Bamberg
Meinung

Asyl in Franken - Hetze und Hass Einhalt gebieten

Haltung zeigen. Gegen Fremdenfeindlichkeit. Gegen Hetze und Hass. Ein Kommentar unseres Chefredakteurs Frank Förtsch.
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Symbolfoto: Daniel Biscan
Symbolfoto: Daniel Biscan
Haltung zeigen. Gegen Fremdenfeindlichkeit. Gegen Hetze und Hass. Das fordert Anja Reschke unlängst in den Tagesthemen. Sie rüttelt die Republik auf, erfährt viel Zuspruch. Sie lockt damit aber auch die Geister, die sie rief. In sozialen Netzwerken ergießt sich einer Shitstorm über die Kommentatorin. Reschke wird als "Antifa-Nigger-Zigeunerhure" betitelt. "Verbrennt die Alte" ist an anderer Stelle zu lesen.

Ihr, Reschkes Problem? Ein klares "Nein"! Die Geister sind da. Sie haben geschlummert. Die Flüchtlingswelle weckt sie. Sie sind inzwischen hellwach. - Das muss nun Deutschland wachrütteln. Die Republik verändert sich gerade. Bedrohlich. Weltoffenheit, Toleranz - Werte, die wir gerne für uns reklamieren - werden überschattet, überlagert, teils verdrängt von Hass, Hetze und Fremdenfeindlichkeit.

Die Diskussion über Flüchtlinge nimmt eine Form an, die nicht mehr akzeptabel ist. Unverblümt wird inzwischen mit Klarnamen das Ertrinken von Menschen im Mittelmeer beklatscht, gegen Menschen anderer Herkunft oder anderer Meinung gehetzt. Dieses gefährliche Feuer in sozialen Netzwerken weitet sich zum verbalen Flächenbrand aus.

Soziale Netze, das World Wide Web. Weit weg? - Vereinzelte Ver(w)irrte? Auch hier ein deutliches "Nein"! Das dumm-dreiste Krakeelen ermutigt. Es steckt an. Auch in Franken. Mit der Entscheidung Bayerns, ein Aufnahme- und Rückführungszentrum für Flüchtlinge aus den Balkanstaaten in Bamberg zu errichten, steigt auch der Hass- und Hetzfaktor auf den digitalen Kanälen unserer Zeitungstitel. Vier Mal so viele Beiträge wie sonst üblich überschreiten nicht nur die Grenzen des guten Geschmacks.


Die große Mehrheit argumentiert konstruktiv

Das ist eine Seite der Medaille. Es gibt eine zweite. Diese macht dann wieder Mut. Die große Mehrheit der Kommentatoren setzt sich sehr intensiv mit dieser Weichenstellung auseinander. Konstruktiv. Nachvollziehbar teils auch kritisch. Mehr noch: ein Teil der Autoren weist Verirrte in die Schranken. Ein erster, ab und an noch zu zaghafter Ansatz, Hetze und Hass Einhalt zu gebieten. Dieser muss noch viel energischer werden. Und: Er kann nicht nur von den Bürgern getragen werden.

Im Oktober 2000 hat Bundeskanzler Schröder nach einem Brandanschlag auf die Düsseldorfer Synagoge zu einem "Aufstand der Anständigen" aufgerufen. Einen ersten Anlauf in eine vergleichbare Richtung hat Kanzlerin Merkel am Sonntagabend im ZDF-Sommerinterview unternommen. Sie hat erkannt: Die Politik muss Lösungen für die Flüchtlingsproblematik aufzeigen. Sorgen nehmen. Position beziehen. Klare Worte in unmissverständlicher Sprache sind angesagt. Auch gegen die Geister, die wir nicht gerufen haben.

Wenn nämlich der verbale Flächenbrand - wie nun geschehen - tatsächlich Feuer schürt, dann wird die nächste rote Linie überschritten: In Jamel in Mecklenburg brennt die Scheune eines Ehepaares, das sich seit vielen Jahren gegen rechtsextreme Umtriebe in dem Ort positioniert. Die Polizei geht von Brandstiftung aus. Es ist Feuer unter dem Dach der Republik.
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