Würgau

A70 bei Würgau: Rettungskräfte haben Probleme mit Geisterfahrern

An der Baustelle Würgauer Hangbrücke zeigt sich die ganze Ignoranz der Verkehrsteilnehmer: Bei Staus wenden manche Autofahrer einfach.
Artikel drucken Artikel einbetten
Wer hat hier einen Fehler gemacht? Einsatzkräfte der Feuerwehr Scheßlitz müssen den Weg frei für Autofahrer machen, die entgegen der Fahrtrichtung die A 70 an der Ausfahrt Scheßlitz befahren. "Es käme niemand auf die Idee, auf der Autobahn zu wenden", dachte Feuerwehrkommandant Claus Freudensprung davor. Doch sollte er sich täuschen. Die Falschfahrer zeigten auch noch großes Unverständnis.  Foto: Feuerwehr Scheßlitz
Wer hat hier einen Fehler gemacht? Einsatzkräfte der Feuerwehr Scheßlitz müssen den Weg frei für Autofahrer machen, die entgegen der Fahrtrichtung die A 70 an der Ausfahrt Scheßlitz befahren. "Es käme niemand auf die Idee, auf der Autobahn zu wenden", dachte Feuerwehrkommandant Claus Freudensprung davor. Doch sollte er sich täuschen. Die Falschfahrer zeigten auch noch großes Unverständnis. Foto: Feuerwehr Scheßlitz
Es laufen bereits 14 Anzeigen und einige könnten noch folgen. Mindestens so viele Autofahrer haben ihr Fahrzeug eigenmächtig auf der Autobahn gewendet und sind auf dem Standstreifen zurück zur Ausfahrt gefahren. Das klingt wahnsinnig. Es entspricht aber der Wirklichkeit: Die Feuerwehr Scheßlitz hat diese riskanten Manöver auf Anweisung der Verkehrspolizei Bamberg alle dokumentiert. Insgesamt wurden bis zu 18 Pkw aufgeschrieben, sagt der Kommandant der Feuerwehr Scheßlitz, Claus Freudensprung. "Es käme niemand auf die Idee, auf der Autobahn zu wenden", dachte der Feuerwehrkommandant davor. Doch sollte er sich täuschen.

Ereignet hat sich das alles auf der A70 bei Würgau. Dort wird gerade die südliche Hangbrücke neu gebaut. Der Verkehr läuft über das nördliche Bauwerk in beide Richtungen jeweils einspurig. Die Situation ist für Rettungskräfte schwierig, wenn dort eine Panne oder ein Unfall passiert, kommen die Helfer nur von unten oder oben über die Autobahn an die Stelle heran.


Feuerwehr unterstützt Polizei

Bleibt mitten in der einspurigen Baustelle in Fahrtrichtung Bayreuth ein Lkw am Hang liegen, staut sich der Verkehr schnell zurück. Fünf solcher Vorfälle gab es bisher. "Dann leitet die Feuerwehr den Verkehr über die Abfahrt Scheßlitz aus", erklärt Paul Freudensprung, Leiter der Bamberger Verkehrspolizei, das Vorgehen. Die Feuerwehr unterstützt die Polizei bei den Einsätzen. So sieht es das Rettungskonzept vor, das extra für die knapp ein Jahr dauernde Bauzeit ausgearbeitet wurde. Die Feuerwehren Scheßlitz und Drosendorf kümmern sich um den Verkehr in Richtung Bayreuth. Bei Roßdorf am Berg stehen Feuerwehrkräfte aus Stadelhofen, Steinfeld und Gräfenhäusling bereit. Sollte eine Sperrung der Gegenfahrbahn notwendig werden, kommen sie zum Einsatz. Bei einem Unfall oder Brand werden auch die Feuerwehren aus Wattendorf und Königsfeld sowie der Rettungsdienst herangezogen. In bestimmten Fällen leistet zudem das Technische Hilfswerk Unterstützung.

