Bamberg
Kunst

Am Ruhm zerbrach die Ehe der Professorin aus Bamberg

Die Bamberger Barockmalerin Catharina Treu machte mit ihren Stillleben eine internationale Karriere und war eine der ersten Professorinnen Deutschlands an einer Kunstakademie. Doch der Erfolg zerstörte ihre Ehe.
Artikel drucken Artikel einbetten
Dieses Gemälde im Besitz der Stadt Bamberg ist eine Gemeinschaftsarbeit von Catharina Treu und ihrem Bruder Nicolaus 1771: Er schuf das Porträt der Schwester, sie malte den Früchtekorb. Foto: Museen der Stadt Bamberg
Dieses Gemälde im Besitz der Stadt Bamberg ist eine Gemeinschaftsarbeit von Catharina Treu und ihrem Bruder Nicolaus 1771: Er schuf das Porträt der Schwester, sie malte den Früchtekorb. Foto: Museen der Stadt Bamberg
+3 Bilder
Auf dem silbernen Tafelaufsatz türmen sich Trauben, Pfirsiche und Erdbeeren, aus dem Weidenkorb purzeln Äpfel, Nüsse und eine Melone. Zum Anbeißen - fand wohl auch Kunsthistoriker Gurlitt und verleibte die beiden prachtvollen Gemälde der Bamberger Malerin Catharina Treu seiner Sammlung ein, die auf spektakuläre Weise Ende 2013 in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rückte. Die 94 mal 76 Zentimeter großen Ölbilder aus dem 18. Jahrhundert sind jetzt zusammen mit über 450 anderen Objekten unter dem Stichwort "Schwabinger Kunstfund" auf der Internet-Seite des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste aufgelistet. Gerichte werden entscheiden, ob sie einmal in einem Museum oder bei einem Privatsammler landen.

Catharina Treu gilt als eine Meisterin ihres Fachs: Kardinäle und Kurfürsten gehörten zu ihren Kunden, Händler vermittelten ihre Werke nach Italien und England, und auch der Zar ließ Gemälde nach Russland liefern. Privat konnten nur "die reichsten Kunstfreunde" einzelne Bilder "um hohe Preise erlangen", schrieb Joachim Heinrich Jäck in seinem Buch "Leben und Werke der Künstler Bambergs" 1821. Spezialisiert hatte sich die Bambergerin auf Stillleben, von denen einige über Schenkungen von Catharinas Neffen Joseph Hemmerlein bzw. des königlichen Leibarztes Johann Lukas Schönlein in den Besitz der Stadt Bamberg gelangt sind.


Symbol der Vergänglichkeit

Schon in der Antike wurden mit Naturalien und Blumen gedeckte Tische auf Mosaiken abgebildet, doch erst im Barock zwischen 1600 und 1770 gelangte das Stillleben als eigene Gattung zu voller Blüte. Die prallen, zum Teil schon überreifen Früchte gelten als ein Symbol für die Vergänglichkeit und stehen im krassen Gegensatz zu den prunkvollen Tellern und Tafelaufsätzen, die für den angehäuften Reichtum stehen. Auch verborgene sexuelle Anspielungen können in manchen Darstellungen liegen.

Als sich die am 21. Mai 1743 geborene Catharina Treu mit dem Thema beschäftigte, war dieses Genre also längst nichts Neues, erfreute sich aber immer noch großer Beliebtheit, wie die Bamberger Museumsdirektorin Regina Hanemann zu berichten weiß. "Der Clou in diesen Stillleben liegt darin, dass die Früchte nicht nach ihrer tatsächlichen Erntezeit, sondern frei nach ästhetischen Gesichtspunkten zusammengestellt sind", sagt Hanemann. Sie hat sich in mehreren Aufsätzen mit der Geschichte der Familie Treu befasst und plant in naher Zukunft eine Ausstellung zu diesem Thema.


Früh übt sich...

Catharina, das aufgeweckte Nesthäkchen des Bamberger Hofmalers Marquard Treu und seiner Ehefrau Catharina, die ebenfalls Malerin gewesen ist, eiferte den Eltern schon seit ihrem zehnten Lebensjahr nach und war damit früher dran als ihre vier älteren Geschwister. Ihre Passion galt den Insekten, dem Obst, Gemüse und den Blumen. Über einen befreundeten Wachszieher gelangten einige Bilder in die Hände des in Bruchsal residierenden Fürstbischofs Franz von Hutten, der daraufhin seltene Früchte aus Italien nach Bamberg schickte und bei Catharina Abbildungen davon bestellte. Das 1764 in seinem Auftrag gefertigte Gemälde "Früchtestillleben mit Straußenei-Becher" gilt als die früheste erhaltene Arbeit der Malerin.


