Lichteneiche

Nach Brandserie in Lichteneiche: 77-Jährige ist wieder auf freiem Fuß

Der Unterbringungsbeschluss gegen die Frau, die in Lichteneiche sechsmal Feuer gelegt haben soll, ist aufgehoben. Es fehlen Beweise - ihr ist nur ein Brand nachzuweisen.
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Spuren  der Verwüstung nach dem großen Brand im Hochhaus, bei dem 78 Bewohner evakuiert werden mussten. Für diese Tat sah das Gericht keinen Nachweis für Regina S. gegeben. Archivbild: Sebastian Schanz
Spuren der Verwüstung nach dem großen Brand im Hochhaus, bei dem 78 Bewohner evakuiert werden mussten. Für diese Tat sah das Gericht keinen Nachweis für Regina S. gegeben. Archivbild: Sebastian Schanz

"Das Schlimme ist jetzt rum, das war die Verhandlung", versuchte Verteidiger Andreas Dräger seine sichtlich aufgeregte Mandantin vor Erscheinen des Gerichts zu beruhigen. "Machen Sie sich keine Sorgen." Groß war das Medieninteresse zumindest bei der Urteilsverkündung zu der bislang größten Brandstiftungsserie in der Region Bamberg, die zu Jahresbeginn insbesondere Lichteneiche und die dortige Schlesienstraße in Atem hielt. Im Sicherungsverfahren gegen die 77-jährige Regina S. (Name geändert) wurde der Unterbringungsbeschluss aufgehoben.

Tatnachweis für einen Brand - aber keine Unterbringung in psychiatrischer Klinik

Nach ihrer nunmehr letzten halben Stunde vor Gericht konnte die Frau gemeinsam mit ihrer Familie gehen. Zwar sieht die Zweite Strafkammer des Landgerichts Bamberg den Tatnachweis für einen Brand, den letzten der insgesamt sechs verhandelten Fälle, gegeben. Dabei war S. jedoch alkoholisiert und wegen ihrer Persönlichkeitsstörung und Demenz nicht schuldfähig.

Vorsitzender Richter Manfred Schmidt verkündete umgehend: "Der Antrag auf Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik ist abgelehnt." Genau diesen Antrag hatte Staatsanwalt André Libischer am vorherigen Verhandlungstag am Ende seines Plädoyers gestellt.

Nach Brandserie: Tatnachweis nur für einen Brand

Dann ging Schmidt noch einmal auf die Aufsehen erregende Brandserie vom 2. Januar bis 18. Februar "mit teils dramatischen Szenen" ein. Das Gericht habe an neun Verhandlungstagen eine Vielzahl von Zeugen und drei Sachverständige gehört. Ein Tatnachweis zu Lasten der Beschuldigten konnte nur im letzten Fall - mit Anzünden eines Holzverschlags und geringem Sachschaden - geführt werden. "Es hätte deutlich mehr passieren können", so Schmidt. "Allerdings wurde alles relativ schnell gelöscht."

77-Jährige von mehreren Zeugen gesehen

In den Keller gelangt man nur mit dem Schlüssel. Aufmerksam wurden Nachbarn, weil hier immer Licht an und ausging. Das Licht leuchtet für drei Minuten und zwei Sekunden. Laut Gutachter und Brandspuren muss es am Verschlag etwa zwei Minuten gebrannt haben und das Feuerzeug 20 Sekunden an die Pappe gehalten worden sein. Bei diesem Brand wurde die 77-Jährige von mehreren Zeugen mit Feuerzeug und Taschenlampe auf der Kellertreppe angetroffen, "niemand anders."

Kein ausreichender Nachweis für weitere Taten

Aufgrund der Beweislage spreche sehr viel dafür, dass Frau S. für diesen letzten Brand verantwortlich ist, so Schmidt. "Für die übrigen fünf Fälle gibt es keinen Tatnachweis, der ausreicht, ihre Verantwortung zu belegen." Es sei nicht so, dass nicht auch andere Leute dort gezündelt hätten, gab Schmidt zu verstehen.

Weitere Brandstifter können nicht ausgeschlossen werden

Er nannte hier den einen Fall, wo eine Zeugin eine dem Gangbild nach junge Frau bei Müllhäuschen gesehen hatte, wo es im Anschluss brannte. Man müsse auch sehen, dass es in dem Zeitraum der verhandelten Fälle auch weitere Brände in der Gartenstadt und in der Coburger Straße gegeben habe und es zudem im März in der Schlesienstraße erneut brannte (da war Frau S. bereits untergebracht), "sodass durchaus auch andere Menschen zündelnd unterwegs waren".

Richter bedauert fehlende Aussage von 77-Jähriger

Einmal mehr äußerte Schmidt sein Bedauern darüber, dass sich Frau S. im Verfahren nicht mehr geäußert hatte. Die Motivlage für den letzten Brand sieht er als ungeklärt, laut Gutachter könnte eine Überforderung vorgelegen haben. Der Vorsitzende Richter führte weiter an, dass in keinem einzigen Fall ein Zeuge gesehen hat, wie Frau S. Feuer gelegt hat. Es gab nur die Beobachtung einer Zeugin, die S. mit Feuerzeug bei Containern gesehen hatte, allerdings an einem Tag, als es nicht brannte.

Keine falschen Schlüsse ziehen

"Wir glauben nicht, dass diese Zeugin die Unwahrheit gesagt hat." Aus dieser Beobachtung ließe sich allerdings nicht der Schluss ziehen, dass S. an den anderen fünf Fällen schuld ist.

Der letzte Fall beruhe auf einer Indizienkette. Und hier lag eine Alkoholisierung vor, plus organische Persönlichkeitsstörung und Demenz, weshalb sie nicht verurteilt werden könne. Weil auch eine Prognose zu weiteren Gefährdungen laut Gutachter allein aus dem Fall mit Tatnachweis nicht möglich ist, "bleibt das Verfahren für Sie ab heute folgenlos", sagte der Vorsitzende an S. gewandt. Aus Fürsorgegründen - "was ist mit Frau S., wenn sie nicht mehr untergebracht ist?" - habe man beim Amtsgericht angeregt, eine Betreuung zu prüfen.

Unterbringungsbefehl aufgehoben

"Ich denke, wir haben im Rahmen das uns Mögliche getan", stellte Schmidt am Ende fest und wiederholte: "Der Unterbringungsbefehl wird aufgehoben." Binnen einer Woche kann Revision eingelegt werden. "Frau S., alles Gute wünsche ich Ihnen", verabschiedete Schmidt die 77-Jährige, die sich umgehend bedankte und ihren Anwalt mit Tränen in den Augen umarmte.

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