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Tradition

Bamberg: Droht uns ein Seidla-Verbot?

Der frisch gezapfte halbe Liter Bier ist jetzt ins Visier des Ordnungsamtes in Bamberg geraten. Auf die genaue Ausschank-Menge kommt es an.
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Egal, ob im Krug oder im Glas - was ein Seidla ist, weiß jeder Franke. Foto: Timo Stöhr
Egal, ob im Krug oder im Glas - was ein Seidla ist, weiß jeder Franke. Foto: Timo Stöhr
Es gehört einfach zu Bamberg wie der Dom, Klein-Venedig oder die K&K-Bratwürste: ein frisch gezapftes, kühles Seidla. Nicht nur in den Wirtschaften oder auf den Kellern genießen die Menschen ihr Bier und lassen den Alltag hinter sich. Auch auf die Feste oder Kirchweihen in der Stadt strömen die Gäste, um ihren Durst zu stillen.

Jetzt aber macht ein schlimmes Gerücht die Runde in den Gassen der Stadt: Droht uns ein Seidla-Verbot? Verbieten Behörden diese Bezeichnung? Hintergrund dafür war ein Fest vor wenigen Wochen. Hier sollen Kontrolleure bei den Veranstaltern die Bezeichnung Seidla moniert haben, weil dieser Begriff nicht klarmache, welche Menge Bier sich darin befinden würde.

Ein Leser unserer Zeitung, der diesen Vorfall mitbekommen hat, informierte die Redaktion. Laut seiner Schilderung sei die Bezeichnung Seidla Bier wohl nicht mehr zulässig. Künftig müsse es eine korrekte Anzeige von 0,5 Liter geben. Der Leser schreibt voller Sorge: "Warum ist ein Seidla keine zuverlässige Maß-Einheit?" Dabei hat der Ausdruck eine lange Tradition. Beim Seidel oder eben Seidla handelt es sich um die Bezeichnung für einen Bierkrug oder ein Bierglas. Sie entstammt dem Lateinischen und gründet sich auf situla, einem Eimer zum Wasserschöpfen. In Franken passten früher sogar 0,535 Liter rein.

Doch welche Behörde reibt sich angeblich an unserem Seidla? Es soll sich um Kontrolleure des Ordnungsamtes der Stadt Bamberg gehandelt haben. Wir haben nachgehakt. Konrad Waldsachs ist der Leiter der Behörde und kennt alle Hintergründe rund um das für Bamberg so brisante Thema.

Zunächst aber gibt der erfahrene Amtsrat erst einmal Entwarnung: Das Seidla darf auch weiter Seidla heißen. Aber das allein reicht nicht aus. Denn wird auf Festen oder Veranstaltungen dieser Ausdruck auf den Aushängen an Ausschanken verwendet, dann muss dort auch immer eine Mengenangabe stehen, die beschreibt, welche Menge sich in den Gläsern oder Krügen befindet. Waldsachs erklärt die Hintergründe dafür: "Gemäß der Preisangabenverordnung ist bei der Abgabe von Waren oder Leistungen der Gesamtpreis und, soweit es der allgemeinen Verkehrsauffassung entspricht, die Verkaufs- oder Leistungseinheit anzugeben, auf die sich der Gesamtpreis bezieht. Dies wäre bei einem Bierausschank somit die entsprechende Ausschank-Menge."

Aber jeder weiß doch, dass ein Seidla 0,5 Liter hat. In Bamberg oder Franken mag das der Fall sein, doch ein Blick ins nahe Ausland zeigt, dass dort für ähnliche Ausdrücke ganz andere Maße gelten. In Österreich beispielsweise hat ein Seidel 0,3 Liter. Unser Seidla mit 0,5 Liter wird in der Alpenrepublik dagegen Krügerl genannt. Gerade solch regionalen Unterschiede verdeutlichen, dass das umständliche Wort Preisangabenverordnung eigentlich doch eine sehr nützliche Bestimmung ist.

Kleinere Krüge

Aber nicht nur regionale Besonderheiten sind ausschlagebend, weiß Konrad Waldsachs. "Der insbesondere in Franken gebräuchliche Begriff ,Seidla' steht nicht ausschließlich für einen halben Liter Bier. Durch Preissteigerungen verursacht, gehen mittlerweile viele Gastronomen auf niedrigere Ausschankmaße wie 0,4 oder 0,33 Liter über. Auch die Hersteller von Stein- oder Keramikkrügen haben diese Entwicklung erkannt und bringen zunehmend kleinere Krüge auf den Markt. Die Möglichkeit einer Irreführung bei einer reduzierten Ausschank-Menge im Steinkrug ist durchaus real."

Die Mitarbeiter des Ordungsamtes achten daher auf die Einhaltung dieser Verordnung. Waldsachs hebt hervor: "Bei Kontrollen der Lebensmittelüberwachung wird deshalb regelmäßig darauf hingewiesen, dass in Verbindung mit der Preisangabe auch die entsprechende Verkaufs- oder Leistungseinheit anzugeben ist." Weil aber das Seidla Bier zumindest bei der fränkischen Bevölkerung für 0,5 Liter steht, sei eine fehlende Ausschank-Menge durch die Lebensmittelüberwachung noch nie sanktioniert worden, fügt der Amtsrat an.

Das Seidla ist allerdings nur einer von vielen Bereichen, die das Ordnungsamt und die Lebensmittelüberwachung überwachen. Gerade im Sommer haben die Kontrolleure nämlich Hochsaison, ergänzt deren Chef. "Durch die zahlreichen Veranstaltungen sind die Lebensmittelkontrolleure nahezu jedes Wochenende im Dienst." Dies diene dem Schutz der Verbraucher und sei keine Gängelung der Feste-Organisatoren, hebt Waldsachs hervor.

Aufklärungsarbeit

In vielen Fällen werde bereits im Vorfeld eine ausführliche Aufklärungsarbeit zur Vermeidung von Fehlern bei der Durchführung von Veranstaltungen geleistet. Der Hauptaugenmerk der Kontrolleure liegt auf der Einhaltung von Hygienevorschriften wie etwa Handwasch- und Spül-Gelegenheiten. Daneben wird auf die Einhaltung von Temperaturen und das getrennte Lagern von Gemüse und frischem Fleisch geachtet. Schließlich kümmert sich die Lebensmittelüberwachung auch um die richtige Aufklärung bei Lebensmitteln.

Ein enormer Aufwand also für alle Beteiligten. Eine Mühe aber, die sich lohnt - denn schließlich profitieren alle davon, wenn auf Festen böse Überraschungen ausbleiben. Und die Gäste sich fröhlich zuprosten - mit einem Seidla kühlem Bier.


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