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Breitengüßbach
Grabung

ICE-Baustelle bei Breitengüßbach: Älteste Brauerei Bayerns entdeckt

Bei den Bauarbeiten für die Bahn stießen Arbeiter bei Breitengüßbach auf eine historische Braustätte. Ein 1000 Jahre altes Fass Bier wird heute angezapft.
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Bahnmitarbeiter und Archäologen betrachten die gut gesicherte Grabungsstelle zwischen Unteroberndorf und Ebing. Foto: privat
Bahnmitarbeiter und Archäologen betrachten die gut gesicherte Grabungsstelle zwischen Unteroberndorf und Ebing. Foto: privat
Auch das noch: Erst haben die Bamberger mit ihrem Reinheitsgebot von 1489 den Bayern die Jubiläumssuppe versalzen, und nun wurde im Landkreis Bamberg die älteste Brauerei - nicht nur Frankens, sondern - ganz Bayerns entdeckt. Bei den Bauarbeiten der Bahn im Maintal stießen Arbeiter auf die gut erhaltenen Mauern einer Brauerei samt Sudkessel und mehreren - offenbar noch gefüllten - Bierfässern.

Die Entdeckung wurde bereits Ende Februar bei Gründungsarbeiten für das Überwerfungsbauwerk bei Unteroberndorf gemacht. Bisher haben Bahn und Archäologen Stillschweigen über den Fund bewahrt, der die bayerische Biergeschichte revolutionieren und endgültig zu einer fränkischen machen könnte. Denn die Brauerei ist offenbar so gut erhalten, dass sie nach einigen sorgfältigen Sanierungsmaßnahmen wieder in Betrieb gehen könnte, sagen Denkmalpfleger.

Archäologen vermuten, dass die Brauerei bei einem Jahrtausendhochwasser, vermutlich dem Magdalenenhochwasser vom Juli 1342, in den Schlammfluten des Mains versank. Der dicken Schlammschicht sei auch der hervorragende Konservierungszustand zu verdanken.

Mit einer Wiederinbetriebnahme wäre die Brauerei älter als die des Klosters Weltenburg, die seit dem Jahr 1050 belegt ist, und auch als die bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan, die angeblich schon 1040 als Klosterbrauerei die Benediktiner mit Bier versorgt haben soll. Denn auf einem der Fässer sei die Jahreszahl 1016 noch zu erkennen, heißt es.

Landrat Johann Kalb (CSU) soll inzwischen angeordnet haben, den Sud des aktuellen Landkreisbieres "Jubelbock" wegzuschütten und stattdessen bereits am heutigen Freitag um Punkt 12 Uhr mittags auf der Giechburg das 1000-jährige Fass anzuzapfen.


Altbayerische Querschüsse

Ob allerdings die Brauereiträume des Bamberger Landrats von einer Landkreisbrauerei, die gleichzeitig die älteste der Welt ist, aufgehen, darum wird noch politisch bis hoch nach Berlin gerungen. Angeblich hat der aus Oberbayern stammende Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) bereits eine Anweisung an die Bahn erlassen, mit dem Bau der ICE-Trasse unverzüglich und wie geplant fortzufahren. Spekuliert wird nun, dass Dobrindt - entweder auf eigene Faust, oder gar auf Drängen aus der Staatskanzlei - so entschieden hat, um das bayerische Reinheitsgebotsjubiläum (500 Jahre am 23. April) nicht zu gefährden.

Aus Franken verlautet derweil, man wolle sich diese erneute bayerische Bevormundung nicht gefallen lassen. Und egal ob die Brauerei - mit je einem Ausschank an den Bahnhaltepunkten Breitengüßbach und Ebing - demnächst wiedereröffnet, oder doch vom Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8 (VDE8) untergraben wird, ist die fränkische Bierkultur nun nachweislich älter als die bayerische.

Wie ein Experte im Gespräch mit inFranken.de äußerte, ist die Brautradition an dieser Stelle vermutlich noch weit älter als 1000 Jahre. "Wahrscheinlich wurde hier schon die Cervisia gebraut, mit der sich die Kelten auf dem Weg zwischen Staffelberg und Walberla stärkten."

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