Vor einem Jahr hatte der bayerische Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Helmut Brunner MdL, dem Scheßlitzer Bauerntag noch aus gesundheitlichen Gründen entsagen müssen. Diesen Auftritt holte der CSU-Politiker aus Niederbayern nun in der TSV-Halle nach und konnte die Gewissheit mit nach Hause nehmen, dass die Bauern mit seiner Politik durchaus zufrieden sind. Applaus erhielt er vor allem für die Kritik an Vorstellungen der Europäischen Union, mit dem Beginn der neuen Förderperiode zum 1. Januar 2014 "aus ökologischen Gründen Flächen mutwillig aus der Produktion zu nehmen". Die Bauern seien in Zeiten der Energiewende zu sehr auf Flächen angewiesen, um sich den Verlust guter Böden leisten zu können.

Nach den Turbulenzen der vergangenen Jahre mit Preisverfall von der Milch bis zum Schweinefleisch gab es heuer kein Thema, an dem sich beim Scheßlitzer Bauerntag nennenswerter Protest entzündet hätte. Dazu trug auch ein ebenso kompetenter wie souveräner Hauptakteur in Gestalt des Landwirtschaftsministers bei. Grund zum Jubeln besteht dennoch nicht: Die Erzeugerpreise bezeichnete Brunner als "angemessen, nicht gut" - eine Aussage, für die er keinen Widerspruch erntete. Denn auch die Produktionskosten seien gestiegen, aber, so Brunner: "Der Trend geht in die richtige Richtung". Das gelte sogar für den "Schweinesektor".

Vielleicht haben die negativen Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte dazu geführt, dass die Landwirte professioneller geworden sind. Marktkompetenz, Innovation und Investition hätten sich als Voraussetzungen für einen modernen landwirtschaftlichen Betrieb durchgesetzt. Dennoch, und auch das freute den Gast aus München, der nach eigener Aussage "mit seinem Freund Heinrich Rudrof seit 1994 Politik für den ländlichen Raum betreibt", werde auch die Tradition hochgehalten - der Scheßlitzer Bauerntag sei dafür ein sehr gutes Beispiel.
Das gestiegene Interesse an landwirtschaftlichen Produkten aus Bayern habe sich bei der Grünen Woche in Berlin gezeigt, fuhr Brunner fort. Bei der weltgrößten Verbrauchermesse habe man sehen dürfen, dass Nahrungsmittel aus dem Freistaat weltweit geschätzt werden. Im vergangenen Jahr wurde die landwirtschaftliche Produktion um elf Prozent gesteigert, bei Selbstversorgungsraten von 130 bis über 200 Prozent sein man aber auch auf den Weltmarkt angewiesen. "Trotz aller High-Tech-Unternehmen ist Bayern ein bedeutendes Agrarland geblieben", so Brunner.


Familienbetrieb hat Zukunft



Zustimmung erntete der bayerische Landwirtschaftsminister für seine Aussage, am Zwei-Säulen-Prinzip bei den Ausgleichszahlungen mit dem Beginn der neuen Förderperiode nicht rütteln zu lassen. Weiterhin solle es direkte Zahlungen aus Brüssel und - als zweite Säule - spezifische Vergütungen zum Beispiel für nachwachsender Rohstoffe geben. Dabei müsse man die sehr unterschiedlichen Agrar-Strukturen in den EU-Staaten berücksichtigen. "Wenn wir den Fortschritt nutzen, anpassungs- und leistungsfähig sind, dann ist der Familienbetrieb zukunftsfähig. Wahren wir Attraktivität und Vielfalt", schloss Brunner seine Rede, die mit großem Applaus bedacht wurde.

Der stellvertretende Präsident des Bauernverbandes Oberfranken, Hermann Greif aus Forchheim, warnte ebenfalls vor "fünf bis sieben Prozent eiskalter Flächenstilllegung" durch die Festschreibung ökologischer Ausgleichsflächen. Für die neue zehnjährige Förderperiode sei der Begriff des "aktiven Landwirtes" noch zu definieren. Der Bamberger Kreisobmann des Bauernverbandes, Heiner Faatz, warnte vor neuen Überkapazitäten bei der Milcherzeugung. "Wir müssen aufpassen beim Milchgeld", das derzeit in einem gerade noch akzeptablen Rahmen liege. Bei der Verpachtung von Flächen zur Energieerzeugung müsse der Grundsatz gelten: "Energiemix - ohne Bauern geht nix".


Herausforderung und Chance



Der Zweite Bürgermeister der Stadt Scheßlitz, Roland Kauper (CSU), freute sich, dass der "Bauerntag" eine gute Tradition geworden sei. Die Nutzung von Wind und Sonne zur Energieerzeugung solle "mit Maß und Ziel" erfolgen. "Wir dürfen nicht die ganze Landschaft verändern." Landrat Günther Denzler wünschte den Bauern viel Erfolg und dankte für den Einsatz um Nahrungsmittel und Kulturlandschaft. MdL Heinrich Rudrof wies auf die gravierenden Veränderungen im ländlichen Raum hin und mahnte, dies "ebenso als Herausforderung wie als Chance zu sehen". Den Ausbau der regenerativen Energien solle man "mit viel Fingerspitzengefühl" angehen.