Talentiert und geschäftstüchtig

"Dass sie bereits in so jungen Jahren in den Diensten eines der mächtigsten Männer Süddeutschlands steht, lässt darauf schließen, dass das künstlerische Talent der jungen Frau schon sehr ausgeprägt war", schreibt Gabriele Thölken in ihrer in den Schriften des Historischen Vereins Bamberg veröffentlichten Magisterarbeit über Catharina Treu. Die Historikerin attestiert der Malerin neben ihrem Können aber auch eine "gewisse Geschäftstüchtigkeit", denn Stillleben im Stil der alten niederländischen Meister des 17. Jahrhunderts seien damals außerordentlich populär gewesen. Am Arbeitsplatz ihres Vaters, der Gemäldegalerie der Familie Schönborn in Pommersfelden, konnte Catharina das Genre ebenso studieren wie an der neuen Düsseldorfer Akademie, wo Fürstbischof Franz von Hutten sie und ihren Bruder Christoph ausbilden ließ. Auf Vermittlung ihres Mäzens wurde Catharina schließlich an den Hof des pfälzischen Kurfürsten Carl Theodor berufen und 1769 zur Kabinettmalerin ernannt.


Eine der ersten Kunst-Professorinnen

Catharina erhielt neben dem üppigen Jahresgehalt von 800 Gulden weitreichende Privilegien: Sie hatte Zugang zum Kurfürstlichen Naturalienkabinett, wo sie präparierte Tiere, Mineralien oder exotische Muscheln für ihre Bilder ausleihen konnte, und durfte Privat-Aufträge aus dem gehobenen Bürgertum und dem Adel annehmen. Als Catharina Treu 1776 zur Professorin an der Kunstakademie Düsseldorf ernannt wurde und auch ausbilden durfte, war sie eine der ersten Frauen in Deutschland, denen diese Ehre zuteil wurde. "Es war alles andere als selbstverständlich, im 18. Jahrhundert eine Frau in einer solchen Position zu sehen", bescheinigt Museumsleiterin Regina Hanemann. Als Kurfürst Carl Theodor durch Erbfolge seine Residenz von Mannheim nach München verlegen musste, folgte Catharina Treu ihrem Gönner nicht - warum ist bislang nicht geklärt. Trotzdem genoss sie nach wie vor die Gunst ihres Arbeitgebers.


Berufstätig und alleinerziehend

Im Privatleben ist die Künstlerin freilich weniger erfolgreich: Die 1781 eingegangene Ehe mit dem acht Jahre jüngeren, wohlhabenden Hofbauern Jacob König aus Schwetzingen wird nicht glücklich - vielleicht spielt die unterschiedliche Konfession der Eheleute eine Rolle (Catharina war katholisch, ihr Mann evangelisch), vielleicht die Eifersucht auf die Karriere der Frau. Zwar kommt Tochter Franziska 1783 zur Welt, doch schon ein Jahr später verlässt Catharina - wieder hochschwanger - ihren Gatten. Der Streit um die Finanzen geht sogar vor Gericht - eine Trennung ist unausweichlich, auch wenn eine Scheidung wohl nicht erfolgt ist. Tatsache aber ist: Fortan muss Catharina für ihre beiden Töchter alleine sorgen.

Die nächsten Jahre bringen weiteres persönliches Leid: Die Eltern und drei ihrer vier Geschwister sterben, ebenso ihr wichtigster Mäzen und Dienstherr Carl Theodor. Auch das politische Klima ist explosiv: Im Zuge der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Preußen, Österreich und Frankreich wird Mannheim fast vollständig zerstört; Catharina Treu verliert Haus und Vermögen. Sie treibe sich in der Stadt herum aus Kummer, weil "kein Mensch ihre Werke begehrt", notiert der kurfürstliche Hofbibliothekar. Erst 1803 erholt sie sich finanziell, als ihre Besoldung aus der Kurfürstlichen Generalkasse wieder aufgenommen wird. Am 11. Oktober 1811 stirbt Catharina Treu in Mannheim im Alter von 68 Jahren, ihre beiden Töchter kehren später nach Bamberg zurück.
Zahlreiche Bilder der Künstlerin befinden sich in Museen und im Privatbesitz im In- und Ausland.


Freier Eintritt am Museumstag

Catharina Treus Gemälde, die sich im Besitz der Stadt Bamberg befinden, und weitere Bilder ihrer Brüder Nico laus und Christoph sind im Historischen Museum in der Alten Hofhaltung auf dem Domberg ausgestellt. Zum Internationalen Museumstag am Sonntag, 17. Mai, ist der Eintritt von 9 bis 18 Uhr frei. Das gilt auch für die Prunkräume der Neuen Residenz, in denen ebenfalls Gemälde und Supraporten der Familie Treu zu sehen sind.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren