LKR Bamberg
Gerichtsurteil

Aus dem Knast, in den Knast: Serieneinbrecher nach drei Tagen rückfällig

Ein 28-Jähriger hat 14 Einbrüche begangen - bis ihn die Polizei in Buttenheim schnappte. Nun wurde er vom Amtsgericht zu einer hohen Strafe verurteilt.
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Der Ort, an dem Schluss mit der Beutetour des Thüringers war: Durch das Fenster am Löwenbräu-Keller Buttenheim war der Einbrecher eingestiegen - doch bemerkten die Bewohner das. Die Polizei umstellte das Gebäude und schnappte ihn.  Foto: Sebastian Martin/Archiv
Der Ort, an dem Schluss mit der Beutetour des Thüringers war: Durch das Fenster am Löwenbräu-Keller Buttenheim war der Einbrecher eingestiegen - doch bemerkten die Bewohner das. Die Polizei umstellte das Gebäude und schnappte ihn. Foto: Sebastian Martin/Archiv
Er ist gerade mal drei Tage wieder auf freiem Fuß, da verübt er bereits seinen nächsten Bruch. Mit dem Zug fährt der 28-Jährige von Thüringen nach Hirschaid, eine Tasche für das Diebesgut führt er mit sich. Wie bei allen seinen Einbrüchen wählt der Mann auch dieses Ziel mehr aus Zufall aus. Spontan steigt er in der Nacht vom 18. April 2015 in den Kindergarten St. Johannis ein. Dabei geht der Täter vor wie in den meisten Fällen, die auf der langen Liste stehen, die Staatsanwalt Thomas Heer am Montag vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Bamberg zur Anklage bringt. Der Vorwurf: Diebstahl und versuchter Diebstahl, in einem Fall mit Waffen. Der Staatsanwalt fordert vier Jahre Haft - die Höchststrafe vor dem Schöffengericht.


Tausende Euro Schaden

Das Vorgehen des Einbrechers: Er nimmt einen Stein, schmeißt ein Fenster ein, durch das er ins Innere des Gebäudes gelangt. Er wählt meist ein Vereinsheim, ein Betriebsgebäude oder eine öffentliche Einrichtung aus. Bei vielen der ihm vorgeworfenen Taten ist der Sachschaden immens hoch, die Beute dafür teilweise verschwindend gering. So bricht er noch am 19. April mitten in der Nacht in den Kindergarten, den Tennisclub und das Vereinsheim des FSV Victoria Krum in Zeil ein. An den Tatorten findet die Polizei eine eingeschlagene Scheibe, aufgehebelte Schränke oder beschädigte Fliesen und Türen. Schaden: Tausende Euro. Beute: wenige Hundert Euro.


In ein Loch gefallen

"Der Angeklagte ist oft sehr rabiat vorgegangen", macht Staatsanwalt Heer deutlich. Er bezeichnet vor dem Gericht die Rückfallgeschwindigkeit des Mannes als besonders "krass". Der Thüringer hatte gerade eine mehrjährige Freiheitsstrafe wegen mehrfachen Diebstahls abgesessen, war auf Bewährung frühzeitig entlassen worden. Die Erklärung des Angeklagten für seinen schnellen Rückfall hat mit seinem Privatleben zu tun. "An dem Tag, an dem ich entlassen wurde, stand meine Verlobte vor mir, sie war schwanger - von einem anderen." Er habe von nichts gewusst und sei sofort in ein tiefes Loch gefallen. Alles hatte er auf das Leben mit der Frau nach seiner Entlassung ausgerichtet, so die Aussage des Mannes, doch nun sei dieser enorm wichtige Halt für ihn auf einen Schlag weggebrochen. Er habe plötzlich nicht mehr weitergewusst. Um seinen Lebensunterhalt zu sichern, habe er wieder zu stehlen begonnen.


