Bamberg
Weltkulturerbe

18 Einzeldenkmäler in Bamberg vom Verfall bedroht

Die Zahl der unter Denkmalschutz stehenden Bauwerke, die stark sanierungsbedürftig und ungenützt sind, verändert sich kaum.
Artikel drucken Artikel einbetten
Das Archivbild vom Lokschuppen ist mehrere Jahre alt. Foto: Ronald Rinklef
Das Archivbild vom Lokschuppen ist mehrere Jahre alt. Foto: Ronald Rinklef
+2 Bilder
Seit zehn Jahren führt das Baureferat eine ganz spezielle Liste: die der sanierungsbedürftigen oder vom Verfall bedrohten Einzeldenkmäler. Zur Zeit umfasst sie 18 Objekte, nur eines weniger als beim Start.

Die gute Nachricht ist: Eine Reihe hochkarätiger Bauwerke, die einmal Sorgenkinder der Denkmalpflege waren, wurden inzwischen von der Liste gestrichen, weil sie gerettet sind. Zu den bekanntesten Beispielen zählen das barocke Aufseßhöflein im Gleisdreieck in der Nordflur, der ehemalige Bruckertshof im Stadtteil Kramersfeld und das Haus Untere Sandstraße 20, vielen Bambergern besser als das Haus neben dem Hotel "Tandem" an der Markusbrücke bekannt.

Die schlechte Nachricht: Es kommen immer neue Fälle von vernachlässigten Einzeldenkmälern hinzu, so dass die Zahl der gefährdeten Objekte sich in den zehn Jahren kaum verringert hat. Und bei einigen hat sich in der ganzen Zeit nichts oder nichts Entscheidendes getan, weshalb sie weiterhin "gelistet" sind.


Seit zehnJahren "gelistet"

Ein Beispiel dafür ist der nördliche der beiden ehemaligen Lokschuppen an der Gundelsheimer Straße 14 a. Zur Ehrenrettung des heutigen Eigentümers muss geschrieben werden, dass sich das halbrunde Bauwerk aus Backstein schon in einem desolaten Zustand befunden hat, als es von einem Tochterunternehmen der Deutschen Bahn AG verkauft wurde. Danach erlebte es mehrere Besitzerwechsel.

Der jetzige Eigentümer plant, aus dem alten Lokschuppen ein Gesundheitszentrum zu machen. Im Baureferat heißt man die Idee gut. Laut Michael Krüger stehen er und seine Kollegen vom Team Denkmalpflege in relativ engem Kontakt mit dem Bauherrn, der sich wiederum gerade in schwierigen Grundstücksverhandlungen mit der Deutschen Bahn befinden soll.


Hoffnung für alten Lokschuppen

Der Zustand des ehemaligen Lokschuppens ist nach Krügers Worten nicht so dramatisch, wie er sich für den Laien darstellt. Das fehlende Dach sei nicht etwa eingefallen, sondern eingelegt worden, weil es einsturzgefährdet war. Es handle sich um eine einfache Holzkonstruktion, die eingelagert und leicht wieder aufzubauen sei. Das technische Herzstück, eine Drehscheibe für die zu wartenden Lokomotiven, soll noch funktionieren. Positiv findet es Krüger zudem, dass sich der Eigentümer bereits potenzielle Ersatzteile vom zweiten ehemaligen Lokschuppen gesichert habe. Dieser dürfte dem ICE-Ausbau zum Opfer fallen, wurde daher auch von den Denkmalpflegern quasi aufgegeben.


Noch keine "Entwarnung"

Im Hintergrund läuft also allerhand für den Erhalt des alten Lokschuppens. Trotzdem steht er auf der Liste, so wie etliche andere Objekte, für die nach Angaben des Baureferats teils Ideen und Pläne, teils Bauanträge existieren. Doch bei keinem der 18 Einzeldenkmäler sah das Bauordnungsamt im vergangenen Jahr einen Anlass, "Entwarnung" zu geben. Alle eint ein Kriterium: Sie werden derzeit nicht genutzt und sind ohne umfassende Sanierung auch nicht nutzbar ist.

Das trifft gegenwärtig - neben dem alten Lokschuppen - auf folgende 17 weitere Immobilien dazu: Untere Königstraße 13/15, Untere Königstraße 17, Mittelstraße 72, Hellerstraße 13/Rückgebäude, Nebinger Hof 25, Hainstraße 11 (altes Kutscherhäuschen), Letzengasse 3 (ehemalige Mangsche Wachsbleiche), Erba-Wasserturm mit Batteurhalle, Koppenhofgasse 1, Oberer Stephansberg 42, Gaustadter Hauptstraße 31, Siechenstraße 23, Moosstraße 46 (ehemalige Brauerei Maisel), Judenstraße 1 (frühere Christuskirche), Buger Hauptstraße 4 (Nebengebäude der ehemaligen Brauerei), Siechenstraße 8, Obere Sandstraße 20.

Michael Krüger nimmt die Besitzer gefährdeter Einzeldenkmäler vor dem Generalverdacht in Schutz, es handle sich bei ihnen um "schwarze Schafe" oder Spekulanten. Die gebe es schon auch, sagt er. Aber die meisten Eigentümer hätten nachvollziehbare, individuelle Gründe, dass sie ein Objekt ungenutzt stehen lassen. Oft fehle das Geld. Manche Besitzer seien zu alt und wollten die Herausforderung ihren Erben hinterlassen. Andere wüssten - noch - nicht, wie sie es anpacken sollen. Wieder andere besäßen verschiedene Objekte und wollten erst andere Vorhaben abschließen. Das soll zum Beispiel beim Investor der Fall sein, der vor einigen Jahren die Maiselbräu erworben hat.

Möglichkeiten, auf die Denkmal-Besitzer einzuwirken, hat die Stadt angeblich kaum. Sei Gefahr in Verzug, könne sie über das Denkmalschutzgesetz höchstens Zwangsmaßnahmen in der Form veranlassen, dass ein Objekt gegen das Eindringen von Nässe oder Unbefugten geschützt wird.


Semesterarbeit half weiter

Erfolg versprechender nennt es Krüger, auf die Leute zuzugehen und sie zu beraten und zu unterstützen. Das sei keine Pflichtaufgabe, aber ein Service, der Früchte tragen könne. Indem man einen Studenten vermittelt habe, der als Semesterarbeit ein altes Anwesenvermessen und Nutzungsideen erarbeitet habe, sei es beispielsweise gelungen, die Sanierung der Koppenhofgasse 1 anzustoßen. 2017 könnte deshalb für das alte Gärtnerhaus in der Wunderburg die Wende bringen, hofft Krüger.


Initiatorin nicht ganz zufrieden

Initiatorin der Liste war 2006 die GAL-Stadträtin Petra Friedrich. Fragt man sie nach einer ersten Bilanz, attestiert sie dem Baureferat, die Bestandsaufnahme zuverlässig durchzuführen. Sie findet aber, dass die Liste noch zu wenig als Arbeitsauftrag verstanden würde. Ginge es nach Friedrich, müssten in der Verwaltung die Prioritäten anders gesetzt werden, um mehr Kapazitäten für gefährdete Denkmäler zu haben. Auch aus der Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege im nahen Schloss Seehof und der Bamberger Universität, die angehende Denkmalpfleger ausgebildet werden, könnte man nach ihrer Überzeugung noch mehr Nutzen ziehen.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren