Bamberg
Jubiläum

Bamberger Bauernmarkt: Eher nichts für "typische Aldi-Käufer"

Der Bamberger Bauernmarkt wird 20 Jahre alt und feiert dies am Samstag. Dass er so ein Erfolg werden würde, hätten sich die Initiatoren um Landwirt Otto Weiß 1995 nicht träumen lassen.
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Blick über den Stand von Obstbau Gräb, der ganzjährig Äpfel aus eigenem Anbau und zusätzlich die Früchte der Saison feil bietet. Foto: Ronald Rinklef
Blick über den Stand von Obstbau Gräb, der ganzjährig Äpfel aus eigenem Anbau und zusätzlich die Früchte der Saison feil bietet. Foto: Ronald Rinklef
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Otto Weiß erinnert sich noch gut, wie es anfing - damals, Mitte der 1990er Jahre. Der Landwirt aus Laibarös in der Gemeinde Königsfeld (Landkreis Bamberg) gehörte zu einem Kreis jüngerer Bauern, die sich mit dem Gedanken trugen, ihre Erzeugnisse verstärkt selbst zu vermarkten. Man habe sich umgehört und umgesehen, professionellen Rat eingeholt und schließlich beschlossen, es in Bamberg mit einem Bauernmarkt zu versuchen.

Heute, 20 Jahre später, ist der Bauernmarkt aus dem samstäglichen Bamberger Angebot nicht mehr wegzudenken. Die meisten Beschicker sind noch dieselben wie 1995, teils arbeitet bereits die zweite Generation mit. Was dafür spricht, dass Bambergs jüngster Markt nicht nur für die Kunden, sondern auch für die Erzeuger zu einem wichtigen Standbein geworden ist.


Es stecke zwar viel Arbeit drin, einen Markttag neben den Tätigkeiten auf dem Hof vorzubereiten, in aller Frühe in die Stadt zu fahren und nach Marktschluss wieder einzupacken und daheim aufzuräumen, sagt Mathilde Heberlein, Erste Vorsitzende des Vereins Bamberger Bauernmarkt. Die Metzgers-Frau aus Stegaurach-Höfen sagt aber auch: "Mir würde ohne Markt was fehlen." Vor allem der direkte Kontakt zu den Kunden.

Auch viele Bamberger können sich den Wochenend-Einkauf ohne Bauernmarkt nicht mehr vorstellen. Den Anteil der Stammkunden auf der nördlichen Promenade schätzt Heberlein auf 90 Prozent.

Nicht alles bio, aber alles regional
Angeboten wird ausschließlich saisonale und regionale Ware. Südfrüchte und andere Dinge, die nicht in Bamberg und Umgebung gedeihen, sucht man vergeblich. Nicht alles stammt aus ökologischem Anbau, aber alle Beschicker garantieren für die Herkunft ihrer Produkte aus der Region.

Das ist für bewusste Verbraucher wie Agac Dilber (34) aus Bamberg und Sabine G. (53) aus Memmelsdorf entscheidend. Beide Frauen trafen wir am vergangenen Samstag auf dem Bauernmarkt und fragten sie, warum sie dort und nicht im nächst gelegenen Supermarkt einkaufen. "Das Regionale" nennt die 34-jährige Familienmutter als Hauptgrund: "Ich verlass' mich drauf. Und es schmeckt auch gut."

Für Sabine G. sind Lebensmittel wichtig, die man "mit gutem Gewissen und Freude essen kann". Regelmäßig kaufe sie auf dem Bauernmarkt Bio-Fleisch: "Wir essen kein anderes mehr." Dafür zahle sie auch gern ein bisschen mehr. Für Leute, die bereitwillig fünf Euro für eine Schachtel Zigaretten ausgeben, aber beim Essen mit jedem Euro knausern, zeigt die 53-Jährige kein Verständnis.

Ein älterer Mann, den wir ebenfalls befragten, hatte sich gerade eine Apfelsahneschnitte gekauft. Die Abwechslung sei es, die ihn zum Bauernmarkt lockt, sagte Reinhard Strauß; er esse täglich ein Stück Kuchen.

Aus welchen Gründen auch immer die Leute kommen: Dass der Bauernmarkt so eine Erfolgsgeschichte werden würde, das hätte weder Weiß geglaubt, der Jahre lang an der Spitze des Vereins Bamberger Bauernmarkt stand, noch Mathilde Heberlein, seit drei Jahren die amtierende Erste Vorsitzende.

Ab Sommer auch Lammfleisch
Mit 13 bis 15 Ständen ist der kleine, Linden bestandene Platz auf der nördlichen Promenade, wo sonst Autos parken, ausgelastet. Auf engstem Raum gibt es samstags von 8 bis 13 Uhr Brot und Kuchen, Milchprodukte aller Art, Kartoffeln und Getreide, Obst und Gemüse, Wurst und Fleisch, Fisch, Damwild, Marmeladen und Honig, Säfte, Schnäpse und Blumen, oft auch Sonderaktionen. Ab Sommer kommt zusätzlich ein junger Jura-Schäfer mit Lammfleisch dazu, wie Heberlein ankündigt.

Auf die Frage, was einen typischen Bauernmarkt-Kunden auszeichnet, antwortet Otto Weiß so: "Den typischen Aldi-Käufer haben wir nicht." Das sind für ihn Leute, die erwarten, dass immer alles verfügbar ist, unabhängig von Jahreszeiten - und Tatsachen, wie dieser: "Ein Schwein hat halt nur zwei Filets."

Was Weiß besonders freut, ist, dass immer mehr junge Leute den Bauernmarkt besuchen.
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