Bamberg
Helfernetz

Adam Fischer hat ein Hobby mit viel Verantwortung

Adam Fischer engagiert sich seit neun Jahren beim THW in Bamberg. Dabei kutschiert er auch schon mal einen Wal quer durch Deutschland.
Artikel drucken Artikel einbetten
Vor drei Jahren war Adam Fischer in Passau im Einsatz.Foto: Privat
Vor drei Jahren war Adam Fischer in Passau im Einsatz.Foto: Privat
+22 Bilder
Eigentlich wollte Adam Fischer mit seinem Beitritt zum Technischen Hilfswerk Bamberg (THW) nur der Wehrpflicht entgehen. Jetzt sind neun Jahre vergangen und er ist immer noch dabei. Für das THW hat sich der 27-Jährige damals entschieden, weil es die einzige Bamberger Einrichtung war, die viel mit Technik zu tun hatte, für die sich Wehrpflichtige ersatzweise verpflichten konnten. Er erklärt: "Ich hab's eben nicht so mit Pflaster kleben".

Später studierte Fischer Elektrotechnik und stieg in einen Beruf ein, während er sich nebenbei immer noch für das THW engagierte. "Ich fühle mich beim THW einfach wohl. Das kameradschaftliche Miteinander gefällt mir am besten. Man lernt bei den Einsätzen viele Leute kennen und hat auch danach noch Kontakt zueinander. Die Einsätze verbinden miteinander."


Regelmäßige Übungen

Ein Einsatz im vergangenen Jahr war für Fischer ein besonderes Erlebnis. In Feldkirchen bei Straubing wurde innerhalb kürzester Zeit ein riesiges Zeltlager für 5000 Flüchtlinge errichtet. Aus ganz Deutschland kamen Helfer zusammen. Gemeinsam bauten sie eine Woche lang Zelte und Abtrennungen auf.

Bei einem weiteren Großeinsatz war der Staffelbacher vor drei Jahren in Passau gefordert. Eine ganze Woche lang war das THW nach dem Hochwasser mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Fischer half mit, die Straßen vom Schlamm zu befreien, den kaputten Unrat der Einwohner zu beseitigen und diverse Keller auszupumpen. Neben solchen Großeinsätzen in ganz Deutschland gibt es auch hier in der Region viel zu erledigen: abgeknickte Strommasten wieder aufstellen oder einsturzgefährdete Häuser stabilisieren.

Die Einsätze sind aber nur eine Seite des THW-Ehrenamtes. Die andere Seite besteht nämlich aus Übungen und Theorie-Unterricht. In einem Raum des THW-Gebäudes in Bamberg hängen von den Freiwilligen selbstbeschriebene Tafeln und Plakate. Hier wird regelmäßig Unterricht gehalten. Die oft mehrere Tage dauernden Praxis-Übungen finden außerhalb des Gebäudes statt. Anfang des Jahres gab es eine mehrtägige Übung in Eltmann, bei der nicht nur die Helfer aus Bamberg sondern auch Kollegen aus anderen bayerischen Städten wie Nürnberg teilnahmen. Unter dem Namen "Blauer Waschbär" wurde ein Hochwasser-Einsatz simuliert. Die Teilnehmer mussten ein Camp aufbauen und sich durch Boote fortbewegen. Am nächsten Tag wurde die Lage gecheckt: vermisste Personen wurden gesucht und Trümmer geborgen.

Bevor ein Ehrenamtlicher überhaupt zu Einsätzen ausrücken darf, muss er erst die Grundausbildung absolvieren. Diese dauert etwa ein dreiviertel Jahr. Darauf folgt die Fachausbildung für einen bestimmten Bereich, zum Beispiel für die Gruppe "Wassergefahren". Die verschiedenen Fachgruppen sind überall in Deutschland verteilt, damit die für bestimmte Einsätze benötigten Helfer leicht zusammengeführt werden können.


Gut vereinbar mit dem Beruf

Es scheint, als ob die ehrenamtliche Tätigkeit viel Zeit in Anspruch nimmt. Adam Fischer kann das nicht bestätigen: "Mit meinem Beruf lässt sich das sehr gut vereinbaren. Es ist ja auch nicht so, als ob ich immer überall mit muss, das kann ich selbst für mich bestimmen. Klar kann es sein, dass ich kurzfristig zu einem einwöchigen Einsatz gerufen werde, wie bei der Sache in Feldkirchen, aber die meisten Chefs haben da Verständnis für." Öffentlichkeitsbeauftragte Nancy Seliger fügt hinzu:"Tatsächlich sind die Arbeitgeber gesetzlich dazu verpflichtet, ihre Angestellten für diesen Zweck freizustellen. Außerdem wird der entfallene Lohn vom THW erstattet."

Nicht alle Einsätze sind kurzfristig. Es gibt auch welche, die geplant waren. Ein Beispiel dafür erwähnt Adam Fischer ganz am Rande. Er wird nämlich am Wochenende zusammen mit einem anderen Helfer einen acht Meter langen Wal auf einem Tieflader nach Berlin transportieren. Es handelt sich dabei um einen mit reflektierenden Plastikteilen bestückten Metall-Wal, welcher schon bei "Kronach leuchtet" zu sehen war. Dieses Mal wird der Wal seinen Auftritt beim fünften Bürgerfest in Schloss Bellevue haben. Da das THW eine staatliche Einrichtung ist, kann es schon mal sein, dass solche Transporte getätigt werden. Für Adam Fischer ganz normaler Alltag beim THW.


Helfernetz Bayern

Das Technische Hilfswerk (THW) gehört zusammen mit weiteren Einsatzorganisationen im Katastrophenschutz - dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), dem Bayerischen Roten Kreuz (BRK), der Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH), dem Malteser-Hilfsdienst (MHD), der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sowie dem Medizinischen Katastrophen-Hilfswerk (MHW) - zum "Helfernetz Bayern". Die zusammengeschlossenen Verbände versuchen gemeinsam ehrenamtlichen Nachwuchs anzulocken. Um darauf öffentlich aufmerksam zu machen, wurde jüngst eine bronzefarbene Helferstatue auf dem Maxplatz enthüllt. Weitere Informationen zu der Aktion gibt es auf www.helfernetz.bayern.


was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren