Emus rennen nun keinen mehr auf der Weide am Ortsende von Kötsch, Richtung Kappel. Dafür nimmt der Passant andere exotisch anmutende Tiere wahr, die so aussehen wie zu heiß gewaschene Rinder: Zwergzebus. Das ist eine Wildrind-Art. Deswegen sind sie sehr scheu. Selbst Ramona Burkard braucht Zeit, bis die Tiere es wagen, Karotten aus ihrer Hand zu fressen. Irgendwann ist das wohl umgekehrt: Da landen diese Zwergzebus, zumindest aber ihre Nachkommen bei Burkards auf dem Teller.

Zwergzebufleisch gilt als Delikatesse. Jürgen Burkard berichtet von Zwergzebu-Butter-Buckelschinken, "1700 Euro das Kilo". Die Burkards wollen das Fleisch ihrer Tiere aber nicht verkaufen, sondern selbst essen. Denn genau dafür haben sie die Zwergebus gekauft. "Alles, was bei uns ist, hat einen Nutzen", erklärt Ramona Burkard: Lilly, die Katze hält Haus, Stall und Grund mäusefrei.
Cockerspaniel Kim und Yorkshire-Terrier Jacky bewachen das Anwesen. Die Warzenenten und die Zwergzebus werden für Nahrung sorgen. "Wir wollen wissen, was wir essen", unterstreicht sie gerade angesichts der aktuellen Meldungen in Sachen keimbelastetes Hühnerfleisch.

Höckergänse machten den Anfang

Sie und ihr Mann, Sohn eines Metzgers, wuchsen auf dem Land auf, wo die Haltung und Ernährung von Nutztieren ganz selbstverständlich ist. Die 32-Jährige mag aber auch Tiere und wollte eigentlich Tierpflegerin werden. So ist es der Job der Hausfrau und Mutter (die übrigens auch den Fränkischen Tag austrägt), sich um "die Viecher", wie sie sagt, zu kümmern. Allerdings möchte sie da schon etwas Ausgefalleneres haben.

Angefangen hatte alles vor gut sechs Jahren, als Burkard einen Garten mit Weiher pachteten. Dazu gehörten "Viecher" hatte Ehemann Jürgen befunden. So legte sich die Familie Gänse zu. Höckergänse. "Die hatte im Umkreis keiner", gibt sich die 32-Jährige stolz. Als Burkards in Kötsch ein Anwesen erwarben, zogen die Höckergänse mit um. Nebenbei hielt man auch Puten. Als Jürgen Burkard in Herrnsdorf Küken besorgen wollte, sah er dort zwei kleine Emus. Ihn interessierte es, wie sie schmecken. "Er denkt immer nur ans Essen", entschuldigt ihn Ehefrau Ramona.

Emus waren echte "Hingucker"

Auf jeden Fall nahm Burkard einen kleinen Emu mit. Der sollte nicht alleine bleiben, fand seine Frau, deswegen gesellte sich auch der zweite dazu. Sam und Nemo waren eine Attraktion. "Etliche Autos hielten wegen ihnen an, fuhren sogar zurück". Die Insassen wollten sich die Tiere genauer anschauen. Aus dem Ort kamen gleichfalls immer wieder Leute, hauptsächlich Kinder, zu Sam und Nemo. Bei Ramona Burkard waren die Straußentiere zutraulich, aber andere Menschen mochten sie nicht. Ja sie bewachten sogar das Anwesen.

Letzen Sommer fand die 32-Jährige, dass die Preise für Milch und Käse anstiegen und wollte unabhängiger werden, sprich eine Kuh anschaffen. So recherchierte sie im Internet, aber alle Rassen, die einigermaßen robust und einfach in der Haltung waren, kosteten viel. Zufällig landete sie dann bei den Zwergzebus. Die geben nun keine Milch, sind aber robust und haben zartes, gesundes und schmackhaftes Fleisch. Ramona Burkard forschte immer weiter, bis sie so weit war, dass sie Zwergzebus haben wollte. Wie sie herausgefunden hatte, gibt es ein paar Züchter in der Nähe, in Unterfranken und in Mittelfranken. Prompt erstanden die Burkards letzten August dann die dreijährige Kuh Jeda und ihr Kalb, das man Linda nannte. Wenig später gesellte sich aus einer anderen Blutlinie der Bulle Bully dazu. "Wir wollten ja züchten." Wegen der Rindviecher musste man einen Betrieb anmelden mit eigener Betriebsnummer.

In der Zwischenzeit hat die Familie erfahren, dass es gerade in Mittelfranken etliche Zwergzebuhalter gegeben hatte, von denen viele wieder aufgaben: "Weil man viel Geduld braucht", wie Ramona Burkard nun aus eigener Erfahrung weiß. Man ist verpflichtet, jedes Tier einmal jährlich einem Bluttest unterziehen zu lassen, als Nachweis, dass die Rinder frei von ansteckenden Krankheiten sind. Gar nicht so einfach, bei doch recht scheuen Tieren.

Puten sind "ergiebiger"

Die Emus Sam und Nemo, die eine zeitlang den Stall zusammen mit den Zwergzebus bevölkerten, wurden ihrerseits immer aggressiver, so dass Ramona Burkard nicht ganz so unfroh über ihr Ableben ist. Allerdings habe es lange gedauert, bis sie Fleisch von ihnen probiert hat. "Man muss wissen, wie man es richtig zubereitet." Aber trotzdem habe es ihr nicht so besonders geschmeckt, räumt sie ein. Ehemann Jürgen hatte sich wohl auch eine höhere Fleischausbeute erhofft. Manche Pute gebe da mehr her, weiß der 36-Jährige. Teile von Sam und Nemo lagern immer noch in der Tiefkühltruhe.

Fremden gegenüber misstrauisch

Bis einer von den Zwergzebus den Weg dorthin geht, wird es noch dauern. Denn Bully und Linda sollen sich vermehren und am besten auch Jeda. Die ist die Scheueste, kommt eigentlich aus Frankreich und hatte schon drei Vorbesitzer. Fremden gegenüber sind die Zwergzebus sehr misstrauisch. Mit den Warzenenten hingegen haben sie keine Probleme. Doch selbst als Ramona Burkard sie mit Karotten lockt, dauert es, bis die Tiere kommen. Tagsüber sind sie auf der Weide, abends im Stall. Dort lassen sie sich schon mal kraulen. Sie sind sehr genügsam, außer Gras benötigen sie lediglich etwas Heu.

Zum Nikolaustag hat Bullys Züchter den Burkards Zwergzebufleisch geschenkt. Der Geschmack begeisterte die ganze Familie. Man merkt, Ramona Burkard mag die Tiere und ist so durchaus ein bisschen im Zwiespalt. "Aber wir wollen ja wissen, was wir essen", ruft sie sich selbst zur Ordnung. Und was ist jetzt eigentlich mit eigenem Käse und Milch? Irgendwann wird sich wohl auch eine Milchkuh zu den Zwergzebus gesellen, ein Jerseyrind schwebt Ramona Burkard vor...