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Bamberg
Urteil

Bamberger Drogenkonsument muss ins Gefängnis und auf Entzug

Ein 36-jähriger Bamberger wurde wegen unerlaubter Einfuhr von Betäubungsmitteln und Beihilfe verurteilt.
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Das Polizeibild, das nicht aus dem Bamberger Verfahren stammt, zeigt ein mit Rauschgift gefülltes Kondom. Foto: dpa-Bildfunk
Das Polizeibild, das nicht aus dem Bamberger Verfahren stammt, zeigt ein mit Rauschgift gefülltes Kondom. Foto: dpa-Bildfunk
"Wenn etwas Gutes an dem Verfahren ist, dann das, dass der Öffentlichkeit einmal die toxische Wirkung von Crystal klar gemacht wird." Der Satz stammt aus der mündlichen Urteilsbegründung von Vorsitzendem Richter Manfred Schmidt im Prozess gegen Stefan N. (Name von der Redaktion geändert).

Der 36-jährige Bamberger wurde am Mittwoch wegen unerlaubter Einfuhr von Betäubungsmitteln sowie wegen Beihilfe zur illegalen Einfuhr und zum unerlaubten Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zu zwei Jahren und zehn Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Außerdem ordnete die Zweite Strafkammer des Landgerichts die Unterbringung des drogenabhängigen Mannes in einer Suchtklinik an.

Die Taten beging N. am 3. September 2016. Damals begleitete er einen guten Freund, der in Eger auf dem Asia-Markt Crystal kaufen wollte. Von den 1700 Euro, die er in Drogen umsetzte, waren etwa 600 Euro von N. Die beiden Männer schmuggelten die Drogen in ihren Körpern nach Bamberg, verpackt in sogenannte Kondomplomben.

Schmidt sprach von einem Schicksalstag, zu dem der 3. September vor allem für N.s Freund wurde: Der 37-Jährige starb noch in derselben Nacht, weil ein Päckchen Crystal in seinem Magen aufgegangen war. Etwa zwei Gramm des Rauschgifts waren in sein Blut gelangt und hatten zu einer tödlichen Vergiftung geführt. Der Tod des Bambergers und das Verfahren solle allen zur Warnung dienen, betonte der Vorsitzende Richter. Niemand solle die Gefährlichkeit auch kleiner Mengen von Metamphetamin unterschätzen.

N. wurde für die rund 20 Gramm Crystal, die er in seinem Darm versteckt hatte, wegen unerlaubter Einfuhr von Betäubungsmitteln verurteilt. Die beiden Beihilfe-Taten muss er sich anrechnen lassen, weil er den Freund beim Körperschmuggel aktiv unterstützte und weil er wusste, dass das Rauschgift in Bamberg weiterverkauft werden sollte.


Am Tod des Freundes nicht schuld

Was dem Angeklagten laut Urteilsbegründung nicht strafrechtlich anzulasten ist, ist der Tod des Freundes. Dennoch war das ein Punkt, den das Gericht nicht einfach ausblenden könne, wie Schmidt sagte. Das "Bodypacking" sei "besonders verwerflich" und spreche für eine besondere kriminelle Energie. "Ich stelle mir das gruselig vor" sagte der Vorsitzende Richter im Hinblick auf die Prozedur, der sich die Körperschmuggler unterziehen müssen.

Im konkreten Fall hatten sich die beiden Männer für das Verpacken des Rauschgifts in Tütchen und anschließend in Kondome sowie das Schlucken und Einführen der riskanten Gebinde rund drei Stunden in ein billiges Hotelzimmer in Eger zurückgezogen.

N., der die Drogen im Darm geschmuggelt hatte, schied die Kondomplomben in Bamberg ohne gesundheitliche Folgen aus. Er will sie anschließend am Kanalufer versteckt haben. Als er wenige Tage später die Polizei zu der Stelle führte, war das Rauschgift allerdings weg. Ob N. es selbst auf die Seite geschafft hat oder ob es gestohlen wurde - das blieb im Verfahren ungeklärt.

Dass der Angeklagte schon bei den ersten Ermittlungen nach dem Drogentod des Freundes geständig war, rechneten ihm die Richter positiv an. Auch, dass er nicht der "Kopf" der Aktion war. Damit er selbst von seiner Abhängigkeit loskommt, wird er 15 Monate seiner Freiheitsstrafe im Entzug verbringen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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