Bamberg
Verkehr

Bamberg als "Fahrradstadt Süddeutschlands"

30 Prozent aller Wege legen die Bamberger mit dem Rad zurück - und liegen damit deutlich über dem Durchschnitt.
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Ein typischer Anblick an vielen "Ecken" in Bamberg: Dass in der Stadt viel geradelt wird, sieht man auch - nicht nur im fließenden Verkehr.  Foto: Ronald Rinklef
Ein typischer Anblick an vielen "Ecken" in Bamberg: Dass in der Stadt viel geradelt wird, sieht man auch - nicht nur im fließenden Verkehr. Foto: Ronald Rinklef
Es ist ein Begriff, den Referentin Kathrin Henninger in den Raum wirft: Plötzlich ist Bamberg "die Fahrradstadt Süddeutschlands" - belegbar, mit verlässlichen Zahlen aus einer statistisch gesicherten und repräsentativen Befragung.

Henninger ist Diplom-Verkehrswirtschaftlerin und arbeitet für ein Ingenieurbüro, das im Auftrag der Stadt im vergangenen Jahr eine "Mobilitätsbefragung zum werktäglichen Verkehrsverhalten der Bamberger Bevölkerung" durchgeführt hat. Die Ergebnisse sollen als Grundlage für Ergänzungen des städtischen Verkehrsentwicklungsplanes dienen.


Radanteil überdurchschnittlich

Was Henninger aus dem 83-seitigen Packen Papier vortrug, sorgte bei den Mitgliedern des im Verkehrs- und Umweltsenat für kurzes Innehalten: Rund 30 Prozent aller Wege legen die Bamberger mit dem Rad zurück. Die Stadt verfüge über einen "überdurchschnittlich hohen Fahrrad-Anteil", mehr als ein Drittel der Befragten wähle das Rad als regelmäßig genutztes Verkehrsmittel.

Zum Vergleich: In Bayreuth lag der Anteil 2015 bei 22 Prozent, in Schweinfurt im Jahr 2010 bei 13 Prozent. Doch zurück nach Bamberg: Bei der Erhebung haben 2229 Stadtbewohner aus 1093 Haushalten ihr persönliches Verkehrsverhalten dokumentiert. Das Ergebnis: Die Bamberger sind mobil und bewegen sich etwas mehr als der Durchschnitt.

Verkehrsmittel Nummer 1 ist das Auto mit 41 Prozent, schon folgt das Fahrrad mit 30 Prozent. 19 Prozent der Wege legen die Bamberger zu Fuß zurück und zehn Prozent entfallen auf den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Im Vergleich zur letzten Mobilitätsbefragung vor zehn Jahren wird deutlich: Der Radleranteil ist um acht Prozent gestiegen, das Auto bleibt häufiger stehen.

Interessant: Bis zu einer Distanz von fünf Kilometern ist der Radverkehr stark vertreten, ab dann wird der motorisierte Verkehr dominant. Ist die zurückzulegende Strecke zwischen acht und neun Kilometern lang, fahren 95 Prozent der Befragten mit Auto, Bus oder Bahn. Am meisten nutzen Menschen ab 64 Jahren den motorisierten Verkehr.

Auf diese Tatsache ging BUB-Stadträtin Daniela Reinfelder ein: "Das Auto wird von vielen älteren Menschen gebraucht. Auch den ÖPNV sollte man in Spitzenzeiten gut auslasten können." Nach Peter Gack (GAL) sind die Umfrage-Ergebnisse so zu interpretieren, dass man die "umweltfreundlichen" Verkehrsteilnehmer bei politischen Entscheidungen mehr in den Fokus rücken solle. Gack glaubt: Bamberg könnte Kopenhagen als "Fahrradstadt Europas ablösen".


Experten sehen Verbesserungspotenzial

Auch CSUler Franz-Wilhelm Heller freut sich über die "Fahrradstadt". Ihn überraschte jedoch, dass die Befragten die Rad- und Fußwege offenbar gut bist sehr gut bewerteten.
Doch gerade bei der Infrastruktur sieht Michael Schilling vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club Bamberg (ADFC) Verbesserungsbedarf. Natürlich juble man über 30 Prozent Radleranteil. In Bamberg sei Vieles auf kurzen Wegen erreichbar, die Topografie und Kleinräumigkeit böten sich für Radler geradezu an. Zudem seien viele Studierende mit dem Rad unterwegs. Aber: "Ich frage mich, ob Bamberg die 30 Prozent wegen oder trotz der Verkehrspolitik erreicht hat."

Zu dieser äußert sich auf FT-Anfrage auch Heribert Trunk, Präsident der Industrie- und Handelskammer für Oberfranken. Er merkt an: "Die Mobilität der Bamberger ist nur ein Ausschnitt dessen, was in Bamberg an Verkehr stattfindet." Er weist auf rund 35 000 Einpendler aus dem Landkreis hin, von denen viele aufgrund der Entfernung mit dem Auto zur Arbeit fahren würden. Trunk glaubt, dass man unter anderem mit dem Ausbau des ÖPNV Pendler zum Busfahren bewegen könnte. Der gewinnt laut der Mobilitätsbefragung bei Langstrecken ab 20 Kilometern an Bedeutung. Und schon ist man wieder mittendrin, in der verkehrspolitischen Diskussion - in der "Fahrradstadt Süddeutschlands".

Kommentar von Redakteurin Anna Lienhardt:

Jeder, wie es ihm möglich ist

Ein Radfahreranteil von 30 Prozent in der Stadt ist ein tolles Ergebnis - das der eigenen Gesundheit und dem Umweltschutz nutzt. Dennoch: Viele Menschen sind auf ihr Auto angewiesen, oder zumindest wird ihnen das Leben dadurch erleichtert. Da sind Ältere, Berufspendler oder diejenigen, die auf alltäglichen "Hol- und Bringfahrten" unterwegs sind. Dagegen ist das Rad gerade für die, die in der Stadt leben und arbeiten, prädestiniert. Bei wem es die Lebensumstände zulassen, der steigt auf den Drahtesel oder geht zu Fuß. So muss es sein. Doch aus der Statistik lässt sich auch herauslesen: Ab einer Strecke von vier Kilometern nimmt der motorisierte Verkehr wieder zu, zwischen acht und neun Kilometern liegt er bei 95 Prozent. Also: Das Radfahren fördern und sicherer machen, absolut! Aber nicht gleichzeitig den motorisierten Verkehrsteilnehmern das Leben unnötig erschweren.

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