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Wirtschaft

70 Millionen für Bamberg-Ost: Brose will investieren

Die Brose-Gruppe will 2019 den zweiten Bauabschnitt der Bamberger Verwaltungsgebäude in Angriff nehmen. Auch die Stadt hat die Weichen dafür gestellt.
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Im Luftbild erschließt sich die Lage der Brose-Gebäude zwischen Berliner Ring (oben) und Memmelsdorfer Straße (links). Unterhalb des bestehenden Gebäudes könnte nun der zweite Bauabschnitt entstehen.  Foto: Ronald Rinklef
Im Luftbild erschließt sich die Lage der Brose-Gebäude zwischen Berliner Ring (oben) und Memmelsdorfer Straße (links). Unterhalb des bestehenden Gebäudes könnte nun der zweite Bauabschnitt entstehen. Foto: Ronald Rinklef

Im Vermögenshaushalt der Stadt sind 350 000 Euro nur eine Kleinigkeit. Doch die Summe, die der Stadtrat Mitte der Woche eher beiläufig durchgewunken hat, ermöglicht einen Entwicklungssprung für Bamberg-Ost. "Wir schaffen die Infrastruktur, die nötig ist, um die Erweiterung der Brose-Gruppe zu sichern", sagte Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) nach der Entscheidung.

Hört man den Chef der Verwaltung, geht es um die nötigen Gutachten für den Immissionsschutz, die naturschutzrechtlichen Planungen und vor allem um die Verkehrsanbindung für den zweiten Bauabschnitt einer zukunftsträchtigen Firmenansiedlung. Die Stadt wolle die Erweiterung der Brose-Gruppe positiv begleiten.

Überraschend ist es nicht, dass Brose seinen Standort an der Breitenau ausbauen will. Schon 2012, als die Stadt mit dem Automobilzulieferer den Vertrag über die Betriebsansiedlung schloss, war die Rede von mehreren Bauabschnitten und dem festen Ziel, einen Standort mit über 1000 Beschäftigten zu schaffen. Unklar war nur, wann es dazu kommen würde.

Fertigstellung im Frühjahr 2021

Ende 2018 scheint diese Frage geklärt. Am Mittwoch hat die Gesellschafterversammlung der Brose-Unternehmensgruppe Zeitplan und Umfang des zweiten Bauabschnitts in Bamberg abgesegnet. Michael Stoschek, Vorsitzender der Brose-Gesellschafterversammlung, spricht von 70 Millionen Euro, die der Automobilzulieferer in die Erweiterung des Standorts in Bamberg stecken will. Ende 2019 soll mit dem Bau begonnen werden. Geplante Fertigstellung ist im Frühjahr 2021.

Auch in Hallstadt wird investiert

Dabei geht es nicht nur um die Stadt Bamberg. 100 Millionen steckt Brose in sein Werk Hallstadt, wo neue Produktionsanlagen und Versuchseinrichtungen entstehen sollen. Und klar ist auch, dass das Ganze mit einem Personalzuwachs einhergehen soll: Damit Brose sein Geschäft mit elektrischen Seitentür- und Heckklappenantrieben weiter entwickeln kann, wird die derzeitige Belegschaft an der Breitenau von 700 auf ca. 1100 Mitarbeiter in den nächsten fünf Jahren aufgestockt. "Für Bamberg ist das eine sehr erfreuliche Angelegenheit", gibt sich Stoschek überzeugt. Die wachsende Zahl zum Teil auch neu einzustellender Mitarbeiter bedeute für Bamberg mehr Kaufkraft und zusätzliche Nachfrage nach Wohneigentum.

Kritik äußerte Stoschek in dem Zusammenhang am Ergebnis des Bürgerentscheids zum Gewerbepark Muna. "Das ist eine ganz schlechte Entscheidung, denn Bamberg braucht zur Finanzierung seiner Aufgaben als Stadt deutlich mehr Gewerbesteuereinnahmen." Das deutlich kleinere Coburg verfüge über viel höhere Einnahmen als Bamberg, sagte Stoschek.

Voraussetzung dafür, dass Brose in Bamberg bauen kann, ist ein im Januar geplanter Erwerb von 31 000 Quadratmetern Grund von der Stadt, eine Fläche, mit der das zerklüftete Brose-Grundstück am Rande des Flugplatzes arrondiert werden soll. Insgesamt verfügt die Unternehmensgruppe dann über zehn Hektar in Bamberg.

Wettbewerb der Städte

Wie Bambergs OB sagt, hat er fest damit gerechnet, dass Brose in Bamberg weiter wachsen wird. Schon am Zuschnitt der Sozialgebäude sei erkennbar, dass eine Erweiterung erfolgen werde. Überrascht ist er dennoch über die Geschwindigkeit: "Wir freuen uns, dass sich eine solide, innovative und erfolgreiche Firma in Bamberg weiterentwickelt. Hier geht es um Arbeitsplätze, um Gewerbesteuer und die Anziehungskraft des Wirtschaftsstandorts."

Das Stadtoberhaupt sieht sich durch die Entwicklung an der Breitenau auch darin bestätigt, die Ansiedlung von Brose mit öffentlichen Geldern gefördert zu haben. Um sich im Wettbewerb gegen andere Städte durchzusetzen, hatte die Stadt elf Millionen Euro investiert, unter anderem für die Umsiedlung von Sportvereinen und die Errichtung neuer Flughafen-Gebäude. Hört man Starke, haben sich diese Investitionen mittlerweile amortisiert - die elf Millionen Euro seien über die Gewerbesteuer wieder in die Stadtkasse zurückgeflossen.

Doch wie werden die Erweiterungspläne in der Nachbarschaft aufgenommen? Peter Neller vom Bürgerverein Gartenstadt lobt die Zusammenarbeit mit der Brose-Gruppe. Sie habe stets reibungslos funktioniert. Die Ansiedlung bedeute für die Gartenstadt eine auch architektonische Aufwertung. Neller sieht keinen Grund, einer Erweiterung skeptisch gegenüberzustehen. "Es handelt sich ja nicht um eine Fabrik mit Schlöten und Abgasen."

Auch Georg Weber hat nichts gegen die Ansiedlung des Automobilzulieferers. Dennoch sieht der Funktionär der Stiftung Eintracht den raschen Wandel am Rande von Bamberg-Ost mit gemischten Gefühlen. Die Gartenstadt habe dadurch, dass das Vereinsheim und die dort befindlichen Sportplätze bereits 2015 eingeebnet worden seien, ihren sportlichen und auch sozialen Mittelpunkt verloren. Weber wünscht sich vor allem für die jungen Fußballer eine in unmittelbarer Nähe zur Gartenstadt gelegene Sportanlage.

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