Bamberg
Stadtratswahl

44 Kandidaten: CSU setzt in Bamberg auf die Wechselstimmung

Die CSU will 2020 nicht nur den OB stellen, sondern wieder stärkste Fraktion im Stadtrat werden. Ob das gelingt?
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Viele Jahre bestimmte die CSU in Bamberg die Politik - mit ihrer neuen Kandidatenliste hofft CSU-Kreisvorsitzender Christian Lange, daran anknüpfen zu können.  Foto: Matthias Hoch
Viele Jahre bestimmte die CSU in Bamberg die Politik - mit ihrer neuen Kandidatenliste hofft CSU-Kreisvorsitzender Christian Lange, daran anknüpfen zu können. Foto: Matthias Hoch

Es ist ein Wahlkampf der Wortspiele. Christian Lange, 47-jähriger OB-Kandidat und CSU-Kreisvorsitzender präsentierte die Bewerber der CSU für die Stadtratswahl im sechsten Stock des Hotels Messerschmitt hoch über der Langen Straße. Es ist nicht nur eine Lange Liste, sondern auch eine "starke" geworden.

Davon sind zumindest die Spitzen der CSU überzeugt, die die fein austarierte Reihe von 44 Namen in monatelangen Gesprächen entwickelt haben. "Mit diesem dynamischen und frischen Team wollen wir 2020 erneut die stärkste Fraktion im Stadtrat stellen", sagte Lange, der die Liste anführt. Hört man ihn, dann handelt es sich um eine Art Gesamtkunstwerk, denn die Kandidaten sollen die Stadtteile ebenso repräsentieren, wie die gesellschaftliche Vielfalt in Berufen, Altersgruppen und Lebensläufen. Zwölf Sitze plus x ist das Ziel, das die CSU 2020 ausgibt. Die Partei ist bescheiden geworden: Zwölf Sitze und damit 27 Prozent der Stimmen erhielt sie 2014, 2008 waren es noch 15 Sitze und 34 Prozent.

Kann die CSU noch einmal das Ruder herumreißen, wie es Lange beschwört? Der Bürgermeister setzt auf die gefühlte Wechselstimmung und den Erneuerungsprozess in der Union. Insgesamt sei die Partei jünger und weiblicher aufgestellt als in den Jahren zuvor. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Anna Niedermaier (Platz 4) spricht von einer Aufbruchstimmung. Gastronom Florian Müller (Platz 9) lobt die Expertise und die Vielfalt, die in der CSU-Mannschaft steckt. Tatsächlich findet sich eine bunte Mischung von Talenten und Erfahrungen auf der CSU-Liste. Sie umfasst Juristen und Selbstständige ebenso wie die Kunsthistoriker Peter Ruderich (Platz 34) und Ulrich Kahle (Platz 35) oder die beiden Polizisten Andreas Dechant (Platz 13) und Thomas Lehmann (Platz 18). Zwölf Frauen stehen auf der CSU-Liste, fünf auf den ersten elf Plätzen, darunter die JU-Kreisvorsitzende Annamarie Bauer (Platz 6), die frühere SPD-Stadträtin Annerose Ackermann (Platz 11) und die bekannte Kegelsportlerin Daniela Kicker (15).

Vier der 44 Kandidaten sind unter 35 Jahre alt, der jüngste, Bezirksschülersprecher Ben Wirth (Platz 38), ist gerade mal 18 Jahre alt. Das Durchschnittsalter beträgt dennoch 50 Jahre. Dafür sorgen nicht zuletzt "Neuzugänge", die die Liste wegen ihrer Bekanntheit und Erfahrung bereichern wie der frühere Bundesligabasketballer Wolfgang Reichmann (Platz 17) oder der renommierte Wissenschaftler Helmut Glück auf Platz 42. Zehn amtierende Stadträte wollen auch im nächsten Stadtrat wieder dabei sein: Peter Neller, der OB-Kandidat von 2006, hofft von Platz 5 aus durchzustarten, CSU-Urgestein Franz-Wilhelm Heller nimmt die Herausforderung auf Platz 21 sportlich, ebenso Elfriede Eichfelder auf 44.

Drei Namen fehlen auf der Liste: Melanie Huml, ihr Mann Markus und Helmut Müller. Die Gesundheitsministerin, die der CSU zweifellos viele Stimmen gebracht hätte, zieht es wie bereits vor sechs Jahren vor, sich auf ihre Aufgabe in der Landespolitik zu konzentrieren. Die zeitliche Belastung mache es unmöglich, das Amt in Bamberg in dem Sinne auszufüllen, wie es sich die Bürger wünschen, lässt Huml verlauten. Auch ihr Mann Markus mochte 2020 nicht mehr antreten. Nach Angaben von Christian Lange aus Zeitgründen.

Auch der Stadtratshaudegen und CSU-Fraktionschef Helmut Müller ist nicht mehr mit von der Partie: "Man hat mich gebeten zu kandidieren, aber mein Entschluss aufzuhören, steht seit langem fest." Müller (75) wäre zum Ende der neuen Periode 82 Jahre alt geworden.

Spannung verspricht die Frage, ob der "fränkische Chinese" You Xie (Platz 3) auch nächstes Jahr wieder CSU-Stimmenkönig wird. Er soll den Spruch erfunden haben: Bamberg hat eine starke Geschichte hinter und eine lange Zukunft vor sich.

Die Kandidatenliste der CSU in Bamberg

1 Christian Lange, Bürgermeister

2 Anne Rudel, Kauffrau, Stadträtin

3 You Xie, Diplom-Germanist, Stadtrat

4 Anna Niedermaier, Floristin, Stadtr.

5 Peter Neller, Richter, Stadtrat

6 Annamarie Bauer, Studentin

7 Gerhard Seitz, Chefarzt, Stadtrat

8 Gabriele Seidl, Wirtschaftsprüferin

9 Florian Müller, Gastronom

10 Wolfgang Grubert, Kaufmann

11 Annerose Ackermann, Stadträtin

12 Oliver Leuteritz, Rechtsanwalt

13 Andreas Dechant, Stadtrat

14 Stefan Kuhn, Rechtsanwalt

15 Daniela Kicker, Betriebswirtin

16 Stefan Gallenz, Zahnarzt

17 Wolfgang Reichmann, Journalist

18 Thomas Lehmann, Polizist

19 Eva Fischer, Wissensch.Mitarbeiterin

20 Michael Kalb, Metzger, Stadtrat

21 Franz-Wilhelm Heller, RA, Stadtrat

22 Gerd Schimmer, Lehrer

23 Daniela Utzmann, Selbstst.Kauffrau

24 Ismail Gök, Kaufmann

25 Alexander Wilhelm, Beamter

26 Jan Pfadenhauer, Student

27 Daniela Brodmerkel, Imm.-Kauffrau

28 Ambros Michael Mahr, Gastronom

29 Florian Köhn, Arbeitsrichter

30 Michael Flämig, Diplom-Volkswirt

31 Matthias Wenninger, Fahrlehrer

32 Christian Mayer, Physiotherapeut

33 Gabriele Göring, Dipl.-Betriebswirtin

34 Peter Ruderich, Kunsthistoriker

35 Ulrich Kahle, Kunsthistoriker

36 Markus Habermeyer, Kaufmann,

37 Monika Hoh, Verwaltungsang. i.R.

38 Ben Wirth, Schüler

39 Christian Burgis, Gärtnermeister

40 Nofal El Sayed, Gesundheitspfleger

41 Barbara Zeck, Univ.-Angestellte i.R.

42 Helmut Glück, Prof. a.D.

43 Reinhold Herrmann, Univ.-Angest.

44 Elfriede Eichfelder, Stadträtin

Kommentar des Autors:

Spannend wie lange nicht

Erstmals wählen die Bamberger an einem Tag den Oberbürgermeister und den Stadtrat. Das spart Geld, führt aber dazu, dass die Wahl des Stadtparlaments in den Hintergrund rückt.

Das widerspricht dem wahren Kräfteverhältnis. Denn welche Politik in Bamberg gespielt wird, das entscheidet am Ende nicht allein der OB oder die OBin, sondern der Stadtrat mit 44 Stimmen. Und hier verspricht 2020 mit voraussichtlich zehn Stadtrats-Listen einen zweifelhaften Rekord.

So sehr sich die CSU es wünschen mag, zu alter Stärke zurückzufinden, so schwierig wird das. Denn mit der CSU konkurrieren ja nicht nur die starken Grünen, die SPD mit einem amtierenden OB auf Platz 1 der Liste, der Bürger-Block, die Bamberger Allianz, die AfD, sondern eine Handvoll Einzelkämpfer, die nach dem Wahlverfahren ebenfalls Aussicht auf Amt und Würden haben.

So droht 2020 eine heillose Zersplitterung im Rathaus.

Anderseits, und um ein letztes Wortspiel zu bemühen: So spannend war es Lange nicht.

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