Frische Brötchen aus einer Filiale der Bäckerei Gramss sind ab morgen Geschichte. Die Produktionsstätte in Meerane (Sachsen) stelle zum Wochenende die Arbeit ein, teilte eine Sprecherin des zuständigen Insolvenzverwalters Christian Heintze mit. Von Meerane aus waren die noch verbliebenen Läden der in Bamberg ansässigen Bäckerei-Kette beliefert worden.

Der Backwaren-Filialist hatte Mitte November für fünf seiner Gesellschaften einen Antrag auf Insolvenz gestellt. An diesen Firmen, die Namen wie "Annas täglich Brot" und "Tante Annas Backstuben" tragen, hing das gesamte Filialgeschäft - 80 Verkaufsstellen in Nordbayern, Thüringen und Sachsen.
445 Beschäftigte waren von der Insolvenz betroffen. Wie viele jetzt noch um ihre Arbeit bangen, ist unklar. Denn so unübersichtlich wie die Firmenstruktur der Gramss-Gruppe ist auch das Insolvenzverfahren. Jede der Gesellschaften hat einen eigenen Insolvenzverwalter, der sich naturgemäß zunächst nur um die von ihm betreute Firma kümmert. "Die Aufteilung der Filialen war chaotisch organisiert", sagte Christoph Alexander Jacobi, Insolvenzverwalter der Brot & Co. GmbH & Co. KG. Es sei unklar, warum so viele GmbHs gegründet wurden. "Da kann sich eigentlich nur der Steuerberater gefreut haben, wegen der Jahresabschlüsse", meinte Jacobi.
Der Insolvenzverwalter aus Chemnitz geht davon aus, dass er bei der Brot & Co. in Kürze zwölf der 15 Filialen verkauft haben wird - an neun verschiedene neue Eigentümer. "Gramss steht dann nicht mehr dran an den Läden", stellte er klar. Für die Beschäftigten sei es eine aufreibende Situation. "Ich hoffe, dass die neuen Eigentümer einen wesentlichen Teil der Belegschaft übernehmen werden", sagte Jacobi. Er habe schon einige Übernahmeverträge unterschrieben. Viele der Mitarbeiter hätten aber vor Wochen selbst gekündigt.


Frustrierte Mitarbeiter



Das ist aus Sicht der Beschäftigten kein Wunder. "Das Kommunikationsproblem, das wir schon mit Herrn Gramss gehabt haben, hat sich mit den Insolvenzverwaltern fortgesetzt", berichtete eine ehemalige Bamberger Gramss-Mitarbeiterin.
Unternehmens-Chef Gerhard Gramss stand unserer Zeitung auch gestern nicht für Fragen zur Verfügung. In einer Mitteilung gab er an, die Entwicklung für den sächsischen Produktionsstandort in Meerane "macht uns sehr betroffen".
In Meerane erhalten laut Insolvenzverwalter Heintze alle der rund 70 Mitarbeiter eine Kündigung. Hoffen und Bangen heißt es dagegen bei den Verkaufsstellen. Insgesamt werden wohl zwei Drittel der Läden von anderen Betreibern fortgeführt, sagte Insolvenzverwalter Jacobi. "Es gab keinen Kaufinteressenten, der das Gesamtkonstrukt übernehmen wollte."
Für die in Bamberg ansässige und ebenfalls insolvente GBB Backhaus KG schaut es dagegen besser aus. Nach Informationen unserer Zeitung laufen hier Gespräche mit einem Investor. Die GBB produziert nach wie vor für das verbliebene Standbein der Gramss-Gruppe: Tiefkühlprodukte, vor allem für Discounter.
Matthias Litzlfelder