Bamberg

Auto ergaunert und ab nach Italien

Ein 34 Jahre alter Italiener wurde am Amtsgericht wegen Betrugs verurteilt.
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Ein VW Golf GTI, wie Carlo S. ihn sich auf betrügerische Weise angeeignet hat  Foto: Archiv/Anja Vordran
Ein VW Golf GTI, wie Carlo S. ihn sich auf betrügerische Weise angeeignet hat Foto: Archiv/Anja Vordran
Carlo S. (Name geändert) hat wohl die richtige Entscheidung getroffen, als er sich den Ermittlungsbehörden gestellt und gestern auch vor Gericht zugegeben hat, ein Bamberger Autohaus betrogen zu haben. Der 34 Jahre alte Italiener, der seit seinem 20. Lebensjahr in Deutschland lebt, kam mit einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten davon; sie wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Wenn er sich in Zukunft nichts zu Schulden kommen lässt und die 80 Stunden gemeinnützige Arbeit ableistet, die ihm Amtsrichter Kratzer aufgegeben hat, steht einem Neuanfang nichts mehr im Weg. Erst vor wenigen Tagen ist er zum zweiten Mal Vater geworden, und eine Vollzeitstelle hat er auch in Aussicht. Die Sozialprognose sei günstig, stellten sowohl der Staatsanwalt, der Verteidiger und am Ende auch der Richter fest.

Dabei war es kein Kavaliersdelikt, zu dem Carlo S. sich im Dezember 2015 hatte hinreißen lassen: In einem Bamberger Autohaus schloss er einen Kaufvertrag für einen VW Golf GTI im Wert von 15 290 Euro ab, obwohl er weder zahlungsfähig noch zahlungswillig gewesen sei, wie es in der Anklageschrift hieß. Um ein Finanzierungsdarlehen zu bekommen, behauptete er, eine feste Anstellung zu haben. In Wahrheit war er von seiner Firma gekündigt worden. Doch im Vertrauen auf seine Zahlungsfähigkeit hat das Autohaus dem Mann den Golf überlassen.

Während die Bank noch vergeblich auf Belege über laufende Gehaltseingänge von Carlo S. wartete, war dieser mit dem Golf GTI schon in seine Heimat gereist. Der Autohändler blieb nach Abzug des Wertes für den gebrauchten Sportwagen, den S. in Zahlung gegeben hatte, auf einem Schaden von 13 590 Euro sitzen. Der Golf wird wohl nicht mehr in Bamberg auftauchen: Nach Angaben des Angeklagten ist er Ende Mai 2016 in Italien gestohlen worden.


Mehrere Wochen U-Haft

Nach Carlo S. wurde mit internationalem Haftbefehl gefahndet. Anfang März hat er sich gestellt und wurde nach Frankfurt gebracht. Einige Wochen lang saß er in Untersuchungshaft, kam aber wieder auf freien Fuß. Den zum Zeitpunkt der Hauptverhandlung noch bestehenden Haftfehl hob das Gericht gestern auf.

Über seinen Verteidiger, Rechtsanwalt Jörg Händler, räumte Carlo S. den ihm zur Last gelegten Sachverhalt "vollumfänglich" ein. Auf Bitten von Richter Kratzer ging der Anwalt auch kurz auf die Hintergründe der Tat ein, wie sein Mandant sie dem Ermittlungsrichter geschildert hatte: Carlo S. habe im Dezember 2015 mit dem Autohaus ausgehandelt, dass dieses seinen älteren Sportwagen zum Preis von 16 000 Euro verkaufen solle. Die Inhaberin habe eingewilligt und vorgeschlagen, 8000 Euro sofort auszuzahlen. Die zweite Hälfte sollte der Italiener nach dem Verkauf des Wagens bekommen. Das Autohaus aber habe nichts mehr von sich hören lassen. Stattdessen habe S. sein Auto irgendwann auf der Straße herumfahren sehen. Daraufhin sei er wieder beim Händler vorstellig geworden. Dieser habe sich aber geweigert, weiteres Geld auszubezahlen - wegen hoher Reparaturkosten für den Wagen. Einen schriftlichen Vertrag habe es nicht gegeben, so dass Carlo S. keine andere Möglichkeit gesehen habe, als mit dem Betrug zu seinem Recht zu kommen. "Er wollte es mit gleicher Münze heimzahlen."

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