Altendorf
Porträt

750 Mal zu den Bayern gefahren

Er hat 26 Jahre lang Tickets für Spiele des aktuellen deutschen Meisters verkauft - jetzt gibt der Altendorfer Pankraz Schick die Aufgabe an andere ab.
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Es ist seit kurzem Geschichte: Tausende von Karten wurden auf der Hofmauer des Anwesens von Pankraz Schick abgerechnet. Bertram Wagner
Es ist seit kurzem Geschichte: Tausende von Karten wurden auf der Hofmauer des Anwesens von Pankraz Schick abgerechnet. Bertram Wagner
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Noch vier Jahre mehr als die zum Saisonabschluss stürmisch gefeierten Arijen Robben und Frank Ribéry zusammen hat Pankraz Schick ein dickes Kapitel FC-Bayern-München-Geschichte geschrieben. Der heute 59-Jährige war nicht nur einer der Gründungsväter des Fan Clubs "Red United" und über zwei Jahrzehnte in der Vorstandschaft tätig, sondern organisierte sage und schreibe 26 Jahre - bis zum letzten Saisonspiel gegen Frankfurt - den Ticketverkauf und die Fahrten.

"Angesichts unseres letztjährigen Jubiläums haben wir hoch gerechnet, dass Pankraz Tickets im Wert von einer knappen Million Euro an die FC Bayern-Fans gebracht hat, mit der vergangenen Spielzeit ist nun die Millionengrenze um 20 000 Euro überschritten! Einfach unglaublich", beschreibt Veit Dathe als Erster Vorsitzender das Wirken des Altendorfers, der sich nun aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen muss. "Es wird schwer für jeden Nachfolger, in die Fußstapfen von Pankraz zu treten!"

Fingerspitzengefühl nötig

Der Kartenbeauftragte mit Leib und Seele stand während all der vielen Spielzeiten immer im Fokus., denn die Altendorfer sind sogenannte "Allesfahrer". Einer der bei den FCB-Fans bekannteste "Karten-Uumschlagplatz" ist der Eingangspfosten des Schick'schen Anwesens. Pro Spiel überwies Schick im Schnitt um die 3000 Euro an den FC Bayern.

Dabei ist das Ticket-Handling eine Aufgabe, die nicht nur Freude und Freunde macht - Schick: "Das hat mich viele Nerven gekostet!" Schließlich mussten weit über 100 Mitglieder zufrieden gestellt werden. Da war Fingerspitzengefühl notwendig.

"Früher gab es nicht so viele Fanclubs, die Leute waren auch ausgeglichener und wir sind auch schon mal mit acht Bussen zu Spielen gefahren. Bis 2000 war alles easy", blickt er zurück. Die Realität heute sieht anders aus: "Es gibt immer mehr Fanclubs, als Allesfahrer bekommen wir noch 45 Tickets pro Spiel, auswärts aber vielleicht einmal acht wenn es gut läuft."

Schick trauert den Olympiastadion-Zeiten nach, als es mit drei Bussen zur Champions League ging, und musste immer dann Schwerstarbeit leisten, wenn es eine Mittwochsfahrt in den kalten Monaten gegen einen wenig attraktiven Gegner gab. Es war kein leichter Spagat, auch wenn er seine "Pappenheimer" kannte und stolz auf seine Top-Auslastung ist.

Achtmal um den Erdball

Bezieht man die Jahre vor der offiziellen Fanclub-Gründung mit ein, so sind es an die 750 Fahrten, die meisten natürlich ins Olympiastadion und in die Allianz Arena. Noch imposanter wirkt die Kilometerzahl: Weit über 300 000! Umgerechnet hat Schick hat damit für den FCB achtmal den Erdball umrundet.

Wer 24 Jahre im Amt ist, hat auch Höhen und Tiefen erlebt. Auf die Frage antwortet Schick wie aus der Pistole geschossen: "Schrecklich, wenn ich an Barcelona denke, als 1999 in den letzten Minuten der Sieg verspielt wurde." Top war dagegen der europäische Titel in Mailand: "Einfach unvergesslich, genauso wie das 4:0 gegen den FC Barcelona 2013!"

Der Dauerkartenbesitzer (seit 1988) wird natürlich im Verein weiter mithelfen. Er gibt sich auch zuversichtlich, wenn Veit Dathe an der Spitze zusammen etwa mit Lukas Hilf den Verein führt. Andererseits wird es sicher einige Zeit dauern, bis es Schick genießen kann, als "normaler" Fan eine Fahrt zu genießen. Mit dem aktuellen Double jedenfalls wurde die schon legendäre Kartenverkaufsstelle für immer geschlossen.

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