Bamberg

Bald kommen erste Flüchtlings-Busse nach Bamberg

In eineinhalb Wochen soll die Erstaufaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber vom Balkan in Bamberg in Betrieb gehen. In mancher Wohnung stehen schon Stockbetten für Flüchtlinge. Diese werden in Bussen ankommen. Deren Route soll nicht mitten durchs Wohngebiet führen.
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Die Pfosten für den Maschendrahtzaun stehen schon. Es geht darum, das Areal von der restlichen Konversionsfläche abzugrenzen. Foto: Matthias Hoch
Die Pfosten für den Maschendrahtzaun stehen schon. Es geht darum, das Areal von der restlichen Konversionsfläche abzugrenzen. Foto: Matthias Hoch
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Der Weg führt von der A73 ab auf die Staatsstraße 2281, dann nach rechts in die Kastanienstraße, nach links in die Buchenstraße und ein Stück gerade aus. Das Ziel ist der Erlenweg, in den die Busse ein letztes Mal links abbiegen, dann heißt es "Ankunft" - in einer spezialisierten Asylbewerbereinrichtung für Flüchtlinge mit geringer Bleibewahrscheinlichkeit.

Bis zu 1500 von ihnen sollen in sieben Häusern auf dem ehemaligen Kasernengelände der Amerikaner untergebracht werden. Hinzu kommt ein Gebäude mit Sanitäranlagen plus drei Blocks für die Verwaltung. Den Sinn und Zweck der ganzen Anlage bringt Oliver Hempfling, Sprecher der Regierung von Oberfranken, auf den Punkt: "Wir wollen das gesamte Asylverfahren an einer Stelle durchführen, in möglichst kurzer Zeit." Die Rede ist von vier bis sechs Wochen pro Asylantrag. Die ersten sollen ab dem 15. September bearbeitet werden, dann wird die Einrichtung der Landesregierung eröffnet.


Zunächst Kapazität für 400 Menschen

Es werden allerdings nicht 1500 Flüchtlinge auf einen Schlag einziehen. Ab dem Stichtag habe man zunächst eine Kapazität für 400 Menschen, sagt Regierungssprecher Hempfling beim Ortstermin. Der Weg über das Gelände auf der Flynn-Housing-Area wird begleitet von Baulärm, zudem heißt es "obacht" bei der Besichtigung der Innenräume: dicke Bündel von blauen Kabeln für die IT wälzen sich über den Boden, einen Stock höher begegnet einem der nächste Elektriker.

"Die Herausforderung ist, Wohnungen nach amerikanischer Bauart in Büroräume umzuwandeln", sagt Hempfling. EDV-Leitungen seien überhaupt nicht vorhanden gewesen, gerade diese brauche man aber in "riesigem Umfang". Zunächst werden 50 Mitarbeiter die Verwaltungsaufgaben bewältigen, später, bei Vollauslastung des Geländes, werden sich 200 um die Asylbewerber kümmern. Wann deren maximale Anzahl - 1500 - erreicht sein wird, hängt laut Hempfling vom Zustrom ab. Grundsätzlich versuche man, nach dem System Zugang gleich Abgang vorzugehen. Eine hundertprozentige Aussage, wann tatsächlich wie viele Flüchtlinge in Bamberg ankommen, kann derzeit jedoch niemand treffen.


Gebäude in sehr gutem Zustand vorgefunden

Wenn die Busse schließlich kommen, gilt: "Wir wollen die Siedlung jenseits der Birkenallee vom Verkehr frei halten", sagt der Regierungssprecher. Auch die "Natosiedlung" wird vom Ankunfts- und Abfahrtsverkehr nicht betroffen sein. Hempfling macht darauf aufmerksam, dass nicht nur die Gebäude in sehr gutem Zustand vorgefunden worden seien. Viele habe man nur reinigen und mit Rauchmeldern ausstatten müssen.

Der Regierungssprecher weist auch auf die weitläufige Anlage mit Spielplatz hin. "Ein gepflegtes Gelände sorgt für einen gepflegten Umgang." Dieses wird rundherum von einem Zaun umgeben sein, um die unterschiedliche Nutzung zum umliegenden Areal zu kennzeichnen. Hempfling betont: "Das wird kein Ungarn-Zaun." Selbstverständlich bestehe allerdings ein gewisser Schutzgedanke.

Im Inneren der Häuser füllen sich die ersten Zimmer bereits mit Stockbetten. Braunes Metall, die Matratzen liegen schon drin. "Betten zu besorgen ist in Zeiten wie diesen nicht einfach", kommt die Anmerkung. Wer in ihnen wie lange schläft, wird davon abhängen, wie zügig die Asylanträge bearbeitet werden.


Verwaltung beansprucht drei Häuser

In den drei Häusern der Verwaltung werden sich Mitarbeiter mit der Unterbringung auseinander setzen, zudem gibt es einen medizinischen Dienst, eine Außenstelle des Bundesamtes für Migration sowie des Verwaltungsgerichts aus Bayreuth. Auch die zentrale Ausländerbehörde wird vor Ort sein und die Polizei wird eigene Räume zur Verfügung gestellt bekommen.

Laut Hempfling gab es auf die Stellenanzeigen der Regierung von Oberfranken viele Reaktionen, doch noch immer sucht die Behörde beispielsweise Computerfachleute und medizinische Fachkräfte. Teilweise überlegt man, Pesionäre einzusetzen. Die Stellenangebote jedenfalls sind auf der Internetseite der Regierung zu finden. Arbeitsbeginn: "nächstmöglicher Zeitpunkt".
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