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Bamberg
Kundgebung

500 feierten in Bamberg ein Fest der Demokratie

Am samstäglichen "Fest der Demokratie" auf dem Maxplatz legten die städtische Prominenz und zahllose Bürger ein klares Bekenntnis zu den Werten des Grundgesetzes ab: "Klare Kante gegen Extremisten".
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Es wurde getanzt, gelacht und ein deutliches Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus am Maxplatz in Bamberg gesetzt.  Foto: Matthias Hoch
Es wurde getanzt, gelacht und ein deutliches Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus am Maxplatz in Bamberg gesetzt. Foto: Matthias Hoch
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Ganz still saß Martin Arieh Rudolph auf der Bank am Info-Stand der KLJB (Katholische Landjugendbewegung) auf dem Maxplatz. Nachdenklich schaute der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde Bamberg um sich. Fast ungläubig, dass sich so viele Menschen zu diesem "Fest der Demokratie" versammelt haben, um Flagge zu zeigen. "Ich habe neulich ein Flugblatt des ,dritten Weges‘ in meinem Briefkasten gefunden, mir ist richtig schlecht geworden", sagte Rudolph leise.

Diese rechtsextreme Kleinstpartei versuche, ihre wahre Absicht zu verschleiern und wolle die Demokratie abschaffen, erklärte Rudolph und fügte mit wieder kräftiger Stimme hinzu: "In Bamberg gehören alle Religionen zusammen! Wir sollten eine große Familie sein und nicht aufeinander einschlagen!"

"Bamberg ist bunt nicht braun"

Die große Menschenmenge auf dem Maxplatz war weit davon entfernt, handgreiflich zu werden. Im Gegenteil! Friedlich bot sie in dieser von Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) initiierten und vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) durchgeführten Veranstaltung einen eindrucksvollen Schulterschluss: "Wir zeigen klare Kante gegen diese rechtsextremistische Kleinstpartei, die heute in Bamberg aufmarschiert!" rief Mathias Eckardt, DGB-Geschäftsführer der Region Oberfranken, den versammelten Zuhörern von der Bühne aus zu.

City-Manager Klaus Stieringer und Hubertus Schaller vom "Bamberger Bündnis gegen Rechtsextremismus und Rassismus" hatten dieses "Fest der Demokratie" eröffnet. "Bamberg ist bunt und nicht braun!" gab Stieringer gleichsam das Tagesmotto aus, das zwei international zusammengesetzte Musikbands in mitreißend farbige Töne umsetzten. Bamberg feierte die Demokratie, die elementaren Werte des Grundgesetzes. Bewies, dass ein zünftiges Fest auch ohne Alkohol und Bratwörschd möglich ist.

Kalb: Fest ist beispielgebend

Die von Martin Arieh Rudolph gewünschte "große Familie" fand sich später im "Zelt der Religionen" am Markusplatz zur multireligiösen Feier zusammen. Doch schon zuvor gab es ein harmonisches Familienbild auf der Maxplatz-Bühne: Die städtische Prominenz setzte gemeinsam ein deutliches Zeichen. "Bamberg ist demokratisch, gastfreundlich und bunt!" betonte OB Starke. Und: "Wir Demokraten stehen zusammen und zeigen den Demonstranten aus der rechten Ecke die kalte Schulter!" Oder: "Wir lassen uns nicht einschüchtern, sondern stehen ein für Demokratie, Toleranz, Respekt!" Oder. "Wir werden alles tun, um aus dem ‚Nie wieder‘ die Lehren zu ziehen!"

Landrat Johann Kalb (CSU) nannte das Fest "beispielgebend" und dankte Andreas Starke als Ideengeber. Er, so Kalb, wolle besonders die Jugend aktivieren, wachsam und sorgsam zu bleiben, "damit unser friedliches Leben in Stadt und Landkreis nicht gefährdet wird".

Schick: rote Karte für Neonazis

Starken Beifall erntete auch Erzbischof Ludwig Schick, der dazu aufrief, Neonazis "die rote Karte zu zeigen". Er wies darauf hin, dass Demokratie kein Selbstläufer sei und auch Adolf Hitler zunächst demokratisch gewählt wurde. "Eine Demokratie ist so gut und so schlecht wie die Demokraten, das heißt die Wähler, die dann auch achtsam und kritisch die Parlamentarier und die Regierung beobachten und aufpassen, dass Gemeinwohlorientiert der Volkswille umgesetzt wird", sagte der Erzbischof. Das Fest der "wehrhaften Demokratie" müsse eine Selbstverpflichtung sein, die Grundwerte des Grundgesetzes, die Würde eines jeden Menschen gleich welcher Nation, Hautfarbe, Religion zu verteidigen, forderte Schick.

Für den evangelischen Dekan Hans-Martin Lechner ist Demokratie die Staatsform, "die dem Evangelium am nächsten kommt": "Jeder Mensch ist gleich würdig und angesehen." Der Dekan warb dafür, "Vielfalt und Buntheit, eine inklusive Gesellschaft" zu leben. Der Dekan zeigte auf den orange farbigen Button an seinem Jackenrevers: "Unser Kreuz hat keine Haken" zitierte Lechner den Schriftzug neben einem stilisierten Kreuz, dem Symbol des Christentums.

Gemeinsam gegen Hass und Hetze

Im Laufe des Nachmittags kamen weitere Redner zu Wort: Die OB-Kandidaten, Stadträte und Stadträtinnen aller Fraktionen, Theater-Prinzipal Martin Neubauer und mehr, die allesamt vereint waren in ihrem Zeichen gegen rechts. Gegen Extremismus jeglicher Art.

Verbände und Initiativen boten an ihren Ständen verschiedene Aktionen an. "Gemeinsam gegen Hass und Hetze" stand etwa auf einem Spruchbanner des Evangelischen Dekanates Bamberg, das dazu einlud, mit Fremden in Berührung zu kommen und sich mit ihm oder ihr fotografieren zu lassen. Viele Bamberger und Stadtgäste machten freudig mit. Bamberg lächelte für die Demokratie.

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