Der erste Weg führte die Besucher gleich in den Keller. Noch original erhalten ist unter der Villa Wassermann der Tresorraum, in dem Vorfahren von Christine Gillieron-Wassermann und Richard Wallace einst das Vermögen ihrer Kunden aufbewahrten. Die Geldschränke und Schließfächer sind zwar längst leer - aber das Ganze hat für die Enkel von Ernst Wassermann, dessen Brüder Julius und Albert das Bamberger Bankhaus Wassermann einst betrieben haben, einen hohen ideellen Wert.

Das kleine jüdische Museum, das sie und das Berliner Ehepaar Gudrun und Jürgen Elmen im ehemaligen Tresorraum zu finden hofften, gibt es nicht. Noch nicht, wie Peter Braun ihnen erläuterte. Der Bamberger Autor kümmerte sich an Stelle der verhinderten Hausbesitzerin um die Gäste und berichtete, dass die Pläne für ein jedermann zugängliches Museum am Fluchtweg gescheitert seien, der nicht vorhanden ist. Es gebe aber immer noch die Absicht, den Tresorraum mit Erinnerungsstücken an die Familie Wassermann auszustatten und für
interessierte Gruppen auf Anfrage zugänglich zu machen.

Ganz besonderes Interesse führte nun Christine Gillieron-Wassermann und ihren Ehemann Jean-Marc Gillieron aus der Schweiz sowie Richard Wallace mit Frau Edith aus Südfrankreich nach Bamberg und in die Villa Wassermann am Schönleinsplatz. Organisiert hat das Treffen Gudrun Elmen aus Berlin, die mit den Wassermanns zwar nicht verwandt ist, über ihre Tätigkeit in einer Stolperstein-Initiative aber die weit verzweigte Geschichte der jüdischen Familie recherchiert und die Schweizerin kennen gelernt hat.

Seit 2010 gibt es in Berlin einen Stolperstein für Ilse Wassermann, die Großmutter von Christine und Richard. Sie war die Ehefrau von Ernst Wassermann und damit eine Schwägerin der beiden Bamberger Bankiers. Während die beiden Söhne von Ernst und Ilse Wassermann rechtzeitig vor den Nationalsozialisten aus Berlin nach Großbritannien und in die Schweiz entkommen waren, fielen Ilse und ihre Töchter Alice und Edith dem Holocaust zum Opfer.

Diesen drei Frauen möchten die Nachfahren und Gudrun Elmen gerne an der Villa Wassermann ein kleines Denkmal in Form von Stolpersteinen setzen. Es ist ihnen bei ihrem ersten Rundgang durch die Stadt aufgefallen, dass deren Namen auf keiner der Messingplatten auftaucht, mit denen auch in Bamberg an ermordete ehemalige Mitbürger jüdischen Glaubens erinnert wird.

Einen potenziellen Spender fanden die Spurensucher gleich in Wolfram Kohler, dem Geschäftsführer des Kolping-Bildungswerks. Dieses ist Mieter in der Villa Wassermann und lud die kleine Gesellschaft gestern zu einer Erfrischung ein. Sie wurde im ehemaligen Salon gereicht, einem Stuck verzierten und Licht durchfluteten Raum im ersten Stock. Man sei sehr froh, dass das Ehepaar Hochmuth das Haus gekauft und gerettet hat, sagte Wallace auch namens seiner Cousine Christine.

Wallace' Vater hieß übrigens Wassermann, bis er in die britische Armee eintrat. Er musste sich, wie sein Sohn berichtet, umbenennen, weil er mit seinem Familiennamen im Fall einer Festnahme während des Zweiten Weltkriegs doppelt gefährdet gewesen wäre. Von Wassermann hielten sich nur die beiden Anfangsbuchstaben. Nach dem Krieg blieb sein Vater in England und deshalb auch beim neuen Namen.

Der Holocaust ist schuld daran, dass kein Mitglied der Familie Wassermann mehr in Deutschland lebt. Verwandte sind laut Christine Gillieron-Wassermann heute auch in den USA und Kanada daheim.