Dieses Vorgehen wurde lange für den Ernstfall geplant. Doch das Sicherheitskonzept wird zunehmend torpediert durch die Unvernunft der Verkehrsteilnehmer. Kreisbrandmeister Gerald Uch spricht von einem Chaos, das er bei der Anfahrt zu einem Einsatz aus Richtung Bamberg erlebt hat. Vor der Abfahrt Scheßlitz sei weder die Rettungsgasse noch der Standstreifen freigehalten worden. Mit seinem Pkw kam Uch gerade noch durch die letzten verbliebenen Lücken. Doch er will sich gar nicht vorstellen, was passiert, sollte sich wirklich ein schwerer Unfall ereignen: "Wenn wir große Fahrzeuge benötigen, wird das horrormäßig!", fürchtet der Kreisbrandmeister.


Wichtige Zeit geht verloren

Es ist wichtige Zeit, die verloren geht: Polizei oder Feuerwehr müssen die Situation vor Ort beurteilen können, um zu sehen, welche Maßnahmen notwendig werden. Doch: "Es ist eigentlich fast unmöglich für Einsatzfahrzeuge ranzufahren", sagt Uch. In Absprache mit der Verkehrspolizei und der Autobahnmeisterei regte er an, dass mit zwei Plakaten an Brücken vor der Baustelle auf die Rettungsgasse aus beiden Richtungen hingewiesen wird. Die Plakate hängen seit Mitte Februar. Die Einsatzkräfte hoffen, dass diese Erinnerung bei Stau Wirkung bei den Verkehrsteilnehmern zeigt.

Doch bestehen Zweifel, schließlich ist die Unvernunft an der Baustelle Hangbrücke groß: Wer zwischen dem Pannenfahrzeug und der Ausfahrt Scheßlitz im Stau steht, hat Pech: Er muss warten, bis die Einsatzstelle geräumt ist. Das wurde manchen Verkehrsteilnehmern im Februar zu blöd, als wieder ein Lastwagen liegen blieb: Sie wendeten und machten sich auf zurück zur Ausfahrt Scheßlitz - entgegen der Fahrtrichtung. Die Feuerwehr musste sogar Warnbaken wegräumen, um den Falschfahrern Platz zu schaffen.

Und damit nicht genug: Die Kamikazefahrer beschwerten sich auch noch, dass sie nicht ohne Weiteres durchgelassen wurden, berichten Einsatzkräfte. "Das ist ein Verhalten, für das mir jegliches Verständnis fehlt", sagt Verkehrspolizeichef Paul Freudensprung. Dabei hätten Feuerwehr und Polizei das Bestreben, dass der Verkehr möglichst schnell wieder fließt.

Was Falschfahrern droht:

Ordnungswidrigkeit:

Fährt ein Verkehrsteilnehmer auf der durchgehenden Fahrbahn der Autobahn entgegen der Fahrtrichtung liegt eine Verkehrsordnungswidrigkeit vor. Dem Verkehrsteilnehmer droht ein Bußgeld von 200 Euro, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot.

Gefährlicher Eingriff:
Wenn jemand auf der Autobahn wendet, kann das unter bestimmten Umständen einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr bedeuten. Wenn der Verkehrsteilnehmer jemandem durch seine Aktion Hindernisse bereitet und weiter Leib oder Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet, dem droht eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe. Außerdem wird der Führerschein eingezogen.



Kommentar von Sebastian Martin: "Harte Strafen notwendig"
Der Autofahrer hasst nichts mehr als zu stehen. Das liegt wohl an seiner Rolle als "Fahrer": Er fährt, weil er ja kein "Steher" ist. Dass es Leuten hinter dem Steuer nicht schnell genug vorangehen kann, ist bekannt. Dass sie aber nicht nur die Regeln missachten, sondern mehr noch die Arbeit von Einsatzkräften behindern, lässt am Verstand mancher Fahrer zweifeln. Die Rettungskräfte sind bemüht, schnell zu helfen. Da klingt es aberwitzig, dass gerade diejenigen, die schnell weiter wollen, die Mühen der Helfer mit solch gefährlichen Aktionen torpedieren. Im Ernstfall geht es um jede Minute. In solchen Fällen muss man alle Rechtsmittel ausschöpfen, damit das verantwortungslose Handeln endlich ein Ende hat.

Kommentare (4)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren