Bamberg

7,5 Millionen pro Jahr würden fehlen

Studiengebühren abschaffen oder nicht? CSU und FDP in Bayern konnten sich in dieser Frage am Wochenende nicht einigen. Würden die Gelder wegfallen, stünde die Universität Bamberg vor einem großen Defizit.
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Symbolbild. Foto: dpa/Montage: Tanja Friedrich
Symbolbild. Foto: dpa/Montage: Tanja Friedrich
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Der Mann wirkt erstaunlich ruhig, als er seine Antwort gibt. "Die direkte Folge wäre, dass der Universität zunächst einmal siebeneinhalb Millionen Euro pro Jahr fehlen würden. Bei steigenden Studierendenzahlen auch mehr." Sebastian Kempgen, Vorsitzender der Studienbeitragskommission, ist pragmatisch. Noch ist nichts entschieden, aber genau das ist das Problem: "Dieses Hin- und Hereiern ist tödlich. Wir brauchen klare Verhältnisse, um planen zu können", fordert Kempgen.

Wie gut sie "hin- und hereiern" kann, hat die Koalition aus CSU und FDP am Wochenende bewiesen. Während sich die Liberalen auf keinen Fall von den Studiengebühren trennen wollen, setzen sich die Christsozialen für die Abschaffung ein. "Dieses Theater hat den Widerstand gegen die Studiengebühren revitalisiert", sagt Simon Dudek, Student an der Uni Bamberg. Er hat einen Job während des Semesters, einen weiteren in den Semesterferien. Beide sind notwendig, um die 450 Euro Studiengebühren für jedes neue Semester auf die Seite zu legen.

Ihm geht es wie vielen der 12.500 Studierenden, die derzeit an der Uni eingeschrieben sind. "Aber die neuen Studiengänge Bachelor und Master lassen nicht mehr so viel Freiraum für Nebenjobs wie Diplom oder Magister", weiß Stefanie Neumann von der Bamberger Studierendenvertretung. "Wir setzen uns dafür ein, dass die Studiengebühren abgeschafft werden. Bildung sollte frei zugänglich sein", fordert sie. Auch Student Tarek Schakib findet: "Die Chancengleichheit wird eingeschränkt, die Elitenbildung dagegen gefördert."


Proteste und Volksbegehren
Am Donnerstag werden Studierende in Erlangen und Würzburg gegen die Gebühren demonstrieren. Neben den Demonstrationen schwebt weniger als ein Jahr vor der Landtagswahl zudem das Damokles-Schwert eines Volksbegehrens gegen Studienbeiträge über der Bayeri schen Staatsregierung. Für Studentin Franziska Batscheider ist klar, dass es auch ohne geht: "Andere Bundesländer kriegen es ja auch hin!"

Sollte es auch Bayern ohne "hinkriegen" wollen, hieße das für die Bamberger Uni, dass 7,5 Millionen Euro pro Jahr zunächst wegfielen. Die Beiträge werden bisher folgendermaßen verwendet: 80 Prozent werden in die Verbesserung der Lehre investiert. Das heißt konkret: neue Dozenten, zusätzliche Lehrveranstaltungen wie Tutorien, Übungen und Exkursionen.

Mit den restlichen Mitteln wird das Serviceangebot für Studierende ausgebaut, etwa Arbeitsplätze in Bibliotheken und Computerräumen geschaffen oder die Studienliteratur aufgestockt, um Engpässe bei der Ausleihe zu entschärfen. Etwa fünf Prozent entfallen für den Verwaltungsaufwand. Unabhängig von den Geldern aus dem Studienbeitragstopf sind dagegen die Professuren.


Haushalt aufstocken
Doch wie könnten die möglicherweise ausfallenden Studiengebühren aufgefangen werden? "Auch eine Uni hat einen normalen Haushalt, der vom Staat zur Verfügung gestellt wird", erklärt Sebastian Kempgen. "Dieser Haushalt müsste entsprechend erhöht werden." In eine ähnliche Richtung geht auch der Vorstoß von Studierendenvertreterin Stefanie Neumann: "Wir werden uns mit unserem Dachverband beim Bayerischen Staat für eine anständige Kompensation einsetzen."

Dass zur Zukunft der Studienbeiträge am Wochenende keine klare Stellungnahme getroffen wurde, bedauert Kempgen. "Die Arbeitsverträge, die bei der Einführung der Gebühren 2007 abgeschlossen worden sind, stehen im April zur Verhandlung. Mit einer Entscheidung von Seiten der Politik hätten wir planen können."

Die Studierenden der Uni Bamberg können mit einer Sache dagegen sicher rechnen: Dass sie im Sommersemester 2013 ihre 450 Euro löhnen müssen. Denn die Studentenkanzlei verschickt um die Weihnachtszeit herum die Unterlagen für die Rückmeldung - basierend auf der aktuellen Gesetzeslage.


Pro-Kommentar
von Klaus Angerstein


Contra-Kommentar
von Johannes Görz


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