Angeklagter ist geständig

Was folgte, war nicht nur ein Fehltritt, sondern gleich eine ganze Serie von Einbrüchen. So sucht er sich Ende April auch das Vereinsheim der Ballettschule Haßfurt als Ziel aus. Anfang Mai dann den Kindergarten in Eggolsheim sowie das Tennisheim und Schützenhaus in Neuses. Wenige Tage später wählt er sich Ziele in Pressig (Landkreis Kronach), eine Gärtnerei in Eltmann und die Riedseehütte in Bad Staffelstein. Wieder fährt er mit dem Zug zu den Tatorten. Wieder spontan, wie er sagt. Wieder ist es mitten in der Nacht, wieder fällt ein Stein ins Fenster. Und wieder ist der Sachschaden weitaus höher als die erbeutete Summe. So wird die Liste des Staatsanwalts immer länger. Die Anklageschrift weist 28 Fälle auf. In der Verhandlung findet jedoch nur die Hälfte Beachtung. Denn der Mann zeigt sich reumütig. Und räumt glaubhaft viele der Taten ein, wie das Gericht sagt. Darunter sind selbst Fälle, bei denen keine DNA-Spuren auf ihn als Täter hindeuteten. Andere Fälle bestritt der Mann, was die Staatsanwaltschaft zu einer vorläufigen Einstellung der anderen Fälle veranlasst. Diese konnten ihm nicht nachgewiesen werden.


Zuletzt in Buttenheim gewesen

Das Geständnis des Angeklagten führte unter anderem dazu, dass die Verhandlung vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts landete und nicht vor dem Landgericht. Das bedeutet weitaus geringere Strafen. "Das ist ein Entgegenkommen der Staatsanwaltschaft", erklärte Vorsitzende Richterin Marion Aman. Dieses Entgegenkommen beruht wohl auch auf einem kooperativen Verhalten des Mannes im Gefängnis: Er soll abseits seines Falls Angaben zu möglichen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz von Mithäftlingen gemacht haben.

Dass er vor Gericht steht, hat mit dem 22./23. Mai zu tun. In dieser Nacht ist der Thüringer in Buttenheim zugange. Zunächst bricht er rabiat in das Vereinsheim des FSV Phönix ein. Zufällig sei er zum Entschluss gekommen, dort einzusteigen. Mit einem Gullydeckel wirft er eine Scheibe ein, beschädigt die Kegelbahn im Vereinsheim dadurch massiv. Im Inneren kommt er zunächst nicht weiter. Eine Glastür zur Gaststube schmeißt der Täter mit den Kugeln der Kegelbahn ein. Doch hat er Pech: Er muss ohne Beute abziehen. Es gab nichts zu holen. Doch der Sachschaden im Sportheim beläuft sich auf fast 6500 Euro.


Besitzer war im Gebäude

Kurz darauf versucht der Mann es noch einmal woanders: Das Fensterglas am wenige Hundert Meter entfernten Löwenbräu-Keller klirrt. Der Mann durchsucht die Räume. Und hat noch mehr Pech: Der Besitzer, der im Gebäude wohnt, bekommt davon Wind und ruft sofort die Polizei. Die Beamten der Inspektion Bamberg-Land umstellen das Gebäude. Der mehrere Wochen dauernde Beutezug des Mannes ist abrupt zu Ende.

Dafür muss der 28-Jährige für weitere drei Jahre und acht Monate hinter Gitter. Das entschied das Schöffengericht am Ende der Verhandlung. Auch die Bewährungsstrafe, die der Mann noch offen hatte, wird widerrufen. Verteidiger Hans-Jochen Schrepfer hatte auf dreieinhalb Jahre plädiert: "Er hat schließlich die Verantwortung übernommen." Das sah die Vorsitzende Richterin genauso. Allerdings wisse der Angeklagte, dass er nicht zum ersten Mal vor Gericht stehe, das habe ihn jedoch nicht davon abgehalten, eine Diebstahlserie hinzulegen.

Demnächst wird der Verurteilte aus der Untersuchungshaft in die Strafhaft überstellt. Eine Bitte hatte er: Er wolle nicht so weit weg von seinen Großeltern unterkommen, die in Thüringen wohnen - sie seien die letzte soziale Bindung, die er noch habe.
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