Bamberg
Kriminelle Vereinigung

Anklage gegen Neonazis aus Bamberg: Eng vernetzt in der Szene

Die Staatsanwaltschaft Bamberg wirft vier Neonazis aus der Region vor, beim Aufbau einer bundesweit agierenden, gewaltbereiten Gruppe mitgeholfen zu haben
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Am 21. Oktober 2015 führte die Polizei mit Unterstützung von Spezialeinheiten in verschiedenen Wohnungen in Bamberg Razzien durch. Im Zuge der Durchsuchungen wurden mehrere Neonazis verhaftet.  Foto: News5/Herse
Am 21. Oktober 2015 führte die Polizei mit Unterstützung von Spezialeinheiten in verschiedenen Wohnungen in Bamberg Razzien durch. Im Zuge der Durchsuchungen wurden mehrere Neonazis verhaftet. Foto: News5/Herse
Die vier Neonazis gegen die die Staatsanwaltschaft Bamberg Anklage wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung erhebt, sind offenbar tief in der rechtsextremen Szene in Deutschland verwoben. "Im Kern geht es um die Gründung der Weisse Wölfe Terrorcrew in Bamberg", sagt Oberstaatsanwalt Christopher Rosenbusch über die Straftat, die den Beschuldigten vorgeworfen wird. Sie sollen ab Anfang 2015 versucht haben, das bundesweit agierende rechtsextremistische Netzwerk zu etablieren.

Die "Weisse Wölfe Terrorcrew" (WWT) wurde im März diesen Jahres von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) verboten. Die Bewegung berufe sich offen auf die Werte des Nationalsozialismus und habe geplant, "mit allen Mitteln" durch Hetze und Gewalt eine Diktatur nach dem Vorbild der Hitler-Diktatur errichten. Grundlage des umfassenden Verbots dieser Gruppierung waren die Razzien der Bamberger Ermittler im Herbst 2015.
Damals wurde umfangreiches Propagandamaterial, aber auch zwei Kugelbomben, zahlreiche Säbel und eine scharfe Waffe mit Munition bei der Durchsuchung in den Wohnungen der 13 Verdächtigen gefunden.

Im Visier der Fahnder waren auch die vier Hauptbeschuldigten, die aus der Stadt und dem Landkreis Bamberg kommen. Drei von ihnen sitzen derzeit in Untersuchungshaft, sollen wesentlich für den Aufbau des Netzwerks in Bamberg verantwortlich sein. Entsprechende Beweise habe die Staatsanwaltschaft sichergestellt.

Nach Auskunft der Ermittlungsbehörde sind die Verbindungen kompliziert und personelle Überschneidungen zu anderen Gruppierungen vorhanden, weshalb die Ermittlungen auch so langwierig seien. Die vier Beschuldigten stünden unter anderem in enger Verbindung zum Bamberger Kreisverband der neonazistischen Partei "Die Rechte".

Unter den Hauptangeklagten aus der Region befinden sich neben drei Männern im Alter von 22, 24 und 30 Jahren auch eine 37 Jahre alte Frau. Bei ihr soll es sich nach Informationen dieser Zeitung um die Vorsitzende des Bamberger Kreisverbands von "Die Rechte" handeln.

Philipp Hasselbach, einer der führenden Köpfe der neonazistischen Partei in Bayern, zeigte sich unmittelbar nach den Razzien und der Festnahme der Verdächtigen solidarisch mit den "Kameraden". Ein weiterer Beweis der engen Verflechtung der Partei "Die Rechte" mit gewaltbereiten Neonazis. Im Übrigen berichtete der bayerische Verfassungsschutz, dass die Partei sich aus der Hooligan-Szene und der ehemaligen Nügida-Bewegung in Nürnberg speist.

Die Bamberger Hauptverdächtigen sollen einen Anschlag auf die damalige Ankunfts- und Rückführungseinrichtung in Bamberg geplant gehabt haben. Zum Einsatz hätten die Kugelbomben kommen sollen. Darüber hinaus sei ein Angriff auf das Café Balthasar geplant gewesen.

Das Lokal des studentischen Vereins Asta, in dem immer wieder auch linke Veranstaltungen stattfinden, war bereits Ziel der Rechtsextremen. Bei einem Anti-Rassismus-Festival im Sommer 2015 hatten fünf vermummte Neonazis zu einem Angriff auf das Café angesetzt, doch die Polizei konnte Schlimmeres verhindern. Die Täter sind dafür bereits verurteilt worden.Einer davon zu eineinhalb Jahren Haft auf Bewährung. Es soll sich um einen der Hauptverdächtigen handeln.


Lange Haftstrafen drohen

Den Rädelsführern der gewaltbereiten WWT-Gruppe drohen nun lange Haftstrafen. Sollten sich die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft belegen lassen, könnten die Richter die Hauptbeschuldigten zu Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren verurteilen. Ein Verhandlungstermin ist laut Auskunft des Landgerichts Bamberg derzeit aber noch nicht anberaumt.

Gegen weitere neun Personen aus dem rechtsextremen Milieu laufen bei der Staatsanwaltschaft Bamberg ebenso Ermittlungen wegen unterschiedlichster Straftaten.


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