Bamberg
Denkmal

Bamberg plant großes Gewerbe - aber die Unsicherheit bleibt

Nicht nur Naturfreunde, auch Denkmalschützer fordern eine Anpassung der Gewerbepläne im Bamberger Südosten. Doch die sind so oder so ziemlich unsicher.
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Die Schutzgemeinschaft "Alt Bamberg" verlangt eine Anpassung des Gewerbeparks Geisfelder Straße. Bisher sei die stadtgeschichtliche Bedeutung der Muna völlig ignoriert worden. Unser Bild zeigt die Ecke Berliner Ring Geisfelder Straße. Hier schlägt die Initiative "Armygelände in Bürgerhände" Wohnbebauung vor.  Foto: Ronald Rinklef
Die Schutzgemeinschaft "Alt Bamberg" verlangt eine Anpassung des Gewerbeparks Geisfelder Straße. Bisher sei die stadtgeschichtliche Bedeutung der Muna völlig ignoriert worden. Unser Bild zeigt die Ecke Berliner Ring Geisfelder Straße. Hier schlägt die Initiative "Armygelände in Bürgerhände" Wohnbebauung vor. Foto: Ronald Rinklef
Ein gigantisches Sandkastenspiel: Bamberg überplant im Südosten das mit 210 Hektar größte Stück Stadtfläche seit vielen Jahrzehnten, doch die Kardinalfrage bleibt unbeantwortet. Wann kann die Stadt die seit dem Abzug der Amerikaner im Besitz des Bundes befindliche Fläche überhaupt kaufen? Und stehen alle Pläne für den 75 Hektar großen Gewerbepark nicht auf wackeligen Beinen, solange eine Freigabe von Bundesinnenminister Thomas de Maizière fehlt und wöchentlich neue Gerüchte hochkochen, wozu die Bundespolizei die Muna gebrauchen könnte?

Auch Harald Lang vom Konversionsamt der Stadt bedauert die unsichere Lage, doch aus seiner Sicht gibt es keine Alternative als wenigstens zu planen. Der Vorteil der Planungshoheit, die bekanntlich bei der Kommune liegt: Die bundesdeutsche Großwetterlage ändert an dem nach striktem Muster ablaufende Verfahren erst einmal wenig.

Vor einigen Tagen ist die Frist für die öffentliche Beteiligung am "Gewerbepark Geisfelder Straße " noch einmal verlänergt worden. Bis zum 29. Februar können Anregungen abgegeben werden. Zahlreiche Stellungnahmen liegen bereits vor und belegen, dass den Institutionen ebenso wie Bamberger Bürgern Schießplatz und Muna am Herzen liegen, auch wenn sie nur für wenige zugänglich waren. Da sind nicht nur die Proteste der Naturschützer, die die Rodung von 85 Hektar Wald befürchten und dem Überplanen von artenreichen Rasengesellschaften den Kampf angesagt haben.

Auch für den Denkmalschutz sind die ehemaligen Depotflächen im Südosten alles andere als ein weißer Fleck. Ganz im Gegenteil. In einem mit viel Detailkenntnissen ausgearbeiteten Alternativvorschlag richtet die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg erstmals den Blick auf die in der Endphase des Ersten Weltkriegs entstandene "Munitionsanstalt" und ihre stadtgeschichtliche Bedeutung Sie sei bei den bisherigen Planungen völlig außer Acht gelassen worden, obwohl der Kern der damaligen Anlagen - Schießstand, Fertigungshallen und Munitionslager - in bemerkenswerter Ursprünglichkeit vorhanden sei. Ein Spiegel von 100 Jahren Bamberger Militärgeschichte sei in der Muna zu entdecken - von den Hinterlassenschaften des Ersten Weltkriegs über die Anfänge der späteren Firma Messerschmitt-Bölkow-Blohm bis zu den Zeugnissen der Wiederaufrüstung zur NS-Zeit und der US-Phase. Insgesamt stellt die Schutzgemeinschaft die Muna auf eine Ebene mit der Lagardekaserne.


Ausgefeilter Alternativvorschlag

Doch mit einem Eintrag in die Denkmalliste soll es nicht getan sein. Alt Bamberg hat einen ausgeklügelten Alternativvorschlag vorgelegt, mit dem unter dem Arbeitstitel "Muna Village" zumindest ein Teil der alten Produktionshallen ohne viel Aufwand in die Gewerbepläne integriert werden könnte. Für die bisherigen Pläne haben die Denkmalexperten dagegen wenig Sympathie: "Die südlich des Gewerbeareals zur Erhaltung vorgesehehnen Bunkeranlagen aus dem Zweiten Weltkrieg genügen nicht, wenn gleichzeitig die ungleich bedeutenderen und aussagekräftigerne Zeugnisse aus der Gründungsphase vernichtet werden."


Wohnen an der Geisfelder Straße

Auch von der Initiative "Armygelände in Bürgerhände" kommen Ideen, wie man die akuten Nöte vieler Bürger im Südosten besser berücksichtigen könnte. So fordern Christine Lawrence und Hedwig Luster, das ehemalige Muna-Grundstück an der Geisfelder Straße für lockere Geschossbauten zu reservieren. Aus dem Gebäudeschutt soll ein Lärmschutzwall am Berliner Ring entstehen.

Mit Befürchtungen ganz anderer Art sehen sich Michael und Christina Gerstner konfrontiert. Sie sprechen von einem bis zu sechsspurigen Straßenneubau parallel zur Armeestraße, quasi ein zweiter "Berliner Ring" als Zubringer zur Pödeldorfer Straße. "Die Ängste wegen einer überdimensionierten Erschließung sind gerechtfertigt", findet zumindest die Grünen-Stadträtin Ursula Sowa. Sie hat das aus ihrer Sicht völlig falsch dimensionierte Gewerbegebiet von Beginn an kritisiert.

Was ist dran an den Vorwürfen? In der Stadtverwaltung hat man folgende Erklärung. Die enorme Trasse. die sich auf dem Plan mitten durch das künftige Gewerbegebiet zieht, resultiert aus der üppigen Grünausstattung der künftigen Erschließungsachse. Sie soll wegen des an seiner Belastungsgrenze angelangten Sendelbachs breite begrünte Versickerungsstreifen aufweisen. Bei der Straße handele es sich um eine ganz normale Gewerbeerschließung mit zwei Fahrspuren und einer Abbiegespur, sagt Harald Lang. "So dass zwei Lkw nebeneinander stehen können."


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