelliges Angebot wie dieses.

Mehr als 1800 Fälle von häuslicher Gewalt wurden der Polizei im Jahr 2015 in Oberfranken bekannt; davon passierten etwa 350 in Stadt und Landkreis Bamberg sowie Forchheim.

Nach Steinbachs Einschätzung handelt es sich dabei nur um die sprichwörtliche Spitze des Eisbergs. Körperlich und seelisch misshandelte Frauen hätten oft nicht die Kraft, für sich zu kämpfen. "Die Frauen erzählen uns ja, wie sie von den Männern unter Druck gesetzt werden", berichtet Weidig. Oft drohe ein Partner damit, die Frau in die Psychiatrie einliefern zu lassen oder ihnen die Kinder wegzunehmen, sollte das Opfer an eine Anzeige denken.

Polizeibeamte erleben es laut Steinbach gar nicht so selten, dass eine Frau die Angriffe des Partners abstreitet und lieber so tut, als ob ihre Verletzungen von einem Sturz oder ähnlichem herrühren würden. Die Kriminalkommissarin glaubt, dass es gerade in solchen Fällen sehr hilfreich sein kann, wenn die Polizisten den Namen und eine Rufnummer der Frau notieren und an Valeria Himmelspach weitergeben dürfen.

Im Idealfall ruft die Diplom-Sozialpädagogin binnen drei Tagen bei der Frau an und macht ein persönliches Gespräch mit ihr aus. Wann und wo man sich trifft, kann die Frau bestimmen, weil es von ihrer individuellen Lage abhängt. Dem Sozialdienst katholischer Frauen (SkF), Träger des Frauenhauses, stehen sowohl in Bamberg als auch in Forchheim und Ebermannstadt Räume zur Verfügung.

Im ersten Gespräch wird möglichst die Situation geklärt und überlegt, welche Hilfe die Frau benötigt, sagt Himmelspach. Da könne es etwa um die Frage gehen, ob sie daheim bleiben oder mit ihren Kindern vorübergehend ins Frauenhaus ziehen will; oder, ob sie Chancen für eine Eheberatung sieht. Die Hilfsmöglichkeiten sind nach Angaben der Beraterin so individuell wie die Rat suchenden Frauen.

In Bayern soll nach dem Willen des bayerischen Sozialministeriums ein Netzwerk aus pro-aktiven Interventionsstelle entstehen. An der Finanzierung sind laut Ursula Weidig und Heike Steinbach neben dem Sozialministerium die Stadt und Landkreise Bamberg und Forchheim und der SkF beteiligt.

Vorerst handelt es sich um ein befristetes Projekt. Es wäre nach den Worten unsere Gesprächspartnerinnen wünschenswert, dass es auf Dauer etabliert wird. Die neue Beratungsstelle erleichtere auch der Polizei die Arbeit, so die Kriminalkommissarin. Bisher würden ihre Kollegen oft mit Fragen von Gewaltopfern konfrontiert, die sie nicht beantworten könnten. Oder müssten unverrichteter Dinge gehen, weil eine Frau aus Angst vor dem Partner keine Anzeige erstattet. Dank des Projekts könnten Polizisten unkompliziert einen Kontakt zu Rat und Hilfe herstellen. Steinbach bringt den Vorteil aus Sicht der Polizei so auf den Punkt: "Es hilft den Beamten, zu helfen."


Mögliche Anlaufstellen

Die neue pro-aktive Beratungsstelle des Bamberger Frauenhauses hat die Telefonnummer 0951/58280.
Frauen, die unter häuslicher Gewalt leiden, können sich im Raum Bamberg/Forchheim auch wenden an die
- Beratungsstelle für Kriminalitätsopfer bei der Kripo Bamberg, Telefon 0951/9129480, oder
- das Frauenhaus, Telefon 0951/58280.

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