Bamberg

Mann gesteht vor Bamberger Gericht vielfachen Computerbetrug

Um 181 095 Euro hat ein 54-Jähriger seinen Chef geschädigt. Weil er alles zugab, kam er mit einer milden Strafe davon.
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401 Mal hob der Angeklagte Bargeld von Konten seines Chefs ab.Symbolfoto: Michael Memmel
401 Mal hob der Angeklagte Bargeld von Konten seines Chefs ab.Symbolfoto: Michael Memmel
Er will weder kostspielige Urlaube gemacht haben noch teure Autos gefahren sein. Angeblich pflegte er einen ganz normalen Lebensstil. In den sei das Geld geflossen, das er über mehrere Jahre von Geschäftskonten seines Arbeitgebers für sich abgehoben hat: unterm Strich 181 095 Euro.

Dass er das Geld einfach so "verlebt" haben will, mochten weder Richterin Marion Aman noch Staatsanwalt Thomas Förster dem Mann abnehmen, als dieser sich jetzt vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts verantworten musste. Die 401 Fälle des Computerbetrugs gestand Josef T. (Name von der Redaktion geändert) ohne Wenn und Aber.

In der Anklageschrift sind sie exakt aufgelistet. Das erste Mal hob er am 5. Juli 2011 450 Euro für sich ab, letztmals holte er sich mit einer Bankkarte seines Chefs am 16. März 2015 wiederum 450 Euro. Es gab Tage, da ging T. zwei und drei Mal zur Bank, im September 2014 sind sogar jeweils vier Abhebungen zu insgesamt 2000 Euro an zwei aufeinander folgenden Tagen dokumentiert.

Das Geld will er aufgebraucht haben für eine doppelte Haushaltsführung, die er im Tatzeitraum hatte, für häufiges Essengehen mit seinem Chef und für den Kauf von Markenkleidung. Sein Arbeitgeber habe Wert darauf gelegt, dass er gut angezogen war, weil sie oft gemeinsam zu Kunden gefahren seien. Ab und zu spielte T. nach eigenen Angaben an Geldautomaten oder in Casinos.

Der Angeklagte arbeitete von 2009 bis Frühjahr 2015, als seine Straftaten aufflogen, als Finanzbuchhalter bei einem Bamberger Projektentwickler. Die beiden Männer duzten sich, man verkehrte offenbar freundschaftlich miteinander. Dass T. die besondere Vertrauensstellung so schamlos ausnützen würde, habe er nicht für möglich gehalten, gab der Geschädigte im Zeugenstand zu verstehen. Er habe, als ihm die Verluste auffielen, erst andere Personen verdächtigt.

Wie konnte T. fast vier Jahre lang Geld beiseite schaffen, ohne dass es aufgefallen ist, wollte die Richterin von dem Projektentwickler wissen. Der Zeuge sagte, dass er aus 30 Objekten Mieteinnahmen in Millionenhöhe gehabt habe. Da seien die fehlenden Beiträge - T. hob durchweg dreistellige Summen ab - nicht wirklich aufgefallen.

Der Zeuge glaubt, dass T. bei ihm 2600 bis 2700 Euro verdient haben müsste. Der Angeklagte sprach von 2000 Euro brutto. 1200 Euro habe er allein für die Mieten seiner beiden Wohnungen in Bamberg, wo er gearbeitet hat, und im Landkreis Forchheim monatlich zahlen müssen. Fürs Essengehen und gute Kleidung sei da nicht viel übrig geblieben.


Zur Wiedergutmachung bereit

T. entschuldigte sich im Gerichtssaal beim Geschädigten und erkannte den Schaden an, den er angerichtet hat. Ob er in der Lage sein wird, ihn irgendwann zurück zu zahlen, bleibt abzuwarten. Zur Zeit ist der 54-Jährige arbeitslos und lebt von Hartz IV.

Dass er noch keine neue Stelle hat, liegt angeblich nur daran, dass ihm sein früherer Chef noch kein Arbeitszeugnis ausgestellt hat. Was er denn künftig tun wolle, wurde er gefragt. Seine Antwort: Am liebsten würde er als Dienstleister rund um Immobilien tätig sein.


Geständnis erspart ihm Gefängnis

Der Angeklagte kam glimpflich davon: Das Schöffengericht verhängte gegen ihn eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurden.

Zu verdanken hat er das milde Urteil seinem umfassenden Geständnis und einer Verständigung zwischen dem Gericht, seinem Verteidiger, Rechtsanwalt Dominic Kriegel und Staatsanwalt Förster gleich zu Prozessbeginn.

Der Anklage-Vertreter hatte der Bewährungsstrafe nur unter der Bedingung zugestimmt, dass T. zusätzlich 180 Tagessätzen zu je 15 Euro zahlen muss. Seine Begründung: Bei einer so hohen Schadenssumme sei eigentlich keine Bewährung mehr drin.

"Sie haben Glück, dass es heute so zu Ende geht", sagte denn auch Richterin Aman in der Urteilsverkündung an die Adresse von Josef T. Mit seinen beinahe 55 Jahren stand er zum ersten Mal vor Gericht.

Das wahre Motiv des Angeklagten war nach Ansicht des Schöffengerichts wohl das Gefühl, er würde für seine Arbeit nicht genug verdienen. Marion Aman äußerte die Vermutung, dass T. aus einer früheren Tätigkeit mit dem Export teurer Autos einen Lebensstil gewöhnt war, den er auch als Finanzbuchhalter beibehalten wollte.

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