Nein, aus anderen bayerischen Bistümern kenne er so einen Aktionstag für kinderreiche Familien nicht: "Hier in Bamberg gibt es auch eine politische Komponente, das hat etwas Gepfeffertes", erklärte Johannes Schroeter, Landesvorsitzender des Familienbundes der Katholiken. Der gesellschaftliche Wertewandel wirke sich nachteilig auf kinderreiche Familien aus. Da könne so ein Tag ein deutliches Zeichen für Eltern mit vielen Kindern setzen, meinte Schroeter, selbst fünffacher Familienvater, der es nach eigener Aussage "nie bereut hat, eine große Familie zu haben".

Der Familienbund im Erzbistum Bamberg hatte am Samstag zu diesem Erlebnis- und Begegnungstag auf dem Gelände des St. Josefsheims am Jakobsplatz eingeladen. Und zwar Familien ab vier Kindern. Gut 90 Erwachsene und 200 Buben und Mädchen zwischen zwei und 16 Jahren tummelten sich rund um das Zirkuszelt: "ein herrliches Gelände", lobte Familienbundsvorsitzende Christiane Kömm. Sie traf auf rundum begeisterte Eltern, darunter Väter und Mütter von sieben, acht und neun Sprösslingen.

Während die jüngsten Kids extra betreut wurden, konnten sich die ab Sechsjährigen als Zirkusartisten erproben: Jonglieren, Fakirkünste, Drahtseilartistik, Rap, Kooperationsakrobatik lernten sie in Workshops. Auch der Hochseilgarten lockte zum Austoben. Die Eltern bekamen währenddessen in verschiedenen Arbeitsgruppen von Fachleuten Steuertipps für Familien, Ratschläge bei Konflikten in Familien oder Hinweise für den Umgang mit neuen Medien wie Handy, Internet und Co."Super, ich find's klasse hier", schwärmte Thomas Eidloth (39), der mit Ehefrau Barbara (35) und seinen vier Jungs Elias (10), Lucas (9), Emil (3) und Anton (2) aus Kronach gekommen war.


Warten auf den Erzbischof



Einträchtig verspeisten sie die mittäglichen Bratwürste und Schweinesteaks. Der große Bruder Elias schaute mit neugierigen Augen um sich: Wo bleibt der Erzbischof? "Ich freue mich auf ihn", strahlte der Ministrant. Und schon war Ludwig Schick da. Der Erzbischof setzte sich zu der Familie, und es entspann sich eine angeregte Plauderei. "Ich habe Brüder zum Spielen und zum Reden", nannte Elias die Vorzüge einer großen Familie. Und Mutter Barbara erzählte freimütig über ihre vier Wunschkinder: "Die waren so geplant und keine Unfälle", lachte sie.

Erzbischof Schick wanderte weiter von Tisch zu Tisch. Schließlich hatte er vor einigen Jahren die "Familienstiftung Kinderreich" ins Leben gerufen, die diesen Aktionstag auch finanziell ermöglichte. Sein Anliegen, kinderreichen Familien dabei zu helfen, sich in Politik und Gesellschaft Gehör zu verschaffen, setzte der Erzbischof in der Podiumsdiskussion am Nachmittag um. "Kinderreich heute zwischen Lebensfülle und Verzicht" lautete ihr Titel. FT-Redakteur Klaus Angerstein moderierte das Gespräch zwischen dem Erzbischof, Landesvorsitzenden Johannes Schroeter, Marina Rupp, stellvertretende Leiterin des Staatsinstituts für Familienforschung an der Universität Bamberg, und CSU-Bundestagsabgeordneten Thomas Silberhorn. Die Runde war sich einig: Kinderreiche Familien bedeuten Reichtum für die Gesellschaft, aber auch Armut durch zu wenig Anerkennung. Der Erzbischof plädierte für "genügend materielle Ressourcen" und "Rentenansprüche durch Erziehungsleistung". Silberhorn schlug in die gleiche Kerbe und forderte ebenfalls eine "bessere Anerkennung der Erziehung in der Rente oder einen Bonus für Erziehungsleistung". Schroeter beklagte eine "Lücke im Wahlrecht, die einen relevanten Teil unserer Gesellschaft ausblendet": "Ich bin für ein Familienwahlrecht", erklärte er, auch der CSU-Politiker sprang ihm dabei zustimmend zur Seite.


Diskussion um Krippenplätze und Betreuungsgeld



Der Austausch auf dem Podium biss sich am Betreuungsgeld und dem Ausbau von Krippenplätzen fest. Für Marina Rupp ist das Betreuungsgeld "ein Tropfen auf den heißen Stein, aber ein wichtiges Signal". Es gehe dabei auch um "Vertrauen in Eltern". Erzbischof Schick wandte sich gegen den Begriff "Betreuungsgeld": "Es sollte Kinderförderbetrag heißen", meinte er. Kinder seien am besten in ihrer Familie aufgehoben, "alles andere sind subsidiäre Hilfen", ergänzte Schick.

Die erstaunlichen Ergebnisse einer gezielten Förderung von Talenten und Begabungen stellten die Kinder abschließend im Zirkus Giovanni vor. Unter Jubeln, Stampfen und Klatschen des Publikums boten sie das in den Workshops Gelernte dar. Und Erzbischof Schick brachte noch jemanden ins Spiel: "Wir schenken dem lieben Gott einen Applaus für das schöne Wetter", forderte er die Schar auf. Das Zirkuszelt erbebte.