Bamberg
Denkmalpflege

Bamberger Familie erhält Denkmalpflege-Preis der Oberfrankenstiftung

Die Bamberger Familie Vetterling hat das Einzeldenkmal "Am Knöcklein" 12 äußerst behutsam restauriert. Ihrem Haus darf man ansehen, dass es über 500 Jahre alt ist. Das ist der Oberfrankenstiftung eine Auszeichnung wert.
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Nahe der Karmelitenkirche liegt das restaurierte Anwesen der Familie Vetterling, das von außen und innen sein Alter zeigen darf. Foto: Barbara Herbst
Nahe der Karmelitenkirche liegt das restaurierte Anwesen der Familie Vetterling, das von außen und innen sein Alter zeigen darf. Foto: Barbara Herbst
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"Passen Sie auf Ihren Kopf auf", warnt Andrea Vetterling die Besucherin vom FT lachend gleich an der Haustür. Tatsächlich: Der Türstock ist so niedrig, dass selbst eine Einmetersiebzig-Frau eine Beule riskiert.

Und obwohl die Hausbesitzer, Andrea und Claus Vetterling, sogar 1.83 Meter groß sind, haben sie nichts an den Türhöhen in ihrem alten Haus geändert - aus Respekt vor dem Einzeldenkmal "Am Knöcklein" 12 und, weil sie den Charakter des über 500 Jahre alten Anwesen nicht verändern wollten.

Für ihre so behutsame Restaurierung des spätmittelalterlichen Wohnhauses erhält das Ehepaar am Donnerstag (6. August) den Denkmalpflegepreis der Oberfrankenstiftung.

Exponierte Lage

Ihr Haus steht vorne auf der Stützmauer, die von der Karmelitenkirche hinunter zur Sutte führt und gründet hinten auf der Stützmauer, die den Fuß- und Radweg im Domgrund begrenzt. Der rückwärtige Anbau stammt aus dem 19. Jahrhundert.
Als das Hauptgebäude um das Jahr 1506 errichtet wurde, gab es weder die Straße noch Nachbarhäuser. Es muss allein auf weiter Flur gestanden haben; seine Frühgeschichte liegt jedoch noch im Dunkeln (siehe nebenstehender Einspalter).

Familienwohnsitz seit 2003

Ende 2003 zog Familie Vetterling, zu der noch Sohn Jakob (17) und eine Katze (10) gehören, ein. Voraus gegangen war, wie das Ehepaar bei einem Ortstermin berichtete, eine knapp einjährige Restaurierung.

Claus Vetterling nahm die Bauleitung selbst in die Hand, nachdem ein zunächst beigezogener Architekt für den Geschmack der Bauherrn viel zu viel erneuern und ändern wollte. Vetterling, selbstständiger Archäologe, hatte das Glück, dass sein Geschäftspartner ihn damals über Monate weitgehend frei sperrte.

Die neuen Besitzer passten sich mit Hingabe dem Haus an, nicht umgekehrt. Sie beließen den historischen Raumzuschnitt, die kleinen bis winzigen Fenster, die alten Türen mit einfachen Beschlägen und Riegeln, legten alte Holz- und Steinböden frei, freuen sich über das Licht- und Schattenspiel, das die unebenen, mit Kalkfarben verputzten Wände erzeugen.

Und sie arrangierten sich eben auch mit den alten Türstöcken. Wie sagt Andrea Vetterling doch: "Man gewöhnt sich dran, dass man einen Knicks macht."

Ersatz für verloren gegangene alte Fenster oder Bodenplatten trugen die Hausherrn zusammen. Dank ihrer beruflichen Kontakte zur Denkmalpflege fand sich anscheinend immer eine Lösung.

So kamen historische Fenster einer abgegangenen Mühle in Iphofen zu neuen Ehren. In der Küche läuft man beispielsweise auf roten Steinplatten, die so alt sind wie das Haus, aber von der Burg Trausnitz in Landshut stammen. Dort seien sie bei einem früheren Umbau übrig geblieben - zwei Beispiele von vielen.

Obwohl das Haus seinen barocken Charme behalten hat - auf modernen Komfort müssten sie nicht verzichten, betonen die Bewohner bei unserem Besuch.

2014 wurde neben dem Dach auch die Fassade hergerichtet, man sieht es ihr nur nicht an. Genau das bezweckten die Hausherrn und berichten amüsiert von Reaktionen: "Viele Nachbarn sind enttäuscht gewesen, nachdem das Gerüst weg war, dass es aussieht wie vorher!"

Anerkennung für alle Beteiligten

Über den Denkmalpflegepreis, den sie am Donnerstag in den Harmoniesälen in Empfang nehmen werden, freuen sich die Bewohner des "Knöcklein" 12 nicht nur wegen der damit verbundenen (und schon in die Fassade investierten) 7500 Euro. Das sei auch eine verdiente Anerkennung für ihre Handwerker, "die so empfindsam gearbeitet haben", sagt das Ehepaar.
Schön fänden sie es, wenn die Auszeichnung anderen Besitzern eines "Uraltbaus" (Claus Vetterling) Mut zur Sanierung machen würde: "Man muss nicht alles abreißen und neu machen."

Und wie lebt es sich für einen 17-Jährigen in einem über 500 Jahre alten Haus wie diesem? Das will ich zum Abschied von Jakob Vetterling wissen. Im Grunde prima, gibt er zu verstehen: Ob im Kindergarten oder später in der Schule - alle hätten es sehen wollen und Führungen bekommen.
Ein Nachteil fällt dem jungen Mann dann doch ein: Unbemerkt mitten in der Nacht heimkommen, das gehe nicht. Mutter Andrea nickt: "Man hört alles."
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