Bamberg
Zweiter Weltkrieg

13. April 1945: die "Stunde Null" in Bamberg

Es war das Ende und ein Neubeginn: Am 13. April 1945 begann der Einmarsch der Amerikaner in Bamberg. Gegen 8 Uhr war am Tag darauf der Krieg für die Stadt im Grunde vorbei. Aber Brände wüteten im Zentrum. Die Feuerwehr bekämpfte ein Inferno. Historische Filmaufnahmen gibt's im Anhang .
Artikel drucken Artikel einbetten
Bambergs Zentrum als Trümmerlandschaft: Blick von der Hauptwachstraße aus zur Kettenbrücke.  Foto: Max Gardill/ Stadtarchiv
Bambergs Zentrum als Trümmerlandschaft: Blick von der Hauptwachstraße aus zur Kettenbrücke. Foto: Max Gardill/ Stadtarchiv
+2 Bilder
Endzeitstimmung herrschte. Seit den Luftangriffen im Februar 1945, bei denen über 300 Frauen, Männer und Kinder umgekommen waren, wähnte sich auch in Bamberg keiner mehr in Sicherheit. "Die Menschen hungerten, überlebten von Tag zu Tag, ohne zu wissen, was kommt", berichtet Margarete Schmidt, die damals gerade 13 Jahre alt war. Allgegenwärtig war die Bedrohung durch Tiefflieger, die größere Menschenansammlungen attackierten. Nachts rissen aufheulende Alarmsirenen erschöpfte Familien aus dem Schlaf, die sich in Luftschutzkeller flüchteten und dort bei Eiseskälte bis zur Entwarnung ausharrten. Lange schon vor dem Einmarsch der Amerikaner - am 13. und 14. April 1945 - war die Welt aus den Fugen geraten. Wobei das Schicksal Bambergs vor 70 Jahren am seidenen Faden hing, nachdem die Domstadt wie eine "Festung" verteidigt werden sollte.

Versorgungslager wurden geplündert
An der Regnitz hatte sich in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs die Situation weiter zugespitzt. Ausgehungerte Menschen plünderten die Versorgungslager, wie Willy Heckel in "Bamberg im 20. Jahrhundert" berichtete. Auch ins ehemalige Kaufhaus Tietz (heute Karstadt) drangen verzweifelte Männer und Frauen ein, die Vorräte in Handwagen und Koffern nach Hause schleppten. Viele hatten sich zuvor schon aus der Stadt ins Umland zu Verwandten und Bekannten geflüchtet. Alle waffenfähigen Männer, die nicht im Feld standen, waren zum "Volkssturm" abkommandiert worden. Halbe Kinder schickte das menschenverachtende NS-Regime zuletzt noch für den vermeintlichen "Endsieg" in den Tod.

Wie sehnten sich die Menschen in dieser Situation nach Frieden. Ängstigten sich aber zugleich vor den unaufhaltsam näher rückenden amerikanischen Truppen. "Immerhin wussten wir mittlerweile, dass nicht die Russen kommen - eine Schreckensvorstellung für die meisten", meint Margarete Schmidt. Wofür auch die nationalsozialistische Propaganda gesorgt hatte.

Bis zum letzten Mann
Mit Hilfe des Volkssturms, eilends errichteter Panzersperren und Schützengräben sollte der Vormarsch der Amerikaner aufgehalten werden. Zum Frontgebiet innerhalb der imaginären "Juralinie" hatte man Bamberg zum Schutz von Nürnberg als "Stadt der Reichsparteitage" erklärt. Als Reichsverteidigungskommissar befahl der Bayreuther Gauleiter Fritz Wächtler, die Domstadt wie eine Festung "bis zum letzten Mann" zu verteidigen. Und keiner weiß, wie viele Menschen noch gestorben wären, hätten einflussreiche Persönlichkeiten in den letzten Tagen des Krieges die militärische Verteidigung Bambergs um jeden Preis nicht verhindert.

"Fanatischer Widerstand"
Glücklicherweise intervenierten Männer wie der Chefarzt des Krankenhauses Prof. Dr. Wilhelm Lobenhoffer, Erzbischof Joseph Otto Kolb und Weihbischof Dr. Artur Landgraf bei militärischen Entscheidungsträgern. So blieb der von Hitler geforderte "fanatische Widerstand" am 13. April tatsächlich aus, als die Amerikaner ab etwa 11 Uhr mit Panzern und Infanterie gegen Bamberg vorgingen. Mal abgesehen von den in der Panzerkaserne an der Zollnerstraße verbliebenen deutschen Truppenresten. Auch das letzte Aufgebot des Volkssturms - auf die Schnelle noch an Ostern rekrutiert und mit Panzerfäusten ausgerüstet - löste sich angesichts des herannahenden Feindes rasch auf. Zum Teil wagten es die Menschen sogar, weiße Betttücher aus den Fenstern zu hängen.

Margarete Schmidt erlebte die Befreiung in einem alten Brauereikeller des Karmelitenhofs, den man zum Luftschutzkeller umfunktioniert hatte. "Wir verbrachten hier zwei Tage. Als wir danach wieder an die Oberfläche kamen, herrschte eine eigenartige, ja absonderliche Stille." Bald darauf sah die 13-Jährige erste Jeeps mit amerikanischen Soldaten durch die Stadt fahren.

Der Gabelmann hielt die Stellung
Nach Würzburg, Aschaffenburg und Coburg befand sich Bamberg am 14. April gegen 8 Uhr in amerikanischer Hand. Die Waffen schwiegen. Allerdings standen Teile der Innenstadt in Flammen. Apokalyptische Bilder boten sich vielerorts, auch am Obstmarkt und am Grünen Markt, wo der Gabelmann die Stellung vor der zerstörten Alten Maut noch tapfer hielt. Während Kunigunde von der Unteren Brücke aus ebenfalls unversehrt auf das Chaos und die Verwüstung ihrer Stadt blickte.

Tagelang wüteten Brände, die bei Kampfhandlungen entstanden waren, durch Phosphorgranaten und - von der NSDAP gelegt wurden. Auch hatten deutsche Luftangriffe auf die einmarschierenden US-Truppen verheerende Folgen. 75 Männer der Bamberger Feuerwehr kämpften Willy Heckel zufolge "insbesondere in der Innenstadt heldenhaft gegen das Inferno an". Allein in diesem Gebiet wurden rund 90 Gebäude beschädigt, zum Teil sogar gänzlich zerstört. Zu alledem hatte man auf Hitlers so genannten Nero-Befehl hin Bambergs Brücken gesprengt und einen Millionenschaden angerichtet.

Fast 7000 Menschen obdachlos
23 Soldaten und vier Zivilisten waren bei der Einnahme der Stadt getötet worden. Weitere 17 starben am 19. April, als ein mit Munition beladener Güterzug am Pfisterberg explodierte. Fast 7000 Menschen hatte der Krieg obdachlos gemacht. So wurden auch in Bamberg 65 Prozent der Gebäude beschädigt. Darunter 276 Häuser, die nurmehr Ruinen waren, wie aus der aktuellen Veröffentlichung des Stadtarchivs unter dem Titel "Vom Krieg verschont? Das Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 in Bamberg" hervorgeht. Es sollte Jahre dauern, bis aller Schutt der NS-Zeit abgetragen war - unter der Regie von Luitpold Weegmann. Hatten die Nazis Bambergs beliebten OB 1934 in den Ruhestand gedrängt, so wurde er von der amerikanischen Militärregierung nun - nur zwei Tage nach dem Einmarsch der US-Truppen - reaktiviert. Und kehrte mit den Worten ins Rathaus zurück: "In Gottes Namen - ich bin bereit..."


Ausstellung bis 15. Mai
Noch bis zum 15. Mai ist im Stadtarchiv (Untere Sandstraße 30 a) die Ausstellung "Vom Krieg verschont? Das Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 in Bamberg" zu sehen. Rund 100 historische Aufnahmen zeigen, welche Spur der Zerstörung und welches Grauen die Luftangriffe im Februar vor 70 Jahren hinterließen. Die Ausstellung ist jeweils von Montag bis Mittwoch von 8 bis 16 Uhr, am Donnerstag von 8 bis 20 Uhr und freitags immer von 8 bis 14.30 Uhr zu sehen.






Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren