Bamberg
Proteste

200 Demonstranten übertönen Rechtsextreme in Bamberg

Eine Kundgebung der rechtsextremen Partei "Der Dritte Weg" stieß in Bamberg auf Widerstand: 200 Gegendemonstranten setzten am Gabelmann ein Zeichen.
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Am Gabelmann demonstrierten  Samstagmittag  mehr als 200  Teilnehmer gegen die Kundgebung des "Dritten Wegs".  Foto: Ronald Rinklef
Am Gabelmann demonstrierten Samstagmittag mehr als 200 Teilnehmer gegen die Kundgebung des "Dritten Wegs". Foto: Ronald Rinklef
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Jede Menge los war am Samstagmittag um den Gabelmann-Brunnen: Polizeiautos rund um den Platz, ein weißes Banner an der Brunnenumrandung. Die Aufschrift: "Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen". Verschiedene Organisationen aus der Region wie etwa die Antifa-Bamberg oder die Gruppierung "Die Partei" hatten zu einer Demonstration gegen die für 13 Uhr geplante Kundgebung der rechtsextremen Partei "Der Dritte Weg" aufgerufen. Beide Versammlungen, sowohl im Vorfeld die des "Dritten Wegs" als auch die Gegendemonstration per Eilantrag, waren beim Ordnungsamt der Stadt Bamberg angemeldet worden.


Kundgebung wird übertönt

Der Platz am Grünen Markt füllte sich am Mittag allmählich, verschiedene Redner der liberal gesinnten Gruppen ergriffen das Wort, gaben Hintergrundinformationen zum "Dritten Weg", gegen den sich die Demonstranten mit deutlichen Worten aussprachen. "Hier ist kein Platz für Nazis, wir brauchen keinen ,Dritten Weg‘ in Bamberg", lautete der zentrale Appell.

Der von den Verfassungsschutzbehörden unter Beobachtung stehende "Dritte Weg" existiert bereits seit 2013. Nach ihrer Gründung in Heidelberg vergrößerte sich die Partei in ganz Deutschland. Heute verfügt sie über 21 Stützpunkte, sechs davon befinden sich in Bayern. Zu den Mitgliedern der antisemitischen Vereinigung zählen laut Verfassungsschutzbericht Bayern aus dem Jahr 2016 viele ehemalige Sympathisanten der indes verbotenen rechtsextremen Organisation "Freies Netz Süd". In Zahlen schlägt sich das Nachfolgebündnis mit rund 300 Mitgliedern bundesweit nieder, etwa 80 davon sind im Freistaat zu verorten.

Am Samstag fanden sich rund zwölf Mitglieder der rechtsextremen Gruppierung ein, die damit deutlich in Unterzahl waren. Bei der Kundgebung wollten die Parteianhänger unter ihrem Pavillon am Gabelmann unter anderem zum "Schutz der deutschen Volksidentität" aufrufen, doch wurden sie von den Rufen und der Musik der Gegendemonstranten übertönt.


Im Verhältnis zwölf zu 200

Das Zusammentreffen der politischen Kontrahenten verlief weitestgehend friedlich, wie die Polizei mitteilt. Beamte der Bereitschaftspolizei und der Bamberger Dienststelle bildeten ab 13.30 Uhr eine physische Barriere zwischen den beiden Lagern und lotsten Passanten, die nicht an der Versammlung teilnahmen, zu den Durchgängen.

Drei Dienstwagen der Polizei sorgten zwischen dem Pavillon des "Dritten Wegs" und dem Gabelmann-Brunnen, wo sich die Gegendemonstranten zunächst versammelt hatten, für eine zusätzliche Trennung der Gruppen. Thomas Schreiber, Dienststellenleiter der Bamberger Polizeiinspektion, zeigte sich nach der offiziellen Beendigung der Veranstaltungen durch die jeweiligen Organisatoren gegen 14.40 Uhr zufrieden.

Nur zweimal haben laut Schreiber die Beamten für mehr Platz zwischen den Rechtsextremen und den letztlich knapp 200 Gegendemonstranten sorgen müssen, nachdem sich Letztere auch von Seiten der Langen Straße um den Pavillon des "Dritten Wegs" positioniert hatten.
Ulrike Siebenhaar, Pressesprecherin der Stadt Bamberg, äußerte sich trotz des Konflikt-Potenzials ebenfalls gelassen. "Wir hatten in Bamberg schon Demonstrationszüge, wo zehn Menschen über 2000 gegenüberstanden, da ist diese Kundgebung doch eher klein. Das Verhältnis hier bleibt aber ein Gutes", zog Siebenhaar vor Ort Bilanz.


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