Baunach
Altenpflege

13 Menschen leben schon im Schloss

Am 1. Januar hat das Seniorenzentrum Schloss Baunach seinen Betrieb aufgenommen. Gestern wurde es eingeweiht. Für das Unternehmen Seniotel, Tochter der Krankenhausgesellschaft des Landkreises, ist es das achte Altenheim.
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Der Andachtsraum zog das besondere Interesse der Eröffnungsgäste auf sich. Foto: Ronald Rinklef
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So mancher Gast mag gestern mit dem Gedanken gespielt haben, sich im Seniorenzentrum Schloss Baunach ein Zimmer für das Alter zu sichern: Hier leben die Bewohner in hellen Räumen mit Blick auf die Baunach, speisen unter Stuckdecken in der Beletage des Schlosses und genießen allen Komfort, den ein Altenheim heutzutage bieten kann.
Entsprechend stolz waren bei der Einweihungsfeier alle, die an der Sanierung und Erweiterung des alten Jagdschlosses beteiligt waren, allen voran Bürgermeister Ekkehard Hojer, für den ein Wunschtraum wahr geworden ist, der vor wenigen Jahren noch unerfüllbar schien. „Das Dörnröschenschloss ist nach 26 Jahren aus seinem Schlaf erwacht.“

Glücksfall für ganz Oberfranken
In der rekordverdächtigen Bauzeit von nur einem Jahr wurde das Haus nach den Plänen der Bamberger Architekten Vollmann und Postler zum Preis von 8,2 Millionen Euro und im Auftrag des Betreibers Seniotel (das Tochterunternehmen der Krankenhausgesellschaft des Landkreises Bamberg) saniert und erweitert.
Landrat Dr. Günther Denzler freute sich darüber, dass das Projekt mit 1,062 Millionen Euro von der Städtebauförderung und mit 2 Millionen Euro von der Oberfrankenstiftung bezuschusst wurde. Die Glasfenster im Andachtsraum – von der Breslauer Künstlerin Dr. Marta Sienkiewicz geschaffen – habe die Sparkassenstiftung bezahlt.
Wie der Landrat weiter ausführte, sind 48 Pflegeheimplätze in 24 Einzelzimmern und zwölf Doppelzimmern entstanden. 13 Bewohner seien bereits im Januar eingezogen, sieben weitere folgen im Februar. Bis Ende des Jahres, so Denzlers Prognose, werde das Haus vollbelegt sein. Derzeit arbeiteten 18 Beschäftigte unter der Pflegedienstleitung von Irmgard Wölfel. Später werde man das Personal bis auf 42 Kräfte aufstocken.
Staatssekretärin Melanie Huml betonte in ihrem Grußwort, dass ältere Menschen, wenn sie schon nicht mehr zu Hause leben könnten, doch wenigstens einen Heimplatz am Ort finden sollten, um ihre sozialen Kontakte aufrecht zu erhalten. In Baunach sei das jetzt gelungen. Petra Platzgummer-Martin, Regierungsvizepräsidentin von Oberfranken, unterstrich die Bedeutung der Städtebauförderung. In den vergangenen 38 Jahren seien 28 Millionen Euro nach Baunach geflossen und 44 Millionen in andere Gemeinden des Landkreises Bamberg.

Erster Stock für den Fürstbischof
Begeisterten Applaus für eine mit viel Humor vorgetragene Festrede über Geschichte und Bedeutung des ehemaligen fürstbischöflichen Jagdschlosses erhielt Bezirksheimatpfleger Prof. Dr. Günther Dippold. Es waren bewegte Jahrhunderte, die dieses Haus hinter sich hat: Von 1689 bis 1692 hat es der Architekt Leonhard Dientzenhofer im Auftrag des Fürstbischofs Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg als „Kastenhof“ errichtet – mit Räumen für die Verwaltung des zum Hochstift gehörenden „Amtes Baunach“ und einem riesigen Getreidespeicher unter dem Dach. Die Prunkräume im ersten Stock waren dem jeweiligen Fürstbischof und seinen Gästen für den Jagdaufenthalt vorbehalten.
Als nach der Säkularisation das „Amt Baunach“ 1804 aufgelöst war, wurde das Schloss zum Amtsgerichtsgebäude mit Gefängnis. Von 1932 bis 39 stand es leer. Danach diente es der Firma Striegel und Wagner (Striwa) als Produktionsstätte, In der Baunacher Fabrik haben ab 1939 rund 150 Menschen Fliegermonturen hergestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Hosen und Mäntel produziert. 1982 musste Striwa schließen. 26 Jahre sollte es dauern, bis die Eigentümer das Anwesen veräußern konnten. Seine Sanierung wertete Dippold als „Glücksfall für ganz Oberfranken“.
Die kirchliche Segnung vollzogen die Pfarrer Körner und Gessner sowie Diakon Kaim. Die musikalische Umrahmung besorgte das Streichorchester des Gesangvereins Baunach unter Leitung von Wolfgang Bottler.


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