Unterhaid
Tag des offenen Baudenkmals

29 Keller für Bier und Wein in Unterhaid

An der Grenze zwischen Bier- und Weinfranken liegt die historische Kellergasse von Unterhaid. Ihre Sanierung durch die Gemeinde Oberhaid ist fast abgeschlossen. Am Sonntag kann sie besichtigt werden.
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Zwischen den einzelnen Kellern in der Unterhaider Kellergasse wird derzeit die historische Trockenmauer wieder aufgebaut, die teilweise eingestürzt war. Sie bildet eine Art Fassade der Anlage. Bis Sonntag soll sie weitgehend fertig sein. Foto: Barbara Herbst
Zwischen den einzelnen Kellern in der Unterhaider Kellergasse wird derzeit die historische Trockenmauer wieder aufgebaut, die teilweise eingestürzt war. Sie bildet eine Art Fassade der Anlage. Bis Sonntag soll sie weitgehend fertig sein. Foto: Barbara Herbst
Unter dem Motto "Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?" steht in diesem Jahr der "Tag des offenen Baudenkmals" am 8. September. Einmal mehr werden sich verschlossene Türen und Toren öffnen und dazu Informationen gegeben, die man nicht alle Tage erhält. Doch gibt es überhaupt unbequeme Baudenkmale? Im Landkreis Bamberg stellen sich unter diesem Motto Schloss Burgellern und die historische Kelleranlage bei Unterhaid den Besuchern, in Ebrach gibt es dazu eine Sonderausstellung. Offiziell eröffnet wird der Tag um 12 Uhr Mittags im Schlosshotel Burgellern vom Scheßlitzer Bürgermeister Franz Zenk.

Was aber ist an der Kelleranlage von Unterhaid "unbequem"? "So ein Motto für eine landesweite Aktion passt nicht immer hundertprozentig auf alle Teilnehmer", meint der Leiter des Büros für angewandte Denkmalpflege in Stettfeld, Johann Müller. Sein Büro leitet seit Jahren die Sanierung der Anlage mit 29 historischen Kellern, einem Kellerhaus und einer Kegelbahn durch die Gemeinde Oberhaid, der das Grundstück gehört, während Privatpersonen Kellerrechte besitzen. Unbequem im Sinne von nicht ganz einfach sei die Sanierung gelaufen, weil eine große Zahl von Rechtlern mit oft unterschiedlichen Vorstellungen beteiligt war.

Als "unbequemes Baudenkmal" solle man die Kellergasse deshalb aber nicht verstehen, handele es sich doch um die älteste noch erhaltene bürgerliche Freizeitanlage Oberfrankens mit Datierung von 1728 an der Grenze von Wein- und Bierfranken.

Unbequem sei die Anlage vor allem wegen der Komplexität der Sanierung, bestätigt Müller. Mit den bisherigen Ergebnissen ist der Architekt sehr zufrieden. Die Gemeinde Oberhaid habe einen Weg gefunden, die Anlage zu erhalten. "Das war nicht immer einfach, aber Bürgermeister und Gemeinderat haben die Beteiligten mit einem guten Ansatz überzeugen können". Die wesentlichen Inhalte des Projekts waren die Bildung von Bauabschnitten und die Zusage einer 80-prozentigen Förderung durch den Freistaat Bayern, die allen Rechtlern die Belastungen erträglich gemacht habe. Zuletzt wird die historische Trockenmauer wieder hergestellt. Eine Toilettenanlage biete die Gewähr, dass die Anlage mit neuem Leben erfüllt werden könne.

"Unbequem" waren die Kellergasse und der eigene Keller auch für Norbert Then nicht. Seine Familie besitzt seit Generationen einen Keller in der historischen Gasse. Für ihn ist die Situation mit vielen Besitzern zwar ein Konfliktherd, aber kein Problem. Die Sanierung des eigenen Kellers war Then "nicht zu teuer", die Kosten für neue Gewölbebögen und Ausbesserungen am Mauerwerk seien im Rahmen geblieben. Wann sein Keller gebaut wurde, kann Then nicht sagen, es war in jedem Fall vor dem Ersten Weltkrieg. Weil von der - ebenfalls erneuerten - Eingangstüre aus Eichenholz zwei Gänge abzweigen, teilt sich Thens Familie die Anlage mit einer weiteren Familie.

Kosten von 850.000 Euro

Was für Thens Keller gilt, gilt auch für das Gesamtprojekt. Sogar nach dem Einbau einer WC-Anlage blieben die Kosten im veranschlagten Rahmen von 850 000 Euro, bestätigt Bürgermeister Carsten Joneitis (SPD).
Beim Landesamt für Denkmalpflege ist die Freude groß, dass man nun kurz vor dem Abschluss der Arbeiten steht und alles ein glückliches Ende gefunden hat. Die letzten Arbeiten seien derzeit im Gange: der Einbau eines WC's und die Sanierung des Weges selbst, der aus alten regionalen Sandsteinpflastern besteht. Hauptkonservator Thomas Gunzelmann weist nach, dass die Brauerei durch einen Hanns Clarmann in Unterhaid nach 1717 und vor 1796 eingerichtet worden sein muss. Wahrscheinlich in dieser Zeit kann der Lagerkeller mit Kellerhaus entstanden sein. Erstmals schriftlich nachgewiesen ist er aber erst für 1852. Der Grundsteuerkataster der Gemeinde hält fest, dass auf dem gemeindlichen Viehtriebweg FlstNr. 956 mit dem schönen Namen "Abendröthe" "der Felsenkeller von Haus Nr. 42 steht".

Mit der Sanierung des Kellerhauses der Brauerei Gambrinus wurde auch wieder eine Basis für Bewirtung geschaffen. Wolfgang Laubender und seine Helfer bieten von 11 bis 19 Uhr Bratwürste und Getränke an. Kegelbetrieb ist leider nicht möglich. Dafür spielt Ambros Göller zur Unterhaltung auf der Panflöte